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Sexiest Man Alive: Wenn Finanzvorstände Chef werden

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Finanzvorstände gehören heute zur Gattung „Sexiest Man Alive". Allerdings nur, wenn sie als Finanzchef auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden eines globalen Konzerns rücken: Matthias Zachert (Lanxess), Timotheus Höttges (Telekom) und Joe Kaeser (Siemens) haben es vorgemacht. Anleger, Investoren und die Börse jubeln heute wie nie zuvor, wenn Finanzvorstände auf den Chefsessel eines Unternehmens befördert werden. Charmante Managerflüsterer sind out, verbindliche Zahlenversteher sind in.

Allerdings gibt es bei den neuen Finanz-Machos Unterschiede: Während beispielsweise Höttges, der schnittige Große mit dem kahlen Kopf, der diese Woche (Donnerstag) zum ersten Mal als Vorstandsvorsitzender der Telekom Bilanz und Strategie präsentiert, mit „Nicht meckern, sondern machen" ein strammes Motto ausgegeben hat, scheint Siemens-Chef Kaeser, der Humorvolle mit Haar-Matte und Theo-Waigel-Augenbrauen, eher den Annäherungskurs zu wählen: „Man muss die Bindung zu den Menschen herstellen, mit ihnen interagieren, fühlen, was die Stimmung ist und fragen."

Welches Motto erfolgreicher ist, bleibt abzuwarten - wer von beiden wirklich sexy ist, wird letztlich der Aktienkurs zeigen.

Dennoch ist es erstaunlich: Galt die Position des „Chief Financial Officer" noch vor zehn bis fünfzehn Jahren als Job für sozialverklemmte Zahlenhirnis und schattenwuchsartige Seitenverscheitelte, ist sie heute das Sprungbrett zur Macht. Den idealen CFO zeichnet Agilität, Beurteilungskompetenz und Charakter aus, heißt es in der Personalakte für erfolgreiche Finanzchefs. Inwiefern sich diese drei Kriterien von den Eigenschaften der anderen Kollegen in einem Vorstand, insbesondere des Vertriebschefs, der in vielen Unternehmen immer als der Kronprinz gehandelt wurde, unterscheiden, muss noch geklärt werden. Den Finanzchefs ist es vermutlich egal, welche Besonderheiten die Kollegen besitzen. An Selbstbewusstsein mangelt es ihnen nämlich nicht. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Michael Page rechnen 20 Prozent der CFOs, schon bald Vorstandsvorsitzender zu werden.

Dass man als deutscher Finanzvorstand eines weltweit bekannten, geradezu kultartigen Unternehmens auch still und leise sein kann und trotzdem ziemlich erfolgreich, zeigt Thomas Treß. 2013 wurde er vom Finance Magazin als CFO des Jahres ausgezeichnet. Populärer ist Treß deswegen nicht geworden. Dennoch bleibt seine Leistung herausragend: Er hat maßgeblich zur Wiederauferstehung des Ballspielvereins Borussia 09 e. V. Dortmund, kurz BVB, beigetragen. Die große Bühne überlässt der stoische Wirtschaftsprüfer lieber den Kollegen von der Dampfplauderer-Front: Watzke, Zorc und Klopp.

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