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Wir brauchen nicht weniger Powerpoint im Job, sondern mehr Rhetorik - schon in der Schule!

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Mal wieder steht Powerpoint im Zentrum der Kritik. Die Präsentationssoftware töte jede Rede, staubtrocken sei sie und störend. Sie ersetze für die meisten Redner doch nur den Teleprompter, heißt es. Wer so spricht, hat im Grunde nur eins im Sinn: Entweder er ist Rhetoriktrainer und möchte, dass endlich mehr Manager seine Kurse buchen, oder er hat nicht verstanden, dass manche Manager eben nie lernen werden, richtig zu präsentieren - mit oder ohne Powerpoint. Was fehlt, ist die rhetorische Kompetenz, die uns schon in der Schule beigebracht werden sollte.

Laserpointer für Taubstumme

Schluss mit dem „Powerpoint-Massaker" fordert nun Kommunikationstrainer Gerriet Danz. Natürlich hat er Recht, wenn er behauptet, dass auf der Erde viel zu viel gepowerpointet wird. Angeblich sollen pro Sekunde 350 Präsentationen rund um den Globus starten. Das ist grausam - vor allem für die Zuhörer, denen Zahlen, Charts und Tortengrafik bis zur Erschöpfung vor Augen geführt werden. „Jede Folie, die der Präsentator überspringt, lässt den Zuhörer strahlen", meint Danz. Und er hat Recht. Denn auf die meisten Folien eines Vortrags kann man verzichten. Zum Beispiel auf die erste: „Herzlich Willkommen!" Oder auf die letzte: „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit" - es sei denn, im Publikum sitzen Taubstumme. Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele Vortragende einen Laserpointer in der Hand halten, der dem Publikum klar machen soll, wo man jetzt am besten mitlesen soll. Oder der Redner laserpointert, damit das Auditorium vor lauter Folien nicht vergisst, worum es überhaupt noch geht. Das Zuhören hat der Zuhörer - so ahnt der Redner - wohl schon bei Folie fünf eingestellt.

Die heuchlerische Gleichung lautet: Weniger Powerpoint - mehr Rhetorikkurse

Wer gut reden kann, wer mit Gefühl und Charisma überzeugt, braucht überhaupt kein Powerpoint. Er oder sie hat möglicherweise noch nicht mal ein Manuskript nötig. Denn alles ist im Kopf. Auch weil er oder sie diese oder jene Rede schon zigmal gehalten hat. Diese Chance hat aber nicht jeder. Und vielleicht ist auch nicht jeder so begabt. Wenn Rhetoriktrainer nun raten, auf Powerpoint möglichst zu verzichten, heucheln sie. Es ist doch offensichtlich, dass die meisten Manager einfach keine geborenen Redner sind. Und sie werden es auch nie werden und lernen. Auch wenn man ihnen noch so viele Rhetorikkurse spendiert. Sie werden immer mehr oder weniger durchschnittlich präsentieren. Sie brauchen Powerpoint als Krücke und Gedankengebäude für ihre Rede. Das ist zwar bedauerlich. Aber was erwarten Sie? Selbst in der Politik gibt es überwiegend schwache Redner.

Die Trainer sollten lieber dazu raten, den Umgang mit Powerpoint fein zu dosieren. Powerpoint kann wichtig sein. Vor allem bei Rednern, die ihre Text so stoisch runterlesen wie Notare ihre Schriftsätze - dann kann man wenigstens hoffen, dass ein hübsches Bildchen zwischen den Powerpoint-Folien von all dem Geplapper ablenkt.
Wenn wir überhaupt etwas brauchen, dann ist das nicht weniger Powerpoint - denn Powerpoint ist nur die Folge eines großen Mangels. Was wir endlich mehr und wieder brauchen, ist Rhetorik als grundlegende Bildung. Am besten bereits als Pflichtfach in der Schule!

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