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Kleine Menschenkunde: Dackel sind wie lustige, ältere Männer, die gerne schlafen

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Kein Mensch besitzt einen überproportional langen Oberkörper auf zentimeterkurzen Stummelchen und Ohren lang wie Suppengemüse. Insofern ist die Behauptung, dass zwischen Hunden und ihren Besitzern bisweilen eine frappierende Ähnlichkeit bestehe, reinrassiger Unsinn.

Zumindest, was den Dackel angeht. Trotz seiner grotesken Form bietet er sich aber hervorragend als lebende Plattform im Handtaschenformat, auf die Herrchen sein Ego projizieren kann. Nehmen wir den Jäger. Oder besser gesagt den Jägerverschnitt, also einen Typus, der sich gerne in Loden hüllt, dazu Schiefermütze und Gummistiefel trägt.

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Der Möchtegernjäger bevorzugt Rauhaardackel. Er grüßt die übrigen Hundehalter mit dem überlegenen Blick eines Allwetterwanderers, der weiß, dass er den sportlichsten aller Kleinbeiner besitzt, nämlich den Ferrari unter den Kläffern - wenngleich auch einen ziemlich unerotischen.

Anglophiler dackelt der Besitzer des Kurzhaarmodells über die Wiesen: Er liebt Tea-Time, the Royal Dog Society, Balmoral Castle und nennt seinen Liebling Mortimer oder Sir Higgins. Allein der arme Langhaardackel muss ertragen, ab September im rot- oder grünkarierten Overall durch Felder und Wälder zu ziehen, meist im Partnerlook mit seinem modebewussten Frauchen.

Wie sein Herrchen leidet der Dackel an Dickköpfigkeit
Insgesamt zeichnet den Dackel die Mentalität älterer Männern aus, die intelligent und beizeiten lustig sein können und gerne schlafen. Wie bei ihnen ist des Dackels Dickköpfigkeit Resultat einer sehr langen Züchtung. Die Entwicklung von Herr und Hund ist im gesetzten Alter fast symbiotisch. Denken wir an den alten Picasso und seinen Dackel Lumpi. Mit seiner kurzbeinigen Gestalt, dem langen schmalen und dennoch muskulösen Körper ist Picasso bisher nicht nur der einzige Mensch, der seinem Dackel tatsächlich sehr ähnlich sah, sondern Lumpi war auch das einzige Lebewesen, dem der alte Charmeur treu blieb: Picasso starb eine Woche nach Lumpis Tod.

Trendwürstchen schlägt Klops
Experten gehen davon aus, dass wir nach der Wilhelminischen Zeit und den 70er Jahren nun in die dritte Dackel-Epoche der Weltgeschichte eintreten. Lange als behaarte Wurst auf Beinen verkannt ist der Dackel auf dem besten Weg, den Mops als Trendsetter abzulösen - nur böse Zungen würden da behaupten: Trendwürstchen schlägt Klops.

Dass ein Dackel weit mehr ist als ein Hund, zeigt der berühmteste von allen: Waldi, das Maskottchen der olympischen Sommerspiele von München 1972, für das die Hündin Cherie von Birkenhof Modell stand. Über zwei Millionen Mal ging Waldi als Spielzeug, Poster und Sticker um die Welt. Vor sieben Jahren war der von Otl Aicher entworfene und siebenfarbig gestreifte Dackel Teil einer Ausstellung für Top-Design in London. Jetzt feiert Waldi online Renaissance. Er hat eine eigene Seite auf Facebook und schon 370 Freunde. Tendenz steigend.

Illustration: www.deborahsorg.de


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