BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Martin Roos Headshot

Der Furz als schlagfertiges Mittel für den politischen Protest

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Zu Unrecht steht der Furz am Pranger der Anstößigkeit. Auch wenn er zweifellos dazu in der Lage ist, die Lebensqualität derjenigen, die sich ihm nähern, radikal zu senken, ist gerade seine Schwäche seine Stärke - und zwar nicht nur aus medizinischer Sicht, sondern auch wenn es darum geht, ihn als kritisches Mittel gegen gesellschaftliche oder politische Missstände einzusetzen.

Es sei daran erinnert: Seine hohe Effektivität bewies er sehr eindrucksvoll in den „He-Gassen" - was japanisch ist und so viel wie „Fart-Battle" oder eben Furzkriege bedeutet.

Fart and Freedom statt Peace and Freedom

Die Zeichnungen der japanischen He-Gassen-Künstler entsprangen nicht etwa deftigem Toilettenhumor, sondern bedeuteten ernsthafte Kritik an den politischen Bedingungen der Edo-Zeit (1603 bis 1868). Damals herrschte die japanische Dynastie der Tokugawa mit eiserner Faust.

Um ihre Macht zu stabilisieren, isolierten die Tokugawa Japan vom Rest der Welt. Handel trieben sie nur mit Chinesen, den Händlern der Niederländisch-Ost-Indischen Company und ein paar Engländern. Alle anderen Europäer, die ihr Land betraten wurden verhaftet oder ohne Gerichtsverfahren gleich umgebracht.

Auf den Flatulenzen-Schlachten beschreiben die Zeichner nun die absurden Situationen der damaligen Zeit. Statt „Peace and Freedom" postulierten sie „Fart and Freedom". Mit dem heutigen Wissen, dass der Darm pro Tag ein Liter Verdauungsgas bildet, scheinen die gewaltigen Afterwinde, die damals dem jeweiligen Opfer einheizen sollten, gar nicht mehr so unrealistisch.

Der Furz als Akt der Anarchie geht in die Hose

Weniger als tat- und schlagkräftiger Duft als vielmehr als Wortwaffe gegen herrschende Verhältnisse ist uns der Furz bis heute erhalten geblieben. 377.000 Ergebnisse listet Google unter der Stichwortsuche „Furz und Politik" auf. Neben einigen unsinnigen Definitionen wie „Benannt ist der Furz nach dem chinesischen Philosophen Konfurzius" oder „Der Furz ist der letzte verzweifelte Versuch der Wissenschaft, dem Hintern das Sprechen beizubringen" lohnt sich ein Blick in das „Symbollexikon", das dem Darmwind folgendes Psychogramm ausstellt:

„Der Furz, das variantenreichste Ausdrucksmittel des Afters, beinhaltet Aspekte der Aggression, der Abgrenzung, der Selbstbestimmung, des Protestes und Aspekte der Anarchie."

Dass der Furz als Akt der Anarchie in die Hose gehen kann, zeigte vor einem Jahr ein Demonstrant bei einer Anti-Mursi-Demo in Kairo. Er drohte dem Regime mit Suizid und entzündete den eigenen Furz, in der Hoffnung zu verbrennen. Die traurige Bilanz: ein Verletzter mit Glatze und zwei Angeekelte.

Der Furz ist so filigran wie eine Balletttänzerin

Erst vor wenigen Tagen feierten wir den Welttoilettentag. Der Furz fand an diesem Festtag wenig Beachtung. Das ist mehr als Mist. Das sollte sich ändern - jedem Ekel zum Trotz. Der Furz muss endlich gesellschaftsfähig werden. Denn er stellt nicht nur eine vortreffliche Metapher für Anarchie und Banalität dar, sondern er ist auch ein Produkt ästhetischer Muskeleleganz:

„Der Darm ist von drei Mänteln glatter Muskulatur umhüllt", schreibt Giulia Enders in ihrem Bestseller „Darm mit Charme". „Auf diese Weise kann er sich unfassbar geschmeidig bewegen, mit unterschiedlichen Choreographien an unterschiedlichen Stellen. Der Choreograph dieser Muskeln ist das darmeigene Nervensystem. Ein Pups klingt vielleicht ulkig, aber die Bewegung, die entsteht, wenn er dann kommt, sieht so filigran aus wie die einer Balletttänzerin."

Furz gefährdet Landessicherheit

Dass der Furz heute nicht nur als Wort, sondern auch als hörbarer Darmwind durchaus noch gefährlich sein kann, bewies vor wenigen Jahren ein 20-jähriger Mann aus der Steiermark. Bei einem Zeltfest in Frohnleiten ließ er während einer Amtshandlung der Polizei einen lauten Furz fahren und sorgt damit für Gelächter unter den umstehenden Polizisten.

Für die Behörden jedoch war das zu viel. Sie entschieden: Mit dem durch den Furz entstandenen Gelächter sei die Sicherheit des Landes gefährdet worden. Die Folge: Ein Gericht verurteilte den Störenfried zu 50 Euro Strafe oder einem Tag Gefängnis. Da der junge Mann nicht wegen eines Furzes in den Knast wollte, bezahlte er die Summe sofort.

Video: Wissenschaft: Wie Furzgeruch das Altern stoppen kann