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Machs Maul auf! Eine Kurzanleitung zum Redenschreiben

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SPEECH
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Das Reden der Anderen

Über 40 Prozent der Menschen haben Angst, wenn sie öffentlich auftreten und reden sollen. Die Angst zu versagen, sich zu blamieren, zu stottern, einen Blackout zu haben oder gar ohnmächtig zu werden - ja, das alles kommt vor. Und auch Sie hassen das?

Sie können es nicht ertragen, was andere über Sie reden, wenn Sie mal weniger gut sind? Und Sie ziehen es deswegen vor, nie (mehr) etwas zu sagen - und lieber in ständiger Angst vor der Möglichkeit, daß irgendwann doch ein Redeauftritt auf Sie wartet, weiterzuleben? Na gut. Viel Erfolg damit.

Wenn ich Ihnen nun sage, daß es kaum ein schöneres Publikumserlebnis gibt, als eine Rede zu schreiben, sie mit den eigenen Gedanken und Emotionen zu füllen und sie vor Menschen vorzutragen, die einem wirklich am Herzen liegen - dann stimmen Sie mir zu, nicht wahr? Nein?

Sie lassen den Gedanken erst gar nicht an sich ran? Einverstanden. Sie haben lieber Angst.
Sollten Sie aber doch interessiert sein, Sie jedoch immer noch zu der Gruppe mit der Angst gehören, wird Ihnen sicher auch der tausendfach erzählte Trick, sich Ihr Publikum nackt oder mit einem Schnuller im Mund vorzustellen, nicht viel bringen. Das irritiert Sie im Zweifel nur noch mehr. Ihnen sollte aber klar sein:

Wenn so viele Menschen Angst vor dem Redenhalten haben, sitzen sicherlich auch viele in Ihrem Publikum.

Ein Großteil wird also verstehen, in welcher Lage Sie sich gerade befinden - und sehr wohlwollend mit Ihnen umgehen. Oder Sie vielleicht schon bewundern, bevor Sie auch nur ein einziges Wort gesagt haben.

Und wenn Sie sich gut vorbereiten, sich klarmachen, wo Ihre Schwächen sind und an ihnen arbeiten, gibt es keinen Grund, sich einen Kopf zu machen - und dieses Vorbereiten fängt beim Redenschreiben an und hört beim richtigen Atmen und Sprechen auf.

Freuen Sie sich auf Ihre Rede! Eine Rede zu halten, ist ein Privileg. Und wenn Sie sich nicht darauf freuen, überarbeiten Sie Ihre Rede so lange, bis Sie sich darauf freuen.

Scheitere, scheitere erneut, scheitere besser!

Natürlich gibt es ein paar Menschen, die als Redner besonders begabt sind, dazu gebildet, charmant und auch noch gut aussehend. Wenn Sie das sind: Herzlichen Glückwunsch! Wenn nicht, sollte das überhaupt nicht Ihr Maßstab sein. Der Maßstab sind Sie.

Sie sind es vor allem dann, wenn Sie sich für Ihr Thema und Ihr Publikum interessieren, an das glauben, was Sie sagen und mit guten Argumenten überzeugen. Und wenn Sie glauben, Sie könnten nicht sofort die beste Rede Ihres Lebens schreiben und halten, dann ist das zwar gut möglich, aber es sollte immer genau Ihr Ziel sein. Und zwar aus zwei

Gründen: Erstens gibt es einfach viel zu viele durchschnittliche und auch schlechte Reden. Wir haben alle solche schon gehört. Die Welt braucht endlich mehr gute Reden - auch von Ihnen. Zweitens: Sie haben das Zeug dazu, die beste Rede Ihres Lebens zu halten. Allerdings sollten Sie vorher auch schon mal ein paar geschrieben haben. Und auch mal gescheitert sein.

Scheitern und Fehlschläge gehören zum Erfolg wie Kalorien zur Schokolade. Wer sich nicht auch mal verläuft, findet nie den richtigen Weg. Von jedem neuen Versuch können Sie etwas lernen. Oder wie Samuel Beckett radikal empfiehlt: »Scheitere, scheitere erneut, scheitere besser!«

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Machs Maul auf! Eine Kurzanleitung zum Redenschreiben" von Martin Roos. Erschienen ist es beim Verlag Grupello.

Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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