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Die 10 häufigsten Business-Floskeln - und was sie eigentlich bedeuten

23/10/2014 13:58 CEST | Aktualisiert 23/12/2014 11:12 CET
thinkstock

Die Sprache vieler Führungskräfte strotzt nur so vor Worthülsen. Das liegt nicht nur an der Beschränktheit, Faulheit und Schludrigkeit der Sprecher, sondern auch an den vielen idiotischen Rhetorikseminaren, in denen schleimgeleckte Autoverkäufertypen im Gewand eines Top-Speakers orientierungslosen Managern für die Stärkung ihrer Verbal-Tastatur proaktive Know-how-Transfer-Schwaller-Phrasen als neuesten Schrei aus dem Plattitüden-Paradies internationaler Führungskräfte verkaufen.

Und wer als Manager ziemlich busy im Wettbewerb der Over-Performer battelt und mit der Corporate-Identity-Sprache seines Unternehmens zeitnah rüberkommen will, muss notwendigerweise auch in englisch-deutschen Zwittervokabeln daherdenglischen. Der Sprachwissenschaftler Hermann Ehmann bringt es in seinem köstlichen „Wörterbuch der unverzichtbaren Bürofloskeln" auf den Punkt:

In den Rhetorikseminaren lernt der Teilnehmer „den typischen Business-Slang, sein Wording wird prodynamisch und seine Sprache erhält den spezifischen Drive". Mit so viel Sprachversiertheit könne es dann gelingen, „beim Kick-off die diffizil-sensiblen Aftersales-Prozesse perspektivisch zu positionieren, um so sukzessive Synergieeffekte zu supporten".

Wer floskelt, faselt noch lange nicht

In der antiken Rhetorik waren Floskeln populär, um Reden anschaulicher und hörbarer zu machen. Dass die Floskel heute als inhaltsleere Sprachhülse verschrien ist, liegt auch daran, dass sie sprachwissenschaftlich mit sogenannten Partikeln wie „halt", „wohl", „bloß", „doch" oder „eigentlich" in einen Topf geworfen wird.

Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch falsch. Denn Floskeln sind mehr als Partikel und machen prinzipiell kein schlechtes Deutsch aus. Sie sind nur dann unerträglich, wenn ein Sprecher sie unaufhörlich verwendet.

Floskeln sind für die Kommunikation so wichtig wie Gewürze für das Essen. Sie machen die Färbung aus. Sie können beeinflussen, wie bestimmte Aussagen beim Zuhörer ankommen: So kann sich ein Adressat möglicherweise schneller mit jemandem anfreunden, der bestimmte, ihm vertraute Floskeln verwendet, als mit jemandem, der sie nicht verwendet.

Floskeln schaffen bei manchen Personen also durchaus Vertrauen. Und: Floskeln können auch peinliche Schweigeminuten verhindern, eine Geschäftssituation in ihrer Brisanz verschärfen oder gar durch Ironie auflösen.

Drei Regeln für den richtigen Umgang mit Floskeln

Für den erfolgreichen Gebrauch von Floskeln muss man wissen: Sie müssen erstens sparsam und zweitens der Situation angemessen eingesetzt werden. Nur so erzielen sie ihre Wirkung. Und drittens: Man sollte unbedingt wissen, welche Floskeln reine Schwafelitis sind.

Deswegen nun hier aus dem „Wörterbuch der unverzichtbaren Bürofloskeln" die zehn populärsten Floskeln im Berufsleben:

1. Aftersales-Prozess

„Im Aftersales-Prozess sollten wir noch mal nachlegen, um uns wieder besser im Markt zu positionieren."

Heißt: „Wir müssen uns dringend etwas überlegen, damit unsere Bestandskunden nicht weiter zur Konkurrenz abwandern."

2. final

„Wir setzen uns in einem Meeting zusammen, um in dieser Frage zu einer finalen Entscheidung zu kommen."

Heißt: „Wir setzen uns zusammen, um zu überlegen, wie oft wir uns noch sprechen müssen, um irgendwann einmal eine Entscheidung zu treffen."

3. Human-Capital-Resource

„Mit unserem Human-Capital-Resources sind wir in der Lage, neue Marktsegmente zu penetrieren."

Heißt: „Unsere Mitarbeiter sollen sich gefälligst endlich den Arsch aufreißen, um unsere Produkte an noch mehr Menschen zu verkaufen."

4. lösungsorientiert

„Wir gehen mit Herausforderungen möglichst lösungsorientiert um."

Heißt: „Wir überlegen nicht lange, woher die Probleme kommen. Wir versuchen sie möglichst schnell vom Tisch zu kriegen - oder kehren sie unter den Teppich."

5. mittelprächtig

„Die Präsentation ist so mittelprächtig angekommen."

Heißt: „Die Präsentation war stinklangweilig."

6. Philosophie

„Wir leben in unserem Unternehmen eine bestimmte Philosophie"

Heißt: „Bei uns gibt's klare Regeln. Wem das nicht passt, hätte vielleicht besser Kulturwissenschaften studieren sollen."

7. proaktiv

„Wir sollten das Projekt proaktiver angehen."

Heißt: „Wir sollten jetzt mit der Sache endlich mal anfangen."

8. Schnittstelle

„Einer wird bei diesem Projekt als Schnittstelle fungieren müssen."

Heißt: „Einer wird bei der Koordination dieser Aufgabe in Arbeit untergehen."

9. Wording

„Vom Wording her müssen wir da noch wesentlich subtiler werden."

Heißt: „Wir müssen uns noch viel unkonkreter ausdrücken, damit uns niemand auf unsere Ausführungen festlegen kann."

10. Zeithorizont

„Wie ist hier der vorgegebene Zeithorizont?"

Heißt: „Wie lange kann ich den Job noch vor mir herschieben, bis es eng wird?"

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