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Es herrscht ein Klima der Aufregung, an manchen Stellen geht dies schon über die Aufregung hinaus

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Die Universitäten in Berlin und auch wir erhalten derzeit immer mehr Anfragen von Studenten aus Ländern, in denen die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit bedroht ist: Etwa aus Ungarn, Polen, der Türkei und in den letzten Monaten immer stärker auch aus den USA.

Es herrscht ein Klima der Aufregung, an manchen Stellen geht dies schon über die Aufregung hinaus: Einige Kollegen haben existenzielle Ängste. In Deutschland sind wir von solchen Zuständen noch weit entfernt.

Deutschlands Kultursektor ist in seiner Vielfalt und immer noch Offenheit mittlerweile in einer einzigartigen Situation. In unserer Universität etwa herrscht ein störungsfreier Dialog von 80 Nationen.

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Das ist weltweit bekannt und ein großes Glück; und jeder, der hier zugelassen wird, egal woher er kommt, studiert ohne Gebühren - ein Grundsatz, für den ich schon seit 15 Jahren mit großer Sorge kämpfe. Nicht genug haben verstanden, dass Offenheit und Freiheit nicht ohne Anstrengung aufrecht zu erhalten sind.

Wir haben die Augen verschlossen

Es gibt aber auch einige Teile Deutschlands, in denen die Kunstfreiheit und die Denkfreiheit bedroht sind, etwa in Sachsen. Was mir Kollegen von dort berichten, ist erschreckend, doch auch dort sind die Gründe dafür vielfältig.

Mehr zum Thema: Von der Utopie zur Wirklichkeit - das bedingungslose Grundeinkommen als Retter der Demokratie

Doch eins ist klar: sicher haben wir alle Anteil an diesen Entwicklungen. In großen Teilen der Gesellschaft - auch in den Bildungseinrichtungen - hat man es sich viel zu lange im Wohlgefühl des selbstverständlich Zivilisierten bequem gemacht, und dieses nicht-sehen-wollen fliegt uns jetzt um die Ohren.

Für eine große Zahl von Menschen, die wir uns angewöhnt haben als politikverdrossen zu bezeichnen, hat sich die Lebenswirklichkeit extrem verkompliziert. Ihre Situation hat sich in der Politik, der Bildungs- und vor allem Sozialpolitik nicht widergespiegelt.

Nun muss sich der zu unrecht als Eliten beschimpfte Teil der Bevölkerung mit dieser Entfremdung und den autoritären Tendenzen, die mit Entfremdung einhergehen, auseinandersetzen. Ich bewahre mir aber einen Optimismus, der sich jedoch auch aus pessimistischen Gedanken speist:

Die Bedrohungen, die wir von allen Seiten erleben, erhöhen den Druck auf Standortbestimmung, schärfere Wahrnehmung und Veränderungen, die wir dringend nötig haben.

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