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Wenn Kinder ins Netz gehen, sollten Eltern nicht wegsehen

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Medienerziehung, Medienverbot, zu viel oder gar nicht. Fest steht: Eher früher als später gehen unsere Kinder heute online. Jedes vierte Kind zwischen sechs und elf Jahren besitzt einen eigenen Rechner. Spiele, Online-Chats, Recherche für Schulprojekte - all das gehört zum Alltag der Kinder. Eltern kommen also kaum drum herum den richtigen Umgang mit modernen Medien zu zeigen und vorzuleben.

Wenn Kinder ins Netz gehen, sollten sie schließlich wissen, was sie tun. Und Sicherheit ist natürlich wichtig. Doch wie können wir unsere Kinder sinnvoll begleiten und schützen?

Mit diesen Tipps sind Eltern und Kinder sicher im Netz unterwegs

Die ersten Schritte mit neuen Medien sollten Eltern und Kinder gemeinsam gehen. Zauberworte dabei: Kommunikation und Vertrauen. Die Kommunikation mit Freunden und der Familie ist ein guter Anfang: Eine SMS an die weit entfernte Oma, bei der Eltern ihre Kinder unterstützen und Fragen beantworten, hilft den Kleinen, die Vorteile der Online-Welt zu entdecken - und Oma freut sich über den unverhofften Kontakt zu den Enkeln. Auch kleine Tablet-Spiele und die Seite des Kinderkanals bieten einen sicheren Einstieg.

All das sollten Kinder gemeinsam mit Eltern entdecken. Nach den ersten Anleitungen dürfen die Kleinen sich danach selbst ausprobieren. Eine kindgerechte Voreinstellung auf dem eigenen Benutzerkonto am Familien-PC ist beispielsweise die Installation der Suchmaschine wie blinde-kuh.de oder helles-koepfchen.de - und auch mit einigen Lesezeichen lässt sich das Surfverhalten der Kinder spielend lenken.

Informationen sammeln

Ob Smartphone, Tablet oder PC - Kinder sind wissensdurstig. Dass das Internet nicht nur für Spiele da ist, sondern als unerschöpfliche Informationsquelle die Antworten auf die absurdesten Kinderfragen liefert, ist eine der spannendsten Entdeckungen für kleine Forscher. Mit Anleitung der Eltern können schon Vorschulkinder alles über Dinosaurier, Sportwagen und Hundebabys „recherchieren", Ausmalbilder oder Bastelvorlagen suchen.

Auf Gefahren hinweisen

Viele Kinder lernen sehr schnell den Umgang mit Sozialen Medien und entwickeln früh eine erstaunliche Computer-Kompetenz. Doch welche Gefahren im Internet lauern - gerade, wenn persönliche Daten wie Namen, Adresse und Fotos in Sozialen Netzwerken öffentlich sind, wissen sie meistens nicht.

Candid Wüest, Sicherheitsexperte von Norton, empfiehlt: „Es ist wichtig, dass man mit den Kindern über die Risiken spricht. Ihr Kind soll wissen, dass es Ihnen jederzeit alles anvertrauen kann - egal ob es sich dabei um einen Virenbefall, eine befremdliche Nachricht oder gar Cyber-Mobbing handelt - und zwar ohne eine Strafe befürchten zu müssen."

Verbote sind keine Lösung - Grenzen setzen aber schon

Computer- und Internetnutzung sind heute wichtige Kompetenzen. Wer aber seine Kinder vor dem Tablet oder PC parkt, um mal eben den Haushalt zu schmeißen oder schnell noch selbst wichtige Geschäftsmails zu versenden, macht es sich zu leicht. Grenzen setzen ist wichtig. Mehr als eine Stunde am Tag sollte kein Kind vor dem Bildschirm verbringen, egal, ob vor dem Fernseher oder dem PC. Und Kinder unter drei Jahren müssen nicht medienkompetent sein.

Kontrolle ist gut, Vertrauen auch

Dass Kinder und Jugendliche ihre persönlichen Daten nicht preisgeben sollten, die Adresse, Namen und das Alter für sich behalten - besonders bei unbekannten Gesprächs- oder Chatpartnern - darauf können Eltern in persönlichen Gesprächen Einfluss nehmen. Etwas Kontrolle und Aufsicht ist sicher richtig. Aber auch Kinder brauchen Privatsphäre. Daher sollten Eltern nur dann eingreifen, wenn sie ein schlechtes Gefühl haben.

Passwörter - Geheimcodes, die keiner erraten darf

Passwörter, die Familiennamen enthalten, die eigene Telefonnummer oder den Namen des Haustiers, sind natürlich leicht zu knacken. Wenn Kriminelle diese erst mal raushaben, können sie die Benutzerkonten missbrauchen. Gute Passwörter sind dagegen absichtlich falsch geschriebene Wörter in Verbindung mit willkürlichen Zahlen und Zeichen oder solche aus den Initialen abgekürzter Sätze.

Außerdem ist es sinnvoll, Passwörter regelmäßig zu wechseln und verschiedene Passwörter für unterschiedliche Anwendungen zu nutzen. Auch hierbei ist der Rat der Eltern sinnvoll. Bei einer guten Vertrauensbasis ist das auch kein Problem.

Soziale Netzwerke sollten die echten Netzwerke nicht ersetzen

Die Online-Zeit je nach Alter zu begrenzen, ist eine gut durchsetzbare Maßnahme. Zu bestimmten Gelegenheiten wie beispielsweise dem gemeinsamen Abendessen oder Omas 70. sollte das Smartphone in der Tasche verschwinden - das gilt übrigens auch für Eltern!

Stolperfallen in Sozialen Netzwerken

Da die Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook besonders wichtig und kniffelig sind, legen Eltern und Kindern diese am besten gemeinsam fest. Hier sind Eltern besonders gefragt. Auch, indem sie selbst hinterfragen, wieviel Privatleben im Netz stattfinden sollte. Fotos vom letzten Strandurlaub oder die der Kinder im Planschbecken sollten lieber per Mail an Freunde und Verwandte geschickt werden.

Auf Twitter tummeln sich einige Betrüger. Sie versprechen beispielsweise Follower zu generieren. Tatsächlich verbreiten sie Schadsoftware. Über diese Gefahren sollten Kinder und Jugendliche Bescheid wissen. Ein weiteres Problem: Um Zeichen zu sparen, sind Links auf Twitter bis auf wenige Buchstaben unkenntlich gekürzt. Wer wissen möchte, wo er hinklickt, kann dafür einen Browser-Plug in installieren.

Instagram ist bei Jugendlichen besonders beliebt. Doch gerade das Posten von Fotos birgt ordentlich Zündstoff. Sich selbst in sexy Pose zu zeigen sollte wohlüberlegt sein. Andere Personen gegen ihren Willen zu fotografieren und ins Netz zu stellen, ist sogar verboten. Wie bei Facebook sind auch bei Instagram die Privatsphäre-Einstellungen wichtig.

Raten Sie Ihren Kindern, nicht erwünschte Follower, die blöde Kommentare abgeben, zu blockieren. Und zeigen Sie ihnen am besten auch, wie sie die Verlinkung mit eigenen Bildern oder das Erscheinen in der Timeline verhindern oder nachträglich löschen können.

WhatsApp: Wenn Kinder das Smartphone verlieren, installieren Sie WhatsApp so schnell wie möglich mit derselben Telefonnummer auf einem Ersatz-Handy (Ersatz-SIM-Karten bieten so gut wie alle Provider an). Denn das blockiert die App auf dem alten Gerät und schützt so den Account der Kinder. Eine praktische Einstellung auf WhatsApp ist übrigens die Option „zuletzt online". Denn damit haben Eltern einen ganz guten Überblick über das Online-Verhalten.

Snapchat - och nö! Der Reiz für Jugendliche, private Videos und Fotos via Snapchat zu verschicken, ist verführerisch und ebenso gefährlich. Sexting, also das Verschicken intimer Videos, ist kein Kinderspiel - und Snaps verschwinden nicht so schnell. Es ist ganz leicht, vorab ein paar schöne Screenshots anzufertigen.

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Digitale Kindheit: In welchem Alter sollten Kinder Smartphones haben? Wie wichtig ist es, früh zu lernen, wie Computer funktionieren? Und: Sind Computerspiele nun schädlich - oder gar nützlich? Diese Fragen machen viele Eltern hilflos.

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