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Berlin im 19. und 20. Jahrhundert: Eine Stadt im Wandel der Zeit

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Die Geschichte Berlins ist faszinierend. In den vergangenen acht Jahrhunderten haben die Stadt und ihre Bewohner diverse Facetten der deutschen und europäischen Geschichte durchlebt. 1244 wurde Berlin das erste Mal urkundlich erwähnt. Seitdem hat die Stadt viele Umbrüche erlebt. Vor allem die Ereignisse im 19. und 20. Jahrhundert spielten für das heutige Berlin eine besondere Rolle.

Durch die französische Besetzung von 1806 bis 1808 unter Napoleon Bonaparte veränderte sich das Gesicht der Stadt. Demokratische Reformen hielten durch den Zusammenbruch Preußens Einzug. Berlin erhielt 1808 eine kommunale Selbstverwaltung. 1809 wurde die erste Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt und 1810 die Berliner Humboldt-Universität gegründet. 1816 fuhr das erste in Deutschland erbaute Dampfschiff auf der Spree. Die städtische Gasanstalt sorgte 1826 für die erstmalige Straßenbeleuchtung auf der noch heutigen Berliner Prachtstraße „Unter den Linden".

In den 1870er Jahren gehörte Berlin zu einer von nur sieben Metropolen weltweit mit mehr als einer Million Einwohnern und der höchsten Bevölkerungsdichte in ganz Europa. Zur Reichshauptstadt wurde Berlin mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871. Zu diesem Zeitpunkt begannen die goldenen Jahre der Berliner Finanzwelt. Die Hauptstadt war zur Jahrhundertwende der bedeutendste Finanzplatz Kontinentaleuropas. Schließlich wurde die Deutsche Bank in Berlin - und nicht in Frankfurt am Main - gegründet. Der Handel von Staats- und Auslandsanleihen wurde größtenteils in der Reichshauptstadt abgewickelt, Emissionen von großen ausländischen Werten im Deutschen Reich fanden nur noch unter Führung der Berliner Aktienbanken statt. Große Warenhäuser, die sich wie das KaDeWe und Hertie vom Einzelhandel absetzten, feierten große Erfolge zur Jahrhundertwende und prägten das Stadtbild. Die Berliner Industrie ist mit ihren Kernbranchen (Elektrotechnik, Maschinenbau und Fahrzeugbau) zur Wirtschaftsmetropole im Deutschen Reich aufgestiegen. August Borsig und Werner von Siemens förderten die industrielle Revolution. Das Berliner Luxushotel Adlon eröffnete 1907. Mit seiner Lage am Brandenburger Tor, elektrischem Licht und fließend warmem Wasser, bot das Hotel zu der Zeit ein besonderes Flair. Es dauerte nicht lange bis weitere Spitzenhotels wie das Esplanade in die Reichshauptstadt zogen. Die Entwicklung der Eisenbahn ging gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Berlin aus. Die erste elektrische Bahn der Welt wurde 1879 auf der Gewerbeausstellung in Berlin-Moabit auf die Schienen gestellt.

Die Stadt stieg zu einer europäischen Metropole auf, die Wissenschaftler von Weltrang faszinierte. Zahlreiche Nobelpreisträger lehrten und forschten zwischen 1871 bis 1945 in Berlin. 1922 erhielt Einstein, der seit 1914 als Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik in Berlin arbeitete, für seine Entdeckungen des Gesetzes des photoelektrischen Effekts (und nicht für die oft fälschlicherweise angegebene Relativitätstheorie) den Nobelpreis. Die urbane Metropole gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den reichsten und dynamischsten Städten in Europa und der Welt.

Berlin wurde im Ersten Weltkrieg von direkten Kriegshandlungen verschont und war folglich kein Schauplatz des Krieges. Philipp Scheidemann verkündete am 9. November 1918 auf dem Balkon des Reichstages die Gründung der Weimarer Republik. Die erste Demokratie auf deutschem Boden ging von Berlin aus, wenn auch die namensgebende Verfassung ihren Ursprung im beschaulichen Weimar hatte. Die Anfänge der ersten deutschen Demokratie in Berlin waren beschwerlich. Streiks, politische Unruhen, die Reparationszahlungen und die Folgen der Hyperinflation besiegelten das historische Schicksal der Weimarer Republik frühzeitig. Die Goldenen 20er Jahre markierten eine kurze Phase des Aufschwungs in Berlin und in der Weimarer Republik. Kulturelles und gesellschaftliches Leben fanden hier ihren Höhepunkt. Mitte der 20er Jahre hatte sich Berlin den Ruf einer Amüsiermetropole erworben, die Menschen strömten abendlich in Kinos, Theater, Café- und Opernhäuser.

Die Wirtschaftskrise 1929 läutete mit ihren ökonomischen Folgen das Ende der Weimarer Republik ein. Sie war im Berliner Lebensalltag allgegenwärtig. Ende 1932 waren in Berlin, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, über 500.000 Menschen arbeitslos. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte dem rasanten Aufstieg Berlins ein jähes Ende. Die Konsequenz war eine zerstörte Stadt, die durch die Kriegsfolgen nachhaltig beeinflusst wurde.

Bereits am 12. September 1944, schon vor Ende des Zweiten Weltkrieges, einigten sich die Alliierten auf die Aufteilung des Deutschen Reiches. Mit der Staatsgründung der BRD und anschließend der DDR im Jahr 1949 wurde die Stadt Berlin faktisch in zwei politische und wirtschaftliche Hälften geteilt. Der Mauerbau am 13. August 1961 teilte die beiden Stadthälften für 28 Jahre in Ost und West und vollzog die staatliche und territoriale Trennung endgültig. Bis zum 9. November 1989 sollte es dauern, bis die Übergänge nach West-Berlin geöffnet wurden und das Wahrzeichen der Teilung seine Wirkung verlor.
Heute ist Berlin ein Ort der Geschichte. Menschen aus allen Herren Ländern reisen in eine der historischsten Städte des vergangenen Jahrhunderts. In den letzten Jahren stieg die Anzahl der Touristen signifikant. Für Berlin ist das vereinigte Europa eine Chance, neue Wege zu beschreiten - eine Möglichkeit, vor allem für junge Menschen, ungeachtet nationaler Grenzen, in Demokratie, Stabilität und Freiheit aufzuwachsen.

 
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