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Wie die Stammzellentherapie jetzt Gelenkschmerzen behandeln kann

12/11/2015 12:47 CET | Aktualisiert 17/11/2016 11:12 CET
lzf via Getty Images

Arthrose - eine Alterskrankheit? Das war sie einmal. Inzwischen steigt die Zahl der jüngeren Betroffenen stetig an. Indirekte Gründe dafür sind vor allem wenig Bewegung und falsche Ernährung. Denn immer mehr Menschen werden dadurch übergewichtig.

Das Übergewicht führt zur Überlastung der Gelenke. Dabei wird der Gelenkknorpel immer weiter angegriffen, bis er komplett verschlissen ist. Wirbelsäule, Hüft- und Kniegelenk, Schulter- und Sprunggelenke, also die „großen Gelenke", sind von diesem nicht nur schmerzhaften, sondern auch extrem funktionseinschränkenden Verschleiß ebenso betroffen wie die Bandscheiben, vor allem die im Bereich der Lenden- und Halswirbelsäule.

Helfen konservative Verfahren nicht, wird selbst bei jüngeren Patienten - unter 60 Jahren - trotz zweifel-haften Erfolgs viel zu oft zu unnötigen und kostspieligen Eingriffen wie Wirbelsäulenoperationen, Arthroskopien oder Gelenkersatz gegriffen.

Das Problem: Der Verschleiß von Gelenkknorpel und Bandscheiben ist irreversibel, er lässt sich zwar entschleunigen und mitunter stoppen, aber nie rückgängig machen.

Die perfekte Lösung wäre also die Regeneration des Gelenkknorpels. Und tatsächlich: Was bislang medizinische Zukunftsmusik war, ist dank langjähriger Forschung nun endlich möglich. Denn funktionsgestörtes Gewebe oder Organe lassen sich mithilfe körpereigener Stammzellen buchstäblich regenerieren und wachsen im wahrsten Sinne des Wortes nach.

Schmerzfreier Eingriff ohne Narkose

Besonders bei Menschen unter 60 Jahren zeigt das neue Verfahren gute Ergebnisse und stellt durch die Bekämpfung des Verschleißes eine langfristige „Mobilität" sicher. Die Therapie erfolgt ambulant und ohne Narkose.

Die Dauer des Eingriffs beträgt circa ein bis zwei Stunden und erfolgt röntgenunterstützt. Hierbei werden die Stammzellen direkt aus Körperfett und Blut des Patienten gewonnen. Nach der Aufbereitung mittels Medizintechnik wird das Stammzellen-Blut-Plasma an den betroffenen Knorpel injiziert.

Dort wächst das Gewebe innerhalb von kurzer Zeit nach und stellt die Funktionsfähigkeit nachhaltig wieder her. Einer der Vorteile ist auch, dass die autologe Transplantation körpereigener Stammzellen ein siginifikant minimiertes Abstoßungsrisiko aufzeigt und auch das Infektrisiko sehr gering ist.

Vollbelastung der Gelenke nach drei Monaten wieder möglich

Die Therapie hat bislang keine Nebenwirkungen gezeigt und wird weltweit von behandelten Patienten als schmerzfrei und im Heilungserfolg absolut wirkungsvoll beschrieben. Der Patient kann die Einrichtung direkt im Anschluss wieder verlassen und bereits nach kurzer Zeit mit Einschränkungen seinen Verpflichtungen nachgehen.

Eine unterstützende Reha im Anschluss wird empfohlen. Nach circa drei Monaten ist das Gelenk wieder voll belastbar, der Patient kann seinen Lieblingssport ausüben und ein schmerzfreies Leben führen. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie aus Vietnam (University Hospital Vietnam 2013).

6 sowie 18 Monate nach der Stammzelltherapie im Kniebereich empfanden die 21 Patienten einen deutlich reduzierten Schmerz bei normalem Gangbild. Bereits nach 6 Monaten zeigte ein MRT eine Verdickung des beschädigten Knorpels.

Gute Ergebnisse in den USA und Australien

Die Therapie mit Stammzellen gehört zum Bereich der bioregenerativen Medizin. Bisher fanden Stammzellen-Verfahren vor allem in der plastischen Medizin oder auch in der Inneren Medizin Anwendung.

In Ländern wie den USA oder Australien haben sie zuletzt auch Eingang in die klinische Praxis der Orthopädie gefunden, wo sie zum Teil unglaubliche Therapieerfolge vorweisen können. Seit diesem Jahr ist das Verfahren auch in Deutschland zugelassen.

Unser Zentrum ist das erste in Deutschland, welches diesen Eingriff ambulant durchführt. Wir hoffen, dass sich das Verfahren rasch durchsetzt und viele Patienten davon profitieren können.

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