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Warum immer weniger junge Menschen zum Wählen gehen

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GERMANY ELECTION CABIN
Christian Charisius / Reuters
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Der Ausgang der Bundestagswahl 2017 könnte - wie auch vorherige Wahlen - von den älteren Generationen bestimmt werden. Die Wahlbeteiligung ist bei den Älteren, insbesondere der Gruppe der über 70-Jährigen, zwar systematisch höher als bei jüngeren Alterskohorten. Dies scheint jedoch nicht nur ein Altersphänomen, sondern auch ein Generationen-Phänomen zu sein.

Erstens ist die Wahlbeteiligung insgesamt rückläufig. Während 1979 gut 90% der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben, waren es bei der Bundestagswahl 2013 knapp 72%. Die Wahlbeteiligung der heutigen jüngeren Rentnergruppe war vor 40 Jahren - in ihren 30'ern - vergleichbar hoch.

Zweitens zeigt sich bei Auswertung der Wahlbeteiligung nach Generationen, dass mit dem
Aufkommen jeder weiteren Generation ihre jeweilige Bereitschaft, wählen zu gehen, sinkt.

Die Generation Y wählt einfach nicht

Demnach ist die Wahlbeteiligung der Nachkriegs-Generation (geboren ca. 1946-1955) über ihren gesamten Lebenszyklus höher als die der Baby Boomer (geboren ca. 1956-1965). Baby Boomer wiederum gehen öfter zur Wahl als Vertreter der Generation X (geboren ca. 1966-1980). Am geringsten ist die Wahlbeteiligung bei der Generation Y (geboren ca. 1981-1995). Sie lag 2013 bei rund 63%

Aus dem gemeinsamen Erleben von prägenden Ereignissen in der Jugend und frühen Erwachsenenphase lassen sich verallgemeinernd bestimmte Präferenzen einzelner Generationen ableiten.

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Hierzu gehört vermutlich auch, eine gefühlte und geübte Pflicht, das Wahlrecht auszuüben, am politischen Willensbildungsprozess teilzunehmen und am Wahltag in die Wahllokale zu gehen.

Nicht zuletzt haben die etablierten Nachkriegsgeneration und die Baby Boomer in ihrer Jugendzeit ein deutlich stärkeres politisches Bewusstsein gezeigt als spätere Generationen. In Westdeutschland lehnte sich beispielsweise die Nachkriegsgeneration gegen die seinerzeit starren gesellschaftlichen Strukturen auf, die Baby Boomer unterstützten die Friedens- und Umweltbewegung.

Online-Wahlen sind eine Lösungsmöglichkeit

Auch Sozialisationserfahrungen im kommunikativen Bereich könnten das Partizipationsverhalten der Generationen erklären. Möglicherweise ließe sich die Wahlbeteiligung der jüngeren Generation erhöhen, wenn für die Stimmabgabe Wege angeboten würden, die den Verhaltenspräferenzen der Alterskohorte eher entsprechen, wie beispielsweise die Stimmabgabe über das Smart-Phone mit Erinnerungsnachricht am Wahltag.

Denn wer nicht mit Papierpost und Schreibmaschine aufgewachsen ist, sondern es spätestens ab der Jugend gewohnt war, elektronisch zu kommunizieren, empfindet es möglicherweise als
mühsam, ein Wahllokal am Wahltag mit Stift und Urne aufzusuchen oder Briefwahlunterlagen zu beantragen.

Mehr zum Thema: Umfrage zur Bundestagswahl: Fast die Hälfte der Wähler ist noch unentschlossen

Spannend wird es sein, zu sehen, in welchem Ausmaß Vertreter der Generation Z (geboren ca. nach 1996), am 24. September an den Wahlurnen erscheinen. Diese Gruppe der diesjährigen Erst-Wähler ist vollkommen im Zeitalter von Internet, Smartphone und "Like-Buttons" aufgewachsen.

Sollte in dieser Generation die Wahlbeteiligung erneut niedriger ausfallen, so könnte dies ein Anlass sein, die bereits bestehenden Bemühungen zur Einführung von Online-Wahlen als
ergänzende Wahlmöglichkeit zu forcieren und somit den politischen Beteiligungsprozess der jüngeren Generationen zu erhöhen.

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