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"Einfach nur gruselig": Ich war als Reporter auf dem G20-Gipfel - dann sprühte mir ein Polizist Pfefferspray ins Gesicht

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Mal wieder G20-Gipfel, mal wieder Ausschreitungen. Mal wieder Einsatzkräfte, die gegen Demonstranten vorgehen. Und ich plötzlich mittendrin, konfrontiert mit den geballten Fäusten der Polizei. 

Ich bin freier Journalist, ich wollte einen Artikel über das Regierungstreffen in Hamburg schreiben - und vor allem über den Protest dagegen. 

Ich hielt mich in der Nähe der Demonstranten auf, die bereits im Vorfeld ihr Protestcamp angekündigt hatten - und das auch vom Hamburger Verwaltungsgericht genehmigt wurde.

Sehr zum Bedauern der Polizei, wie sich zeigen sollte. 

Auf einmal standen alle Zeichen auf Eskalation

Die Beamten ließen zunächst nämlich - entgegen der gerichtlichen Entscheidung - keinen Demonstranten auf die Freifläche, die als Camp dienen sollte. Stundenlang nicht. 

Irgendwann zogen sich die Polizisten dann zurück. Die Aktivisten durften endlich ihre Zelte aufschlagen. Das machten sie auch - friedlich. Sie aßen zusammen, hörten Reggae-Musik und tauschten sich aus.

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Doch plötzlich fuhr ein Mannschaftswagen der Polizei vor. Über den Lautsprecher auf dem Dach wurden die Demonstranten dreimal aufgefordert, das Camp zu räumen. Auf einmal standen alle Zeichen auf Eskalation.

Doch die Demonstranten blieben stehen und sitzen. Und bei der dritten Durchsage stürmten die Beamten schließlich das Feld. Gefühlt kamen auf jeden Demonstranten fünf Polizisten. 

Ich wurde aus dem Camp herausgeprügelt

Die vermummten Beamten liefen auf jeden zu, der sich auf der Wiese befand. Egal, ob er sich ihnen in den Weg stellte oder nicht. Auch auf mich. Ich hielt meinen Presseausweis in der Hand, wollte einfach nur aus der Menge raus. Ich sagte einem Polizisten, dass ich von der Presse bin und hinaus will.

Ich erhielt keine Antwort. Stattdessen wurde mir der Arm weggeschlagen. Dann zückte der Beamte, dessen Gesicht ich nicht erkennen konnte, sein Pfefferspray - und sprühte es mir und den umstehenden Menschen aus etwa einem halben Meter Entfernung ins Gesicht. 

Ich und die Menschen, die neben mir standen, wurden quasi aus dem Camp herausgeprügelt.

Es war einfach nur gruselig. Eine bodenlose Unverschämtheit.

Nachdem ich es endlich aus der Menge der aggressiven Polizisten heraus geschafft hatte, suchte ich einen Pressesprecher der Polizei. Ich konfrontierte ihn direkt mit dem Erlebten.

Fragte ihn, wie es sein könne, dass seine Beamten Journalisten und Demonstranten attackieren. Doch ihm schien das herzlich egal zu sein. Er antwortete mir in einem lapidaren Tonfall: "Tja und? Kann ich auch nichts machen."

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Schließlich fragte er noch: "Soll ich die Zeit zurückdrehen oder was wollen Sie jetzt von mir?"

Eine bodenlose Unverschämtheit. In meinen Augen kein Zufall, sondern Agenda. Und die großen Demonstrationen kommen erst noch.

Dieses Voices wurde von Bettina Steinke protokolliert.

Die Polizei Hamburg hat der HuffPost am späten Donnerstagabend eine Stellungnahme zukommen lassen.
Es sei im Zusammenhang mit dem von Martin Eimermacher geschilderten Vorgang keine Anzeige eingegangen. "Bitte haben Sie insofern Verständnis dafür, dass ich Ihnen zu dem skizzierten Sachverhalt keine weiteren Angaben machen kann", teilte ein Sprecher mit.

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