Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform fĂĽr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Martin Burkert Headshot

Auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BIKE CITY
GIUSEPPE CACACE via Getty Images
Drucken

Lastenräder, Pedelecs, E-Bikes, Fahrradkuriere - sie gehören heute zum Straßenbild. Der Radverkehr hat in Deutschland in den vergangenen Jahren grundlegend an Bedeutung und Beliebtheit zugelegt. Vor allem in den großen Städten aber auch auf dem Land nutzen immer mehr das günstige, gesunde und umweltfreundliche Verkehrsmittel.

Radfahren ist dadurch aber auch schneller und platzbedĂĽrftiger geworden. Folgerichtig mĂĽssen wir verkehrsrechtliche Rahmenbedingungen anpassen und die Infrastruktur fahrradfreundlicher gestalten.

Radfahrer sind neben Fußgängern im Straßenverkehr der höchsten Gefahr ausgesetzt. Sie sind völlig ungeschützt. Dadurch dass es immer mehr Radfahrer gibt ist es leider logisch, dass auch die Unfallzahlen, bei denen Radfahrer beteiligt sind, steigen.

So wurden im Jahr 2014 deutschlandweit insgesamt 85.199 Unfälle mit Beteiligung eines Radfahrers registriert - rund zehn Prozent mehr als noch 2013. Im innerörtlichen Straßenverkehr ist sogar jeder vierte verunglückte Verkehrsteilnehmer Radfahrer.

Fahrradhelme sind und bleiben Lebensretter

Auch wenn allein das Wort für viele ein rotes Tuch ist: Fahrradhelme sind Lebensretter. Sie können schlimmen Folgen eines Unfalles vorbeugen. Deshalb müssen wir weiter darauf hinwirken, dass auch Fahrradhelme bald zum normalen Straßenbild gehören.

Momentan sind wir bei circa 17 Prozent. In der Schweiz dagegen ist fast die Hälfte der Radler mit Helm unterwegs, das finde ich gut. Ich persönlich kann mir eine Helmpflicht für Fahrradfahrer, insbesondere für E-Bike und Pedelec, vorstellen, auch wenn ich weiß, dass das kein populärer Vorschlag ist. Deshalb mein Appell an die Vernunft eines jeden einzelnen, dies auch ohne Pflicht zu tun.

Womit ich beim nächsten Appell bin: Don't drink and drive. Das sollte sich jeder Verkehrsteilnehmer, egal ob im Auto oder am Rad, zu Herzen nehmen. Statistisch gesehen besteht für Radfahrer ein stark erhöhtes Risiko, alkoholisiert einen Unfall zu verursachen. Ich befürworte deshalb den Vorschlag, den Ordnungswidrigkeitentatbestand von 1,6 auf 1,1 Promille zu ändern.

Der Bundestag hat vergangene Woche eine Novelle der StraĂźenverkehrsordnung beschlossen. Eine Ă„nderung betrifft das Begleiten von Kindern bis acht Jahren, die mit ihrem Fahrrad die Gehwege benutzen mĂĽssen. Bisher durften Aufsichtspersonen nicht mit ihrem Rad auf dem BĂĽrgersteig fahren, sondern nur auf der StraĂźe bzw. dem Radweg. Eltern begingen also eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie ihre Kinder, die mit dem Rad auf dem BĂĽrgersteig unterwegs waren, selbst auf dem Gehweg begleiteten.

Doch ist es nicht sicherer, wenn sie nicht über parkenden Autos hinweg, immer den Blick nach rechts auf ihr Kind gerichtet, ihr Kind beaufsichtigen müssen? Zumal wenn sie oft gleichzeitig ein kleineres Geschwisterkind im Kindersitz haben? Eine überfällige Änderung hin zu mehr Verkehrssicherheit aber auch zu mehr Familienfreundlichkeit, wie ich finde. Auf Fußgänger müssen alle natürlich weiterhin Rücksicht nehmen. Dieser Grundsatz gilt.

Wie steht es mit dem Überfahren roter Ampeln? Hört sich zunächst komisch an, funktioniert aber in Frankreich, den Niederlanden und in Belgien sehr gut. Ich finde auch wir sollten darüber nachdenken, an geeigneten Ampeln und ungefährlichen Kreuzungen Radfahrern das Rechtsabbiegen bei Rot zu erlauben. Ein entsprechendes Zusatzschild - zum Beispiel ähnlich dem grünen Pfeil für Autofahrer - würde für Klarheit und Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer sorgen.

Wie geht es weiter mit dem Fahrradverkehr in Deutschland? Wir mĂĽssen weg vom Dogma autofreundliche Stadt hin zu mehr Fahrradfreundlichkeit. Klimaschutz ist dabei das schlagende Argument.

Im November bin ich als Vorsitzender mit dem Verkehrsausschuss in der Vorzeigefahrradstadt Kopenhagen. Ich bin überzeugt, dass wir dort gute Ideen für Deutschland aus Dänemark mitnehmen werden.

2016-07-12-1468310300-7618852-HUFFPOST.png

Mehr zum Thema Revolution auf zwei Rädern