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Virtual Reality kann mehr als reines Entertainment

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VIRTUAL REALITY
Choreograph via Getty Images
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Ja, ich gebe es (ungern) zu: Das Thema Klimawandel hat mich als jungen SchĂŒler unfassbar gelangweilt. Irgendwo am anderen Ende der Welt schmilzt ein bisschen Eis - und darum macht mein Geografie-Lehrer so einen Aufruhr? FĂŒr mich war das schlichtweg zu weit weg, zumal die globale ErwĂ€rmung damals noch nicht diese große Aufmerksamkeit genoss wie heute.

Was mir fehlte, war die Anschaulichkeit - die Möglichkeit, mich in die Arktis zu „beamen" und mich dort selbst umzuschauen. Heutigen SchĂŒlern kann man genau das ermöglichen, natĂŒrlich ohne sie den Strapazen und Gefahren einer Polarexpedition auszusetzen. Vielmehr macht Virtual Reality kĂŒnftig komplexe und abstrakte Unterrichtsthemen erlebbar und nachvollziehbar.

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©iurii @shutterstock.com

Die virtuelle RealitĂ€t erlebt derzeit einen wahren Boom, denn die Technik wird immer ausgereifter, endlich auch massentauglich und ist schon lĂ€ngst kein reines Gaming- und Entertainment-Thema mehr. In den USA hat Google bereits begonnen, Virtual Reality in die Schulen zu bringen. Das Google Cardboard-Prinzip, bei dem eine Halterung aus Karton das Smartphone zur VR-Brille macht, ist kostengĂŒnstig und macht einen Wandertag nach dem anderen möglich - direkt im Klassenzimmer. „Expeditions" nennt Google sein Cardboard-Programm fĂŒr Schulen, gemĂ€ĂŸ dem Motto: „Bring deine SchĂŒler an Orte, an die sie der Schulbus nicht hinbringen kann." Dabei steuert und synchronisiert der Lehrer die Lerneinheit ĂŒber ein Tablet, damit die VR-Erfahrung fĂŒr die SchĂŒler auch eine gemeinschaftliche wird.

Virtual Reality verspricht eine nicht gekannte NĂ€he und Unmittelbarkeit

Die Möglichkeiten fĂŒr Lehrer aller Fachrichtungen, VR einzusetzen, erscheinen endlos. Im Biologie-Unterricht die Wasserwelt am Grund des Ozeans studieren? KĂŒnftig kein Problem mehr. In den 80er- und 90er-Jahren reisten Kinder in der Zeichentrickserie „Es war einmal das Leben" durch den Körper - schon bald werfen sie einen unmittelbaren Blick in die menschliche Körperzelle. NatĂŒrlich sind viele VR-Inhalte zu diesem frĂŒhen Zeitpunkt der Entwicklung lĂ€ngst nicht perfekt. Doch die virtuelle RealtiĂ€t in der Schule verspricht eine nicht gekannte NĂ€he und Unmittelbarkeit zum Stoff, die von anderen Medien bislang nicht geleistet werden konnte. Welcher Kunstlehrer war schon in der Lage, seinen SchĂŒlern die AusdrucksstĂ€rke von Ausstellungen im Louvre oder Museum of Modern Art zu vermitteln? Die App Woofbert VR will schon bald Kunstgalerien aus aller Welt in der virtuellen RealitĂ€t begehbar machen:

NatĂŒrlich sollen und werden AusflĂŒge in die virtuelle RealitĂ€t tatsĂ€chliche Wandertage und Besuche vor Ort nicht gĂ€nzlich ersetzen - doch welche Schule kann es sich schon leisten, seine Klassen mehrmals im Jahr auf Exkursionen zu schicken? Mit der VR-Technik wĂ€re aber genau das möglich, zumal bspw. Google bislang keine Anstalten macht, seine „Expeditions" kostenpflichtig und zum Produkt zu machen.

Höhenangst? LÀsst sich mit VR bekÀmpfen

DarĂŒber hinaus könnte VR dazu beitragen, dass wir uns schon frĂŒh in andere Menschen hineinversetzen können - in ein anderes Lebensumfeld, eine andere Hautfarbe - und so mehr VerstĂ€ndnis aufbringen werden. Die Stadt Aleppo komplett zerbombt zu erleben, zeigt uns die Auswirkungen des Syrien-Kriegs unmittelbarer als der nĂ€chste Nachrichtenbeitrag - denn in der virtuellen RealitĂ€t kann ich nicht zur Seite schauen. Hier sehe ich auch links und rechts noch die scheinbar verlassene Geisterstadt. Auch erste Therapieversuche von Phobien im virtuellen Raum zeigen den Anspruch, den viele fernab von Gaming und Unterhaltung an die neue Technik stellen - wobei der Versuch, einen virtuellen Hund von einem Holzbrett in schwindelerregender Höhe zu retten, fĂŒr Außenstehende schon etwas von gutem Entertainment hat:

Die Technik ist da, jetzt brauchen wir passende Inhalte

Unsere Gesellschaft wird naturgemĂ€ĂŸ ĂŒber die Auswirkungen von Virtual Reality auf unser Verhalten und potentielle Gefahren diskutieren, gerade wenn es um den Einsatz der Technik in Schulen geht. Doch, wie auch bei Computerspielen, wird es auf die richtigen Formate und Inhalte ankommen. Wie lange wurden Computerspiele vorverurteilt, bis man in Deutschland langsam erkannte, dass sie - richtig eingesetzt und in Maßen konsumiert - sogar klug machen.

#VirtualReality in der #Bildung: Wir brauchen passende Formate und Inhalte!

Mit der Virtual-Reality-Brille wird es sich Ă€hnlich verhalten. Sie soll das Schulbuch und den gemeinsamen Unterricht selbstverstĂ€ndlich nicht ersetzen. Doch sie kann vorhandenes Material sinnvoll erweitern - und Abwechslung in den Unterricht bringen, egal ob an Schulen oder UniversitĂ€ten. HierfĂŒr mĂŒssen nun passende, crossmediale Inhalte geschaffen werden - ein riesiger Markt fĂŒr Schulbuch-Verlage wie Video-Produktionsfirmen gleichermaßen.

Das Bildungssystem mit all seinen Instanzen erkennt hoffentlich schnell das große Potential der virtuellen RealiĂ€t und beginnt dieses auch zu nutzen. HĂ€tte ich als SchĂŒler die Möglichkeiten von heute gehabt, ich hĂ€tte das Ausmaß des Klimawandels wohl schon gute 10 Jahre frĂŒher begriffen.

Virtual Reality in der Schule?

Die Macher der Simpsons haben es mal wieder kommen sehen:

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Die Erstveröffentlichung meines Beitrags finden Sie auf meiner Homepage: www.martinbaumannblog.de

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