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Qualität, Emotion, Interaktion: Streaming­-Trends auf der MIPCOM in Cannes

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Bildrechte: MIPCOM

Die MIPCOM hat auch in diesem Jahr ihren Status als führende Fachmesse für audiovisuelle Inhalte behauptet. 12.000 Medienmanager, Produzenten und Sendervertreter sowie Programmein- und Programmverkäufer besuchten das Event in der ersten Oktoberwoche in Cannes. In diesem Jahr legte allerdings ein heftiges Unwetter mit verheerenden Folgen einen Schatten über die MIPCOM.

Auch der TV-Markt hat einen Sturm erlebt, der das Fernsehen, so wie wir es einmal kannten, völlig verändert hat. Der Zuschauer stellt Forderungen und fördert hierdurch einen Wandel, der zwei klare Trends offenlegt - sofern man diese in einer sich ständig bewegenden Medienwelt klar bestimmen kann.

Der Zuschauer fordert Emotionen und Qualität


Einerseits fällt das Genre des so genannten Emotainments besonders auf: emotional aufgeladene Formate, in denen die Geschichten echter Menschen erzählt werden - schonungslos, unterhaltend, theatralisch.

Andererseits ist doch auch Klasse gefragt. Diese soll mal die Masse und dann wieder die Nische bedienen. Besonders politische und historische Inhalte begeistern den Zuschauer - ­und das sogar international. Beispielhaft hierfür steht der Welterfolg der Miniserie Deutschland 83. Hier wird ein fiktiver Stoff in einen historischen Kontext gesetzt und spannend aufbereitet.

„InteraktivesFernsehen auf der MIPCOM 2015: Was erwartet den Zuschauer?"

Das Bedürfnis nach anspruchsvollen Serieninhalten wird zusätzlich und besonders durch Streaming-Dienste befriedigt. Netflix, Amazon Instant Video und Hulu sind weiterhin auf dem Vormarsch. Digitales Fernsehen muss in einer zunehmend von Video on demand bestimmten Welt sowohl non-linear, aber auch immer noch linear funktionieren.

Grab'n'Share verbindet Fernsehen und Social Media


Der komplexe Wandel bringt weitere Ansprüche an den Inhalt mit sich: Starke Programmmarken sind gefordert - denn die Möglichkeit der Suche bedeutet auch, dass die Gleichgültigkeit bei der Programmauswahl (ver)schwindet. Mitunter ist Geduld gefragt, denn starke Marken drängen sich dem Zuschauer nicht auf, sie wollen von ihm eben gesucht und gefunden werden.

Eine Konkurrenz in Sachen Inhalt und Verfügbarkeit bildet besonders ein TV-Konzern, der nun auch den deutschen Markt erobern möchte. Der niederländische Ultra HD-Sender Insight TV hat Dokumentationen, Reportagen und Reality-Formate im Gepäck. Sein Ziel: Den globalen Fernsehmarkt aufmischen und den Fokus auf den Zuschauer legen, der aktiv nach dem Grab'n'Share-Prinzip mitgestalten kann. Die Programminhalte sind dabei auf diversen Plattformen verfügbar und können über Social-Media-Kanäle geteilt werden.

Vimeo reagiert auf Streaming-Erfolge


Dass der Weg zum Erfolg nur über starke Inhalte führt, hat auch das Videoportal Vimeo erkannt, das künftig mit den ersten Eigenproduktionen aufwartet. Ein Zugeständnis an die wachsende Macht der Streaming-Giganten Netflix und Amazon, denen Vimeo etwas entgegensetzen muss. Im Winter soll es die ersten „Vimeo-Originals" geben.

„Reaktion auf Streaming-Erfolge: Im Winter soll es VimeoOriginals geben."

Doch auch für klassische TV-Formate haben sich durch den Sturm neue Möglichkeiten eröffnet: Serien können sich anders beweisen, indem sie originär im Netz veröffentlicht werden und dort Anklang finden, bevor sie im Fernsehen zu sehen sind.

Overnight-Ratings: Die schwindende Angst vor dem Morgen danach


Eine weitere Veränderung, die im Fokus der Messe stand, ist die schwindende Bedeutung des Overnight-Ratings. Kaum ein Sender bangt vor dem Morgen und macht den Erfolg seiner Sendung noch von der Quote des Vorabends abhängig. Dies ist ein entscheidender Verdienst des zunehmend an Bedeutung gewinnenden Streaming-Angebots.

Bereits seit 2013 lässt die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) die Streaming -Abrufe diverser deutscher Mediatheken messen. Resultat ist ein wöchentliches Ranking der beliebtesten und meistgesehenen Fernsehsendungen.

Durch die Einbeziehung des Video-Giganten YouTube könnte diese bisher nicht repräsentative Messung noch an Relevanz gewinnen, indem sie bessere Vergleichsdaten liefert. Nur so könnten auch Aussagen über den TV-Markt getroffen werden, die seiner momentanen Komplexität vollends gerecht werden.

Streaming-Trends: Goldene Zukunft für den Konsumenten


Wie kann aber in Zukunft mit der schwindenden Bedeutung des Overnight-Ratings und den noch nicht repräsentativen Reichweitendaten von Netflix & Co. umgegangen werden? Definitiv begünstigen die Streaming-Portale den Wandel hin zu mehr Qualität.

Auf dem TV-Markt hat sich zwar vorerst eine Art Ruhe nach dem Sturm eingestellt, doch die sich fortsetzende Ausweitung der High-End-Serien und Streaming-Dienste eröffnet weitere Möglichkeiten und erzeugt neue Spannung. Wenn bei der Disruption der TV-Branche eine Balance zwischen der anspruchsvollen künstlerischen Ausarbeitung von komplexen Seriencharakteren und Big-Data-Analysen gefunden wird, steuern wir großartigen Inhalten entgegen.

Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags finden sie auf: martinbaumannblog.de

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