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Bilder sind unsere neue globale Sprache: Beteiligen Sie sich einfach mit Ihrem Smartphone an der Konversation

19/01/2016 12:07 CET | Aktualisiert 19/01/2017 11:12 CET
michelangeloop via Getty Images

Wann haben Sie zuletzt jemandem einen Smiley oder ein Bild über Ihr Smartphone gesendet? Wenn das noch nicht so lange her ist, so stehen Sie nicht allein da. Damit sind Sie wahrhaftig Teil einer globalen Revolution und liefern den Beweis dafür, dass Bilder und Bildelemente Wörter und Text ersetzen und somit zur neuen globalen Sprache werden.

Sie glauben mir nicht? Jedes Jahr ermittelt das Oxford English Dictionary das Wort des Jahres. Ein Wort, das Ethos, Stimmung und Anliegen der Welt während der vergangenen zwölf Monate zusammenfasst. Aber 2015 war das von Oxford ausgewählte „Word of the Year" erstmals überhaupt kein Wort. Es war ein Bild. Genauer gesagt, ein Emoji mit der offiziellen Bezeichnung „Gesicht mit Freudentränen".

Dieser Wandel ist irreversibel und bietet jedem von uns enorme Möglichkeiten. Milliarden von Menschen haben heutzutage Mobiltelefone mit leistungsstarken Kameras in der Tasche. Und sie nutzen diese, um Fotos zu machen, damit sie sich mitteilen und ihre Erlebnisse mit anderen teilen können.

Wenn man die sozialen Medien insgesamt betrachtet, wurden im letzten Jahr zwischen 2 und 3 Billionen Bilder geteilt. Das bedeutet, dass 2015 mehr Fotos mit Mobiltelefonen aufgenommen wurden, als im gesamten Zeitalter der analogen Kamera auf Filmen gemacht wurden.

Diese Bilder erschaffen eine Sprache, die wir alle sprechen und verstehen können, und zwar unabhängig von unserer Nationalität, unserem Alter, unserer Bildung, unserer Religion oder unserem Standort. Und diese neue Sprache verändert die Welt in vielerlei Hinsicht.

Ein Aspekt ist, dass wir plötzlich alle Historiker sind, die die Welt um uns herum dokumentieren. In der Vergangenheit wurde Geschichte nur von einigen ausgewählten Personen geschrieben. Normalverbraucher hatten nicht die Gelegenheit, ihre Weltanschauung mit allen anderen zu teilen.

Wir alle erinnern uns an legendäre Fotos wie zum Beispiel die Beatles beim Überqueren der Abbey Road oder den Fall der Berliner Mauer, aber jetzt können wir alle teilhaben, indem wir unsere einzigartigen Perspektiven der Welt um uns herum teilen. Heutzutage kann jeder mit einem Smartphone ein Foto aufnehmen, das weltweite Aufmerksamkeit erzielt, und so ein Stück Geschichte schreiben.

Eine weitere Veränderung ist, dass wir an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter des visuellen Aktivismus stehen. Ein überzeugendes Beispiel ist Katie Meyler, eine der Personen des Jahres 2014 des TIME Magazine. Katie erlangte weltweit Aufmerksamkeit, indem sie denjenigen über Bilder auf ihrem Instagram-Account ein menschliches Gesicht gab, die den Kampf gegen Ebola bestreiten, verlieren und gewinnen.

Diese neue visuelle Welt gibt uns auch die Chance, Orte und Momente zu erleben, die wir noch nicht gesehen haben. Denken Sie einmal an das Foto von Mario Götze, als er direkt nach dem triumphalen Sieg Deutschlands den WM-Pokal in der Umkleidekabine seiner Mannschaft umklammert.

Und in der Geschäftswelt öffnet dieser neue Zugang Türen zu alten Branchen. Nehmen wir einmal das Beispiel Mode - traditionell eine äußerst exklusive Branche. Aber mit der heutigen neuen globalen Sprache bekommen auch Außenseiter allmählich Zugang. Die besten Modenschauen der Welt in Paris, Mailand und New York sind nicht länger nur der Branchenelite vorbehalten, sondern im Handumdrehen für jedermann zugänglich.

Bilder verbinden uns auch mit Menschen, die wir sonst niemals entdeckt hätten - sie haben die Macht, Grenzen und Sprachbarrieren zu überwinden, und sie entführen uns in eine Welt jenseits unserer eigenen Erfahrung. Nehmen wir z. B. Gigi Crouch, ein 17-jähriges Mädchen mit Skoliose - einer Verkrümmung der Wirbelsäule - die eine der berühmtesten jungen Ballerinas in den sozialen Medien ist. Fotos von Gigi in schwierigen Posen haben eine Gemeinschaft jugendlicher Tänzer auf der ganzen Welt dazu inspiriert, ihre Träume zu verwirklichen, egal wie anspruchsvoll sie sind.

Ich bin immer wieder durch die Art und Weise angespornt, wie sich viele Teenager die neue Technologie zu eigen machen und daraus eine Kraft entwickeln, die ihr Leben widerspiegelt. Sie erzählen beeindruckende Geschichten in Ich-Form und nutzen ihre Äußerungen, um Gemeinschaften rund um die Dinge, die ihnen wichtig sind, aufzubauen. Teenager wie Gigi sind Muttersprachler unserer neuen visuellen Sprache.

Die Wahrheit ist, dass man beim Kommunizieren mit Bildern nicht einfach ein Foto oder ein Video teilt, sondern vielmehr seine eigene Welt und Ansicht - und man lernt von anderen, die dasselbe machen.

Wir bewegen uns kontinuierlich in Richtung einer Welt, in der die Smartphone-Technologie jedem zugänglich ist. Eine Welt, in der jeder eine visuelle Stimme hat und diese eigene Stimme für alle hörbar machen kann.

Und wenn dies geschieht -- wenn jeder buchstäblich Geschichte schreiben kann -- dann wird unsere Welt intelligenter, zugänglicher, vernetzter und vielleicht sogar einfühlsamer sein. Aber vor allem hoffe ich, dass es eine bessere Welt sein wird.

Die Verfasserin Marne Levine ist Chief Operating Officer des Foto- und Videonetzwerkes Instagram.

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