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Mir hat das Grundeinkommen geholfen, meinen Lebensplan zu verwirklichen

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Ich kann mich genau an den Morgen erinnern. Gleich nach dem Aufstehen klappte ich meinen Laptop auf und schaute auf Facebook, ob die Gewinner schon feststehen. Und da erschien mein Foto. Das muss ein Fehler sein, dachte ich zuerst. Doch so war es nicht. Ich hatte tatsächlich gewonnen und zwar: ein Jahr Grundeinkommen - monatlich 1000 Euro.

Ein paar Wochen zuvor hatte meine Freundin mir von dem Projekt "Mein Grundeinkommen" erzählt, einer Crowdfunding-Aktion, bei der man ein Jahr Grundeinkommen gewinnen kann. "Das ist genau das Richtige für dich", hat sie gesagt. Daraufhin habe ich mich gleich angemeldet und bei der Verlosung mitgemacht.

Ich war gerade dabei mich als Mentaltrainerin selbstständig zu machen. Doch alles war noch in den Anfängen. Und ich war mir gar nicht sicher, ob es überhaupt klappt. Der Gewinn hat mir einen enormen Schub gegeben. Durch das Grundeinkommen traue ich mir mutigere Schritte zu. Ich habe nicht den Druck, dass ich Geld verdienen muss.

Gerade bin ich dabei meine Website aufzubauen und Videos für einen Onlinekurs zu drehen. Außerdem habe ich einen Feng Shui Ausbildung angefangen. Das hätte ich ohne das Grundeinkommen sicher nicht zeitgleich getan.

Ich habe die Möglichkeit, mein Potenzial zu entfalten

Manche Leute haben mich schon gefragt, ob ich durch das Grundeinkommen fauler geworden bin. Das Gegenteil ist der Fall. Ich denke mir: Du hast jetzt die Möglichkeit, dein Potenzial zu entfalten, also mache auch was draus!

Ich glaube, durch das Grundeinkommen wächst die Selbstverantwortung. Ich habe das Gefühl, dass ich das Geld in mich investiere, in meine Zukunft. Das ist meiner Meinung nach auch der Unterschied zum Arbeitslosengeld. Das hat den Beigeschmack der Bedürftigkeit und dass man auf dem Arbeitsmarkt nichts wert ist.

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Das Grundeinkommen gibt den Leuten ein anderes Selbstwertgefühl. Es würde keine Sozialleistungsempfänger mehr geben. Jeder würde Grundeinkommen bekommen - und keiner hätte das Gefühl, dem Staat auf der Tasche zu liegen.

Das Grundeinkommen würde sicherlich auch im sozialen Bereich etwas ändern. Zum Beispiel könnte man vier Tage arbeiten und den fünften Tag für sich nutzen. So hätte man am fünften Tag Zeit, Dinge zu tun, die nicht entlohnt werden. Zum Beispiel die Oma besuchen, etwas malen oder einem Ehrenamt nachgehen.

Die Gesellschaft braucht ein neues Lebensmodell

Das sind doch alles Dinge, die auf der Strecke bleiben. Weil wir keine Zeit haben oder weil nichts dabei "rausspringt". Und genau das ist das Grundeinkommen. Ein Gewinn an Zeit. Ob man die Zeit für sein neues berufliches Projekt, für sein Kind oder seine Oma verwendet, ist vollkommen egal. So oder so - es ist ein Gewinn für die Gesellschaft.

Und wir - die Gesellschaft - brauchen ein neues Lebensmodell. Viele sind mit Job, Familie und Selbstverwirklichung überfordert. Burn-out ist die neue Volkskrankheit. Wofür was wollen wir immer effizienter werden? Warum erfinden wir Dinge, die uns das Leben leichter machen sollen? Doch eigentlich für eine bessere Lebensqualität und mehr Zeit für Wesentliches und nicht um uns noch mehr in noch kürzerer Zeit aufzuhalsen.

Im Prinzip wollen doch die meisten Menschen ihre Träume verwirklichen - aber jeder muss arbeiten, um Geld zu verdienen. Und so ist man schnell im berühmten Hamsterrad gefangen. Mit dem monatlichen Grundeinkommen kann ich etwas erschaffen, das mir erst einmal kein Geld bringen muss. Es macht mich viel freier, flexibler und kreativer.

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Und Flexibilität ist doch genau das, was in deutschen Unternehmen oft fehlt, aber für die Zukunft unabdingbar ist. Wir werden nicht bestärkt mutig zu sein. Weder in der Schule, in der Familie, noch im Beruf. Eigenverantwortung und Mut haben wir uns abtrainieren lassen. Wenn da keiner ist, der uns das vorlebt und uns darin bestärkt, dann heißt es, uns das selbst beizubringen: "no risk, no fun".

Mir hat das Grundeinkommen geholfen, meinen Lebensplan zu verwirklichen. Ob ich erfolgreich damit sein werde, weiß ich noch nicht. Aber das ist momentan auch völlig egal. Ich mache das, was mir Spaß macht und lerne dabei unglaublich viel, vor allem über mich.

Mehr über mich erfahrt ihr auf meiner Homepage.

Der Text wurde von Katharina Pichler aufgezeichnet.

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