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Von der Leyen als Verteidigungsministerin: Wie ich, Soldat, darüber denke

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Eine Frau als Verteidigungsministerin! Welch historisches Ereignis bringt diese Große Koalition da mit sich, die ihre personellen Überraschungen gerade noch rechtzeitig unter dem Weihnachtsbaum der Deutschen drapiert hat! In allen Medien ist zu lesen, die Tatsache der mit Ursula von der Leyen erstmaligen weiblichen Besetzung dieses Ministeramtes sei das exponierte Thema dieser neuen Regierung, doch niemand wagt es, es so richtig zu thematisieren.

Wohl alleiniger Grund: Darf das in der heutigen Zeit mit weitestgehender Gleichberechtigung, großkoalitionär beschlossener Frauenquote und des virulent verbreiteten #aufschrei überhaupt noch Thema sein?

Hiervon überlagert wird sogar die fast schon routinemäßig gestellte Frage, inwieweit sich Minister für ihr Amt durch fachliche Qualifikation quasi aufzudrängen haben und ob es wirklich richtig ist, andere Kriterien höher zu priorisieren. Bei der militärischen Unbeflecktheit unserer neuen IBuK (Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt) ist es wohl am ehesten noch ihre helmartige Frisur, die eine Verbindung nahe legen könnte. Doch ob das wirklich von Relevanz ist?

Meine Wahrnehmung der ersten Tage der neuen Ministerin als Soldat ist folgende: Vollkommen unprätentiös und voller Demut im positiven Sinne nimmt sich Frau von der Leyen ihrer neuen Aufgaben an. Es vergeht kaum ein Interview, in dem ihre aktuell noch vorherrschende Unwissenheit vieler militärischer Eigenheiten keine Erwähnung findet, jedoch immer gepaart mit einer großen Portion Motivation und Tatendrang.

Und einen der wichtigsten Lehrinhalte der Offiziersschulen der Bundeswehr, das taktische Setzen von Schwerpunkten, beherrscht sie schon mit Bravour: Ihre seien die bessere Verankerung unserer Armee in der Gesellschaft, die Steigerung der Attraktivität für Bewerber und die Kommunikation der steigenden deutschen internationalen Verantwortung. Wenn diese mal nicht unterschreibungswürdig sind...

Die allgemeine Eigenschaft höherer Vorgesetzter, in ihren Qualifikationen weniger tief als breit aufgestellt zu sein, ist wohl nicht nur im militärischen, sondern mit Masse auch im zivilen Bereich anzutreffen. Bei genauerer Betrachtung stellt sich dies auch als durchaus logisch dar: Umso größer der Aufgaben- und Verantwortungsbereich, desto weniger geht es um profunde Fachkenntnis als vielmehr um Führungsqualitäten.

Dazu gehören neben dem Willen zur Verantwortungsübernahme und allgemeinen Managementqualitäten vor allem eine stark ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit und das Engagement und das Vermögen, sich in neue Themen einzuarbeiten. Natürlich schadet ein gewisses fachliches Verständnis nichts. Aber es hat eben nicht die höchste Priorität inne.

Die genannten Eigenschaften kann, soweit man das als zwar politikinteressierter, aber natürlich unabänderlich Außenstehender beurteilen kann, Frau von der Leyen durchaus zu ihren Stärken zählen. In ihren letzten Ministerämtern zeigte sie vor allem die unbedingte Hingabe, die bei solcher Verantwortung unabdingbar sein sollte.

Ohne Vorschusslorbeeren, aber auch ohne negative Vorurteile sollte ihr also bei diesen gegebenen guten Voraussetzungen die Chance und die Zeit gegeben werden, ihren Dienst gut zu erfüllen.

Und die Tatsache, dass sie eine Frau ist? Ist das denn wirklich noch der Rede wert...?

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