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Widerruf Darlehen: Was Kunden im Falle einer Ablehnung wissen sollten!

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Nicht selten lehnen Banken den Widerruf eines abgeschlossenen Darlehens trotz fehlerhafter Widerrufsbelehrungen ab. Dabei verwenden sie häufig Gründe, die der aktuellen Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs schlichtweg nicht standhalten.

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Aussagen, dass das Widerrufsrecht verwirkt sei oder ein Widerruf gar einen Rechtsmissbrauch darstellt, sind hier keine Seltenheit. Häufig behaupten Banken außerdem, dass die Belehrungen einem vorgegebenen Muster entsprechen würden, was in vielen Fällen nicht der Wahrheit entspricht. Wie aber sollen sich Kunden in einem solchen Fall verhalten?

Gesetzliches Muster muss der Belehrung im Vertrag entsprechen!

Der Vertrag muss eine Widerrufsbelehrung enthalten, die der Vorlage des Gesetzgebers entspricht. Ist dies nicht der Fall, wurde nicht rechtswirksam über das Widerrufsrecht belehrt. Für diese Übereinstimmung gibt es klare Vorschriften. So ist die Belehrung beispielsweise dann noch rechtsgültig, wenn Format und Schriftgröße abweichen oder für gewisse Ausdrücke Synonyme verwendet wurden. Fehlen jedoch inhaltliche Passagen oder wurden Zusätze eingefügt, die im Muster nicht vorhanden sind, wird die Übereinstimmung nicht anerkannt. Trotz dessen halten viele Banken oftmals an ihren Behauptungen fest.

Rechtsmissbrauch Widerruf: Stimmt das?

Laut BGH-Urteil ist ein Widerruf nicht rechtsmissbräuchlich, weil man ihn benutzt, um aus einen Vertrag mit hohen Zinsen zu kommen. Man kann den Widerruf also durchaus gebrauchen, um von der Niedrigzinsphase zu profitieren. Laut Bundesgerichtshof im Juli 2016 darf der Kunde nach Belieben von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen.

Verwirkung des Widerrufsrechts

Die Bank kann sich nicht allein darauf verlassen, dass ein langer Zeitraum von Vertragsabschluss bis Widerrufsersuchen, Grund für eine Verwirkung des Widerrufsrechts ist. Neben dem Argument der Zeit, ist die zweite Vorraussetzungen für eine Verwirkung, dass die Bank keine Konfrontation mehr mit einem Widerruf zu befürchten hatte. Dies würde dadurch gewährleistet werden, dass die Bank den Kunden wirksam und vollständig über den Widerruf belehrt hatte. Tut sie dies nicht, so muss die Bank das Risiko selbst tragen, dass der Kunde von seinem Widerrufsrecht Gebrauch macht. Eine regelmäßige Zahlung der Raten an die Bank ist auch kein Signal, dass in dem Sinne interpretiert werden kann, dass der Kunde keinen Widerruf anstrebt. Die Ausrede der Verwirkung trägt in diesem Fall keine Früchte.

Was tun, wenn die Bank meinen Antrag ablehnt?

Hierbei ist vor allem eins wichtig: Hartnäckigkeit! Banken weisen in vielen Fällen eine grundlegend ablehnende Haltung auf, um den Kunden von seinem Vorhaben des Widerrufs abzubringen und haben somit das Ziel, das Darlehen einfach weiterlaufen zu lassen. In vielen Fällen muss erst die Androhung einer Klage oder eine Klage selbst erfolgen, um die Bank aus der Reserve zu locken.

Um eine Verjährung der Ansprüche zu vermeiden, die bei einem Widerruf entstehen, sind diese innerhalb der ersten drei Jahre nach Widerruf geltend zu machen. Verweigert die Bank auch 30 Tage nach Erhalt des Widerrufs die Rückabwicklung des Vertrages, so können die Ansprüche verzinst werden, da sich die Bank im Verzug befindet.

Lassen Sie sich also durch eine anlehnende Reaktion Ihrer Bank bei einem Widerruf nicht abschrecken. Es lohnt sich am Ball zu bleiben. Bei weiteren Fragen steht Ihnen die Kanzlei Mingers & Kreuzer gerne als kompetenter Partner zur Verfügung!