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Reinfall Lebensversicherung: So wenig bleibt Ihnen am Ende tatsächlich übrig!

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Das Modell Lebensversicherung rückt immer näher an den Abgrund. Lohnenswert ist diese Art der Altersvorsorge längst nicht mehr. Überschussbeteiligungen schmelzen und der Kunde guckt im Endeffekt in die Röhre. Was Ihnen als Versicherter am Ende überhaupt noch bleibt, haben wir uns für Sie angeschaut.

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Provision für den Berater

Anteilig erhält der Berater nach Abschluss des Vertrages eine Abschlussprovision von drei bis fünf Prozent der Beitragssumme, welche sich wiederum aus dem Jahresbeitrag berechnet, der mit der Laufzeit des Vertrages multipliziert wird. Kündigt der Versicherte seinen Vertrag innerhalb der ersten fünf Jahre, muss die Provision anteilig zurück erstattet werden.
Hier ein Rechenbeispiel:
Monatlicher Beitrag: 150 Euro.
Laufzeit: 30 Jahre.
Die Beitragssumme ist demnach 54.000 Euro, woraus sich eine Provision von 2.700 Euro ergibt, die bereits nach Vertragsabschluss an den Berater fließt. Dazu kämen dann noch 18 Euro jährlich, die sogenannte Betreuungsprovision, die einem Prozent des Jahresbeitrags entspricht.

Abschluss- und Vertriebskosten

Die Vertriebs-/Abschlusskosten einer Lebensversicherung variieren je nach Versicherer. Von 2,2 bis 7,5 Prozent der Beitragssumme ist alles dabei. Es lohnt sich jedoch hier, Preise zu vergleichen, da Direktversicherer häufig günstiger sind.
Wichtig: Im Begleitblatt zur Police müssen die Abschlusskosten offen gelegt werden. Eine genaue Aufschlüsselung der Kosten muss jedoch nicht erfolgen. Die Kosten für Abschluss und Vertrieb werden, anders als früher, nicht mehr zu Beginn der Vertragslaufzeit eingefordert, sondern mittlerweile innerhalb der ersten fünf Jahre eingezogen.

Kosten für den Fonds

Hat der Kunde eine Police mit Fondsanteil gewählt, so zahlt man zusätzlich circa einen Prozent der Fondsperformance. Gut zu wissen: Die Gebühr wird nicht auf die Beitragssumme erhoben, sondern bezieht sich lediglich auf die Gewinne aus der Fondsanlage.

Verwaltungskosten für laufende Verträge

Auch für die Verwaltung Ihres Vertrages kassieren die Versicherer eine Verwaltungsgebühr. Innerhalb der Jahre 2004 und 2008 beliefen sich diese auf durchschnittlich fünf Prozent. Aber auch hier schwanken die zu zahlenden Beträge je nach Unternehmen stark. Wichtig für Sie: Wenn der Kunde vorzeitig kündigt, dürfen die Versicherer die Verwaltungskosten nicht mehr komplett einbehalten, so ein Urteil des Bundesgerichtshofs.

Todesfallschutz

Im Vordergrund einer Lebensversicherung steht jedoch immer noch weniger die Sparfunktion, sondern viel mehr der Risikoschutz. Daher gehen circa zehn Prozent der Beitragssumme dafür drauf, dass die Hinterbliebenen abgesichert sind. In unserem Beispiel zu Beginn des Artikels wären dies dann circa 5.400 Euro für den Hinterbliebenenschutz.

Überschussbeteiligungen sinken rapide!

Zusätzlich zu allen oben aufgeführten Kosten ist ein weiteres negatives Argument gegen die Lebensversicherung, dass die Überschussbeteiligungen immer weiter sinken. Die aktuelle Zinslage führt dazu, dass die Überschussbeteiligungen weit unter dem Wert liegen, der in vielen Beratungsgesprächen präsentiert wurde. Der Extremfall: Notfalls dürfen Versicherer die Überschüsse bis hin zum Garantiezins senken, der zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses galt. Aktuell sind dies nur noch 0,9 Prozent!

Effektive Beitragsrendite mit erschreckendem Ergebnis!

Die Prognosen werden zunehmend schlechter und das Modell der Lebensversicherung als Altersvorsorge steht vor dem aus. Berechnungen zu folge blieben bei vielen Versicherern nur 0,11 Prozent des Garantiezinses übrig, 0,79 der 0,9 Prozent gingen für die oben genannten Kosten wie Abschlusskosten und Provision drauf. Erschreckend: In manchen Fällen rechneten Experten sogar eine negative Rendite aus. Im Klartext heißt das: Der Kunde hat keinerlei Sicherheit, dass er seine selbst eingezahlten Beiträge überhaupt zurück erhält.
Daher sollten Sie als Kunde sich rechtzeitig informieren und sich einen professionellen Rat holen, um Ihre Altersvorsorge zu sichern!