BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Markus Mingers Headshot

Massenentlassung und Insolvenz bei Air Berlin: Was Sie als Mitarbeiter wissen sollten!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Rund 1.400 Mitarbeiter: So lautet die aktuelle Schätzung von Experten im Hinblick darauf, wie viele Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin bis Ende Oktober ihre Kündigung erhalten werden. Die Einstellung des Flugbetriebs am 28. Oktober diesen Jahres wird die Zahl vermutlich noch einmal nach oben schrauben. Die Übernahme großer Teile durch die Lufthansa wird da auch für die wenigsten der 8.000 Air Berlin Mitarbeiter ein Hoffnungsschimmer sein, bedenkt man, dass nur 3.000 neue Stellen bei Eurowings geschaffen werden konnten.
Aber was können Piloten, Bodenpersonal und andere Mitarbeiter des Unternehmens tun, wenn sie ihre Kündigung zugestellt bekommen? Die wichtigsten Informationen haben wir für Sie im Überblick!

2017-10-19-1508410803-4747935-shutterstock_7008480671.jpg

Bewahrt der Kündigungsschutz Mitarbeiter vor der Kündigung?

Nein. Zwar genießen solche Mitarbeiter, die dem Unternehmen mehr als 6 Monate treu sind Kündigungsschutz, jedoch können betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Im Falle einer rechtzeitig eingereichten Kündigungsschutzklage entscheiden dann die Gerichte über die Wirksamkeit.

Verringerung der Kündigungsfrist bei Insolvenzverfahren

Sollte, womit aktuell zu rechnen ist, das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Air Berlin eröffnet werden, so verringert sich die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer auf drei Monate. Auch gesetzliche oder tarifvertragliche Regelungen sind dann ungeachtet.

Vorgehen im Falle einer Kündigung

Wichtig ist vor allem eins: Schnelligkeit! Möchten Sie eine Kündigungsschutzklage einreichen, so muss dies bis spätestens drei Wochen nach Erhalt der Kündigung geschehen sein. Ansonsten ist die Frist für eine Klage abgelaufen und die Kündigung wird rechtswirksam. Auch sollten Sie nach Erhalt der Kündigung diese auf formelle Fehler überprüfen und im Falle, dass Sie welche finden, diese unmittelbar zurückweisen. Ein Fehler wäre beispielsweise, dass die Kündigung von Personen unterzeichnet ist, die nicht dazu autorisiert sind eine Kündigung auszusprechen. Zögern Sie nicht!

Kündigungsschutzklage bei Insolvenz: Sinnvoll?

Sinnvoll ist eine Kündigungsschutzklage vor allem dann, wenn eine Rechtsschutzversicherung für Arbeitsrecht besteht. In der ersten arbeitsgerichtlichen Instanz enden Verfahren häufig mit einem Vergleich. Arbeitnehmer haben die Anwaltskosten jedoch nach gesetzlicher Regelung stets selbst zu tragen, ganz gleich, welchen Ausgang das Verfahren findet. Ist eine Rechtsschutzversicherung vorhanden, muss sich der Arbeitnehmer zumindest darüber vorerst keine Sorgen machen.

Kündigungsschutzklage: Diese Vorteile hat sie!

Ein Insolvenzverfahren allein ist kein gesetzlich fundierter Kündigungsgrund. Der Insolvenzverwalter muss für eine Kündigung dringende betriebliche Gründe anführen, welche daraufhin zu beweisen sind.
Wird ein Verfahren einer Kündigungsschutzklage eröffnet, so kann man in den Verhandlungen beispielsweise zumindest eine angemessene Abfindung raushandeln und Ansprüche durchsetzen, wie die Überstundenvergütung, die Urlaubsabgeltung oder ein Arbeitszeugnis, das mindestens die Note „gut" enthält. Zudem ist von Bedeutung, dass auch innerhalb eines Insolvenzverfahrens eine Sozialauswahl durchgeführt werden muss.

Eröffnung des Insolvenzverfahrens: Was ändert sich dadurch?

Da Air Berlin eine Eigenverwaltung ist, bleibt das Unternehmen auch im Verfahren Arbeitgeber und somit zur Kündigung und Weisung befugt. Generell tritt in Insolvenzverfahren ein Insolvenzverwalter an die Stelle des Arbeitgebers.
Ansprüche, die aus dem Arbeitsverhältnis entstanden sind, sind im Insolvenzrecht grundsätzlich Masseverbindlichkeiten und daher gemäß §§ 53 ff. der Insolvenzverordnung zu befriedigen. Dem Arbeitnehmer steht also ein vollumfänglicher Gehaltsausgleich zu.
Wird in einem Kündigungsschutzprozess ein Vergleich verhandelt, so sind die darin verhandelten Abfindungen Masseschulden und durch den Insolvenzverwalter sofort auszugleichen. Die Beträge müssen daher nicht in die Insolvenztabelle aufgenommen werden und der Arbeitnehmer darf nicht auf Quoten vertröstet werden.

Betriebsübergang ja oder nein?

Ob im Falle der Übernahme durch die Lufthansa ein Betriebsübergang nach § 613a BGB vorliegt, können Gerichte gänzlich überprüfen. Sollte dies nicht der Fall sein, so würden den Mitarbeiter sämtliche Vereinbarungen verloren gehen, die sie bei Air Berlin vertraglich zugesichert bekommen hatten (Tätigkeitsfeld, Höhe des Lohns, ...). Daher sollten übernommene Mitarbeiter hier die Augen und Ohren offen halten. Liegt nämlich ein Betriebsübergang vor, so sind sämtliche Vertragsinhalte wieder aufzunehmen und man muss sich nicht auf die meist schlechteren Konditionen des neuen Arbeitgebers einlassen!
Wir bieten Ihnen an, dass Sie Ihre Kündigung bei uns kostenlos prüfen lassen können. Weitere Informationen dazu finden Sie hier!