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Frust bei Air Berlin: Mitarbeiter ohne Gehalt - So wahren Sie Ihre Rechte!

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Es scheint fast schon unwirklich: Gerade einmal 400 Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin haben sich in den letzten Tagen bei der Arbeitsagentur Berlin Nord, die für den Hauptsitz der Airline zuständig ist, als arbeitslos gemeldet und das obwohl sowohl Management, als auch Insolvenzverwaltung, von Air Berlin deutlich gemacht hatten, dass man als Mitarbeiter nicht davon ausgehen könnte, in den kommenden Wochen und Monaten sein Gehalt ausgezahlt zu bekommen.

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Geht man von der groben Anzahl derer aus, deren berufliche Zukunft weiterhin ungewiss ist, so kommt man auf 1.200 Mitarbeiter, die weder auf eine Weiterbeschäftigung durch die Übernahme hoffen dürfen, noch auf einen Wechsel in eine Transfergesellschaft. Daher müsste die Zahl der arbeitlos gemeldeten Mitarbeiter doch eigentlich viel höher sein, also warum melden sich so viele Mitarbeiter nicht arbeitslos?

Ein Hauptgrund dafür ist vor allem eins: Verunsicherung. Viele befürchten, dass die Anmeldung zur Arbeitslosigkeit negative Auswirkungen auf eine eventuelle Klage auf eine spätere Beschäftigung bei Lufthansa oder Easyjet, die den Großteil der insolventen Airline übernehmen, haben könnte. Diese Annahme ist jedoch falsch: Air Berlin Mitarbeiter, die zur Zeit widerruflich freigestellt sind, haben trotz der Meldung zur Arbeitslosigkeit die Möglichkeit eine Kündigungsschutzklage einzureichen. Sie verlieren Ihre Rechte dadurch keinesfalls!

Betriebsübergang: Ja oder nein?

Sowohl die Pilotengewerkschaft 'Vereinigung Cockpit', als auch die Gewerkschaft Verdi betonten mehrfach, dass sie gerichtlich klären lassen wollen, ob nicht schon durch die Übernahme von Flugzeugen und den damit verbundenen Leasingverträgen ein Betriebsübergang nach § 613a vorliegt.

Viele Mitarbeiter der insolventen Airline hoffen auf eine Kündigungsschutzklage. Die Klärung eines solchen Verfahrens kann in dieser Situation allerdings Jahre dauern, wodurch die Meldung zur Arbeitslosigkeit nur an Dringlichkeit zunimmt. Auch die Personalchefin von Air Berlin forderte die Mitarbeiter des Unternehmens nun dazu auf, den Schritt zur Arbeitsagentur so schnell wie möglich zu gehen. Auch Verdi-Vorständin Behle betonte, dass der Fall der insolventen Airline Air Berlin bis vor den Europäischen Gerichtshof gehen könnte, was unter Umständen bis zu vier Jahre dauern könnte. Da es utopisch ist, eine solche Zeit zu überbrücken, ist der Gang zur Arbeitsagentur, sowie Bewerbungen, unvermeidlich.

Tarifvertrag für Eurowings Deutschland durch Pilotengewerkschaft gekippt!

Zuletzt kippte die Pilotengewerkschaft 'Vereinigung Cockpit' den neuen Tarifvertrag für Eurowings Deutschland, der den Wechsel von Piloten der Fluggesellschaft Air Berlin zur Billigtochter der Lufthansa regeln sollte. Anfang der Woche wurde dieser Vertrag jedoch gekippt, da die Gewerkschaft die Mindeststandards für A320-Piloten in mancher Hinsicht als gefährdet ansieht.
Dies sorgt jedoch beim Flugpersonal für reichlich Unmut. Viele Piloten sehen ihre Karrierechancen in Gefahr, da das Veto des Gewerkschaftsvorstands die Wachstumsmöglichkeiten von Eurowings Deutschland gefährdet. Das Management der Lufthansa-Tochter will die Air Berlin Piloten nun bei Eurowings Europe in Wien anstellen. Hierbei greifen zwar die gleichen Bedingungen, jedoch wird kein gültiger Tarifvertrag erstellt.

Verbunden damit soll nun auch das Kabinenpersonal der insolventen Fluggesellschaft bei Eurowings Europe angestellt werden. Und das, obwohl es bereits einen Tarifvertrag für die Anstellung des Personals der Kabinen in Deutschland gab ('Tarifvertrag Wachstum'). Hier wird nun zum wiederholten Male die zukünftige Richtung gewechselt und das Kabinenpersonal befindet sich wieder in einem Zustand der Unsicherheit. Ein weiteres Mal wird also ein Konflikt mit dem Cockpitpersonal auf dem Rücken des Kabinenpersonals ausgetragen, ohne, dass man mit der Gewerkschaft des Kabinenpersonals UFO nach einer alternativen Lösung gesucht hatte. Dabei wäre eine Lösung für dieses Problem laut UFO greifbar gewesen, indem man das Kabinenpersonal zwar in Deutschland anstellt, aber für die Zeit, in der es keine Lösung für das Flugpersonal gibt, an Eurowings Europe ausleiht. Auch in diesem Fall sieht man wieder einmal, dass vieles im Falle der Air Berlin Insolvenz zu Lasten der Mitarbeiter ausgetragen wird.

Im Kampf für Ihres gutes Recht als Air Berlin Mitarbeiter stehen wir an Ihrer Seite. Bereits hunderte Angestellte der Fluggesellschaft vertrauen schon auf unsere langjährige Erfahrung auf dem Gebiet des Arbeitsrechts. Schließen also auch Sie sich uns an und lassen Sie Ihren Arbeitsvertrag kostenfrei im Rahmen einer Ersteinschätzung prüfen!