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Bis Juni 2016 noch vom Widerrufsrecht Gebrauch machen!

25/10/2015 20:42 CET | Aktualisiert 25/10/2016 11:12 CEST
thinkstock

Haben Sie auch im Zeitraum November 2002 bis Juni 2010 einen Darlehensvertrag zur Finanzierung Ihrer Immobilie mit einem Kreditinstitut abgeschlossen? Dann sollten Sie sich etwas Zeit nehmen um möglicherweise einen nennenswerten Vorteil aus diesen Informationen zu generieren.

Es wurde nun bekannt, dass der Gesetzgeber erwägt, die unbegrenzte Widerrufsfrist, die bei einer hinsichtlich Frist, Form und Folgen des Widerrufs fehlerhaften Widerrufsbelehrung ausgeübt werden kann, voraussichtlich im März 2016 mit einer Gesetzesänderung abzuschaffen und gibt damit dem Druck der Bankenverbände nach, die ein großes Interesse daran haben, ihre Pfründe zu sichern und dem Verbraucher die Möglichkeit zu nehmen, aufgrund falscher Widerrufsbelehrungen einen Widerruf des Darlehensvertrages zu bewirken und damit eine Reihe monetärer Vorteile in Anspruch zu nehmen.

Das bedeutet für den darlehensnehmenden Verbraucher, dass er spätestens drei Monate nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes im Juni 2016 - sofern zutreffend - einen Widerruf gegenüber seinem Kreditinstitut erklären kann. Danach ist das nicht mehr möglich.

Hintergrund für die scheinbar erfolgreichen Bemühungen der Bankenverbände, die Politik zur gesetzlichen Neuregelung zu drängen ist die Vermeidung weiterer Widerrufe von oft großvolumigen Immobilienkrediten, deren Gesamtumfang in der genannten Zeit möglicherweise hundert Milliarden Euro betrugen und deren Widerrufsabwicklungskosten Sparkassen, genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken sowie privatwirtschaftlichen Banken vermutlich erhebliche Rückerstattungen zur Folge haben könnten.

Dies könnte der ohnehin seit der Bankenkrise angeschlagenen Branche viele Millionen kosten und verstärkt damit den Drang, die gesetzlichen Möglichkeiten der Verbraucher einzuschränken.

Banken waren bei der Ausgestaltung der Widerrufsbelehrungen zu den Darlehensverträgen auffällig oft im Zeitraum November 2002 bis Juni 2010 nachlässig. Zur Feststellung, ob die bei Ihrem Darlehensvertrag verwendete Widerrufsbelehrung falsch ist, sollten Sie sich durch einen erfahrenen Rechtsanwalt oder eine Verbraucherschutzorganisation beraten lassen.

Einer Untersuchung zufolge, sollen nur 20 % der Widerrufsbelehrungen in diesem Zeitraum korrekt sein. Nach diesem Zeitraum sank die Fehlerquote. Bei der Höhe der ermittelten Fehlerquote von 80 % stehen die Chancen günstig für Sie, auch vom Widerruf Ihres Darlehens bis zum Juni 2016 zu profitieren. Aus bereits durchgeführten Widerrufsabwicklungen ergaben sich in Abhängigkeit zur jeweiligen Konstellation im Einzelfall Rückerstattungen in fünfstelliger Höhe.

Darlehensnehmer, die insbesondere im vorgenannten Zeitraum einen Immobilienkredit aufgenommen haben, sollten die verbleibende Frist nutzen, einen im Bankenrecht erfahrenen Rechtsanwalt oder alternativ eine Verbraucherschutzorganisation mit der Prüfung zu beauftragen.

Sollte sich bei der Einzelfallprüfung herausstellen, dass die Widerrufsbelehrung falsch ist und ein Widerspruch angeraten ist, ist zu ermitteln, ob das Restdarlehen vom Darlehensnehmer in einer Summe zurückgeführt werden kann oder ob die Einholung einer neuen Darlehenszusage mit verbesserten Kondition zur Ablösung des Restbetrages erforderlich ist.

Aufgrund der derzeitigen Zinsentwicklung mit historischen Niedrigzinsen wird es sich für Sie lohnen, den bestehenden Restkredit abzulösen und die vermutlich deutlich höhere Zinsbelastung aus dem Altvertrag hinter sich zu lassen. Sofern Sie zum Beispiel aus Bonitätsgründen kein zinsgünstigeres Darlehen als beim Altdarlehen erhalten können, ist von einem Widerruf möglichst Abstand zu nehmen.

Die pekuniären Vorteile erweitern sich für Sie noch, je nachdem wie hoch die bisherigen Zinszahlungen waren und wie hoch der Restbetrag ist. Darüber hinaus muss Ihnen die Bank bei erfolgreichem Widerruf auch mit Ihrem Geld erwirtschaftete Beträge auszuschütten und im Falle einer von der Bank vereinnahmten Vorfälligkeitsentschädigung ist diese von ihr zu erstatten.

Teilweise bieten Banken bei erfolgtem Widerruf eine neue Anschlussfinanzierung oder die Abwicklung an. Erfahrungsgemäß akzeptieren viele Kreditinstitute den Widerruf aber nicht. Spätestens dann sollten Sie einen versierten Rechtsanwalt mit der Anspruchsdurchsetzung gegenüber der Bank oder vor Gericht beauftragen.

Zur Minderung des Kostenrisikos einer Klage ist eine Rechtsschutzversicherung hilfreich. Herbei ist darauf zu achten, dass dieses Risiko auch Bestandteil der Versicherung ist.

Gegebenenfalls sollte eine neue Rechtsschutzversicherung abgeschlossen werden, die die Rechtskosten trägt. Allerdings ist für den Versicherungsschutz meist eine Wartezeit von meistens 3 Monaten einzuhalten.

Diese Frist sollte vor Versand des Widerrufs und spätestens nach Ablehnung des Widerrufs durch die Bank abgelaufen sein. Rechtsanwälte können hier aber mit Rat zur Seite stehen und Versicherer empfehlen.

Ein erfolgreicher Widerruf oder die gerichtliche Durchsetzung bietet Ihnen einerseits Ersparnisse aus einem zinsgünstigeren neuen Darlehen und andererseits Vorteile aus Kostenrückerstattungen der Bank.

Nutzen Sie daher den kurzen Zeitraum bis zur Gesetzesänderung bis Juni 2016.

Lassen Sie Ihren Darlehensvertrag auf eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung prüfen. Diese Prüfung kann durch eine Verbraucherschutzorganisation übernommen werden oder direkt durch einen erfahrenen Rechtsanwalt, der Ihnen im Falle eines anschließenden Gerichtsverfahrens idealerweise auch bei der juristischen Durchsetzung des Widerrufs zur Verfügung steht.

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