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Wer macht gern den Abwasch?

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LEADERSHIP
xavierarnau via Getty Images
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In Vorträgen und Seminaren frage ich immer wieder Führungskräfte: Wie sehr wollen Sie führen?
Dazu gehört: klare Ansagen machen, Prioritäten setzen, Anerkennung geben für gute, sehr gute und hervorragende Leistungen, Konflikte erkennen und nachhaltig lösen, Niedrigleister ansprechen und nachhaltig auf ein akzeptables Niveau bringen, Ansprechpartner für den eigenen Chef sein, Vorbild sein, selbst Top-Leistung bringen und so weiter und so weiter.

Auf einer Skala von 1-10?
Wie sehr wollen Sie führen?
10 bedeutet „Ich will all das voll und ganz!"
1 bedeutet „Am liebsten wäre ich wieder Sachbearbeiter."
Was glauben sie antworten die Führungskräfte? Im Durchschnitt?

Fragen Sie sich doch zunächst mal selbst. Mit welcher Zahl antworten Sie? Nein, nicht weiterlesen ... erst kurz innehalten, die Antwort aufschreiben und dann weiter lesen.

Für mich kann es nur eine einzige Antwort geben. Und die lautet 10. Oder 9. Aber eigentlich 10. Nun gut, manchmal gibt es Durststrecken. Ok, die Durststrecke kann auch mal heftig sein, dann rutschen Sie ab auf 7. Einverstanden.

Nur machen Sie sich bitte eins klar: Wenn Sie nur mit dem Energielevel 8 oder 7 oder sogar noch weniger führen, dann können Sie von Ihren Mitarbeitern nicht 100% Leistung erwarten.

Sie sind Vorbild.
Mitarbeiter spüren alles.
Ihre Mitarbeiter spüren Ihre Energie & Kraft, Ihre Launen und auch Ihre Lust, sich reinzuknien.
Und wenn Sie sich nicht voll reinknien, dann tun das auch Ihre Mitarbeiter nicht.

Wer will, findet Wege, wer nicht, findet Gründe

Vor einigen Wochen kam eine Führungskraft auf mich zu und fragte mich, wie Sie mit Langzeit-Niedrigleistern umgehen kann. Nach einiger Zeit gewann ich den Eindruck durch mehrere Reaktionen auf meine Tipps, dass die Führungskraft eine Bestätigung suchte, dass sie da eigentlich nichts machen kann.

Jedoch: Führung heißt auch, sich die Hände schmutzig zu machen. Führungskraft sein sieht toll aus auf der Visitenkarte, aber das bedeutet auch Arbeit, bedeutet Lernen, Fehler machen, erfahrene Kollegen, HR und Coaches fragen, wie das genau geht und dann dran arbeiten. Denn Führen ist eine eigene Fähigkeit, die mit den fachlichen Kompetenzen eines Experten sehr wenig zu tun hat. Projekte, Akten und Computerprogramme verhalten sich anders als Menschen. 

Wollen Sie führen?
Wollen Sie Führungskraft sein?
Was würde passieren, wenn sie zu Hause den Abwasch nicht machen würden? Spülmaschine kaputt. Der Hausherr oder -frau macht Pause. Kein Problem für zwei bis drei Tage. Doch neben ästhetischen Gesichtspunkten wird auch bald die Nase etwas Übles zu riechen bekommen und irgendwann gehen Ihnen die sauberen Teller aus.

Beim Führen ist es genau so. Wenn Führung ausbleibt, ist Ihr Ergebnis suboptimal - nicht nach einem Tag, aber nach einer Weile.
Wenn Sie Konflikte nicht nachhaltig lösen, dann fangen die immer wieder und immer mehr an zu stinken.
Und es gibt Wege, Konflikte nachhaltig zu lösen - auch zwischen tief verfeindeten Parteien. Denn tief im Inneren wünscht sich jeder Mensch Zugehörigkeit, positive Ergebnisse und gemeinsames Erschaffen. Das hat die Menschheit über Tausende von Jahren groß und zahlreich gemacht.

Ich bin auch nur ein Mensch!

Noch eins: Wenn Sie mal eine Durststrecke haben, dann kann Ihre Motivation schon stark sinken auf 3 oder 4 - für wenige Tage. Oder auch auf 7 oder 8 - für einige Wochen.
Aber dann sind Sie dran: Change it, love it or leave it. Gehen Sie auf keinen Fall den vierten Weg - hate it. Das tun bereits so viele. Ändern Sie selbst etwas. Oder holen Sie sich Unterstützung und ändern dann etwas.

Sie haben die Verantwortung für die Arbeitslust all derer Mitarbeiter, die in Ihrer Mannschaft arbeiten.
Nicht für die Grundmotivation, dafür ist jeder selbst verantwortlich.
Wenn Sie meinen, mit einer „8er-Eigen-Motivation" zu führen, ist doch ganz ok, dann sind Sie auf dem Holzweg!
Sie benötigen 9, 9,5 oder 10. Weniger lasse ich nicht zu. Nicht wenn Sie einen erstklassigen Job machen wollen, sehr gut bezahlt werden wollen und dann auch noch Aufstiegschancen haben wollen. Und wenn Sie all das gar nicht wollen, dann geben Sie Ihre Führungsverantwortung wieder auf. Denn Sie haben sonst zu viel negativen Einfluss auf andere.

Ach ja, was sagen die Führungskräfte im Vortrag oder im Seminar?

Im Durchschnitt weniger als acht. Weniger als acht!
Krass, oder? Eine Gruppe im Vortrag von 100 Unternehmern im Vortrag sagte sogar nur 6,3 im Durchschnitt!
Doch Stop: Kein Vorwurf an diese Führungskräfte! Führung ist schwer.
Und gleichzeitig: es gibt so viele Wege, Führung zu lernen und die Herausforderungen aktiv anzunehmen.
Entweder wir sind Teil der Lösung oder Teil des Problems. Wofür entscheiden Sie sich?
Packen Sie's an!

Viel Erfolg wünscht Ihnen, 
Ihr Markus Jotzo