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Schnell weg in die Höhle! - Der Säbelzahntiger Trump zieht durch Deutschland

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Bastiaan Slabbers via Getty Images
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„Strafzölle und Handelskriege +++ Darum zittern unsere Unternehmen vor Trump +++ Deutschland wird die Konsequenzen spüren +++ Investoren und Anleger verunsichert" - so in den letzten Tagen bei stern.de zu lesen.

Was fangt ihr als Leser jetzt mit diesen Botschaften an? Sollt ihr in Panik verfallen, weil die Auswirkungen der Wahl von Donald Trump große Einschnitte in Deutschland erwarten lassen? Sollt ihr Geld in Goldbarren tauschen? Vielleicht soll der Artikel sensibilisieren und dazu anregen, sich mehr mit den internationalen Beziehungen unseres Heimatlandes auseinandersetzen?

Panikmache als Methode

Wer in den Artikel eintaucht, erfährt, dass Trump in wirtschaftspolitischen Fragen genauso brachial vorgehen will, wie er seinen gesamten Wahlkampf geführt hat. Er will Handelsabkommen aufkündigen und den freien Handel insgesamt beschränken.

Die geplanten Einfuhrzölle würden auch den deutschen Konzernen das Leben schwer machen und Arbeitsplätze gefährden - schließlich machen deutsche Konzerne bis zu einem Viertel ihres Geschäfts in den USA.

Was können die Leser nun aus diesem Artikel mitnehmen? Nichts. Rein gar nichts. Das ist unnützes Wissen und reine Panikmache. Diesen Artikel zu lesen, kostet wertvolle Zeit und schürt Ängste.

Aber genau dieses „psychologische Spielchen" funktioniert. Die Medien spielen mit den Emotionen und holen die Menschen bei ihren schlimmsten Vorstellungen ab. Sie sprechen die Sensationslust und vor allem die Ängste an. Schließlich verkaufen sich Zeitungen und Nachrichten-Apps nur dann, wenn es spannende Storys gibt.

Nicht zuletzt ist auch dadurch die Angst vor Unsicherheit weit verbreitet. Auch wenn es euch gut geht und ihr eurer Familie ein gutes Leben ermöglichen könnt, schwebt immer die Frage im Hinterkopf:

Was wird sich durch die Donald Trumps Wahl in Deutschland und Europa ändern? Was ist, wenn ich durch die Wirtschaftspolitik des designierten US-Präsidenten meinen Job verliere? Wer zahlt dann die Raten für das Haus ab?

Sicherheit vor Abenteuer

All diese „Was-wäre-wenn-Gedanken" resultieren aus dem Sicherheitsdenken der Menschen. Unser Gehirn ist auf Überleben gepolt. Gefahren wollen wir folglich vermeiden. Daher erzielen Angstbotschaften eine so große Aufmerksamkeit.

Dieses Bedürfnis ist so alt wie die Menschheit selbst. Bereits in der Steinzeit blieben alle am Feuer sitzen, um das eigene Überlegen gemeinsam zu sichern. Und auch beim Rationieren der Vorräte galt die Devise: Sicherheit vor Abenteuer. Der Stamm wusste ja nie, wann er das nächste Mammut fangen wird.

Euer Streben nach Sicherheit hat also tiefe Wurzeln. Doch wie relevant ist die Gehirnfunktion heute noch? Die Feuerstelle war früher vielleicht überlebenswichtig. Heute könnt ihr euch sofort eine neue schaffen. Und wer weiß: Vielleicht sind die Jagdgründe im nächsten Tal besser als die gewohnten vor der eigenen Höhle und dort gibt es keine Säbelzahntiger?

Klar, ihr müsst diese besseren Jagdgründe erst aufspüren und vielleicht Dinge tun, die ihr bisher nicht gemacht habt. Doch bis dahin ist euer Überleben nicht gefährdet.

Hinfort mit dem Säbelzahntiger

Donald Trump kann euch nichts anhaben. Seid lieber wählerisch, womit ihr eure wertvolle Lebenszeit verbringt - lieber mit Familie und Freunden anstatt ängstlich über Horrorszenarien zu grübeln. Ruft den alten Freund an, den ihr schon lange anrufen wolltet und genießt die Qualität eines guten Gesprächs. Oder lest ein Buch zu einem Thema, das euch wirklich interessiert, anstatt sich in Apps, TV oder Computer zu vergraben und sich teilweise sinnfrei berieseln zu lassen.

Nutzt eure Zeit, um nachzudenken und gute Pläne für eure Zukunft zu schmieden. Gestaltet euer Leben. Ihr und euer Umfeld werdet mit einem Lächeln, positiver Energie und selbst gestalteten Erlebnissen und Ergebnissen belohnt.

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