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Wahr oder unwahr? Wie wir emotional intelligent mit Fake News umgehen

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Seit Donald Trump gew├Ąhlt wurde, ist das Thema ÔÇ×alternative Fakten" in aller Munde. Viele Medien zitieren Trumps Aussagen und widerlegen sie, oft sogar mit wiederum Trump-eigenen Aussagen. Dies ist allerdings kein US-amerikanisches Ph├Ąnomen, auch in Europa berufen sich immer mehr Politiker oder auch F├╝hrungskr├Ąfte und ├╝berhaupt Teile der Bev├Âlkerung auf eine ÔÇ×gef├╝hlte Wahrheit". Sie geben ihr mehr Gewicht als belegten Fakten wie wissenschaftlichen Forschungsergebnissen oder empirischen Erkenntnissen. Woran liegt das eigentlich? Und was k├Ânnen wir tun, um aufmerksam zu bleiben?

Vereinfachung in einer komplexen Umwelt

Die Welt wird immer dynamischer und damit f├╝r den einzelnen komplexer. Viele k├Ânnen damit nur schwer umgehen. Wir nehmen es dann dankbar an, wenn uns jemand Vereinfachung in Aussicht stellt. Davon profitieren zum Beispiel Populisten: sie bieten f├╝r komplexe Themen scheinbar einfache Erkl├Ąrungen und L├Âsungen in reduzierter Sprache an. Trump schickt in seinen ber├╝chtigten Tweets gleich noch dazu, wie man sich dabei zu f├╝hlen hat. ÔÇ×So sad", ÔÇ×bad guy" ... Wer dann wenig Zeit oder Interesse hat, sich mit tats├Ąchlichen Inhalten kritisch auseinanderzusetzen, wird sich der Bequemlichkeit halber schnell ├╝berzeugen lassen und die solcherart transportierte Haltung ├╝bernehmen. Es ist so viel leichter als sich mit der schwierigen - ├╝berfordernden - Realit├Ąt zu befassen.

Emotionen hinterfragen

In einem Online-Dossier der ÔÇ×Zeit" zum Thema Medienkonsum r├Ąt Medienexperte Curd Kn├╝pfer, Nachrichten insbesondere bei gro├čen Emotionen zu hinterfragen. Sobald eine Aussage bei einem selbst gro├če Wut oder Angst hervorrufe, gelte es zu pr├╝fen, was eigentlich der Gehalt der Information sei und weshalb das diesen Effekt bei einem ausl├Âse (Quelle: www.zeit.de).

Tats├Ąchlich sind Emotionen Motivationsfaktoren und haben als solche die Funktion, uns im Unterbewusstsein zu signalisieren: ÔÇ×ist gut f├╝r mich" oder ÔÇ×ist schlecht f├╝r mich". Sie treiben uns damit zu etwas hin oder von etwas weg. Diese Einordnung von Erlebtem in gut oder schlecht geschieht im Gehirn l├Ąngst, bevor wir bewusst dar├╝ber nachdenken k├Ânnen. Was wiederum auch gef├Ąhrlich sein kann, denn wir lassen uns auch fremd steuern, ja sogar manipulieren, wenn jemand solche Emotionen bewusst provoziert und dann f├╝r seine Ziele benutzt. Genau das geschieht beim typisch populistischen ÔÇ×W├Ąhlerfang". Wer sich dem nicht ausliefern will, braucht daher eine systematische Strategie dagegen.

Relevanz und Gehalt ├╝berpr├╝fen

Und zwar ist in erster Linie wichtig, ├╝berhaupt herauszufinden, wie relevant die Nachricht f├╝r mich pers├Ânlich ist. Das gilt schon allein aus einem Selbstmanagement-Interesse heraus. Betrifft mich das Thema, und wenn ja, in wie weit? Hilfreich ist dabei, sich zu fragen: wie unmittelbar, r├Ąumlich nah oder zeitlich nah betrifft mich die Information in der Nachricht? Die rein emotionale Betroffenheit ist dagegen kein hinreichendes Kriterium!

Wenn Trump zum Beispiel erkl├Ąrt, es h├Ątten mehr Besucher denn je zuvor der Inauguration beigewohnt, so ist dies nach dieser Systematik f├╝r einen Durchschnitts-B├╝rger in Europa in der Regel v├Âllig irrelevant. Streitet er den Klimawandel ab, ist es hingegen schon mittelrelevant, stellt er die Nato infrage, h├Âher relevant. Der Erlass von Strafz├Âllen auf deutsche Produkte zum Beispiel der bayerischen Automobilindustrie d├╝rfte f├╝r etliche M├╝nchner hochrelevant sein.

Die Besucherzahl bei der Inauguration lassen wir einfach so stehen und befassen uns nicht weiter damit. Doch je gr├Â├čer die Relevanz, desto dringender m├╝ssen wir ├╝berpr├╝fen, ob eine Nachricht stimmt oder nicht. Der einzige Weg, das herauszufinden, ist derjenige, mehrere Quellen hinzuzuziehen. Und dann auch die Quellen selbst zu hinterfragen - welche ist glaubw├╝rdig? Medien, die weniger tendenzi├Âs und sachlicher berichten, also weniger stark auf unmittelbare Emotionen abzielen, sind tendenziell weniger manipulativ. Doch auch das m├╝ssen wir im Einzelfall bewerten. All das ist m├╝hsam und bedeutet Aufwand. Aber es ist die einzige M├Âglichkeit, unsere Unabh├Ąngigkeit zu erhalten.

Emotional intelligent mit Nachrichten umgehen

Meine klare Empfehlung lautet: emotional intelligent ist es, nur Fakten emotional zu bewerten und sich im Zweifelsfall die Zeit zu nehmen, einen umfassenden Faktencheck anhand mehrerer Quellen durchzuf├╝hren. Die Versuchung ist bei vielen gro├č: man hat keine Zeit und keine Lust, sich ordentlich zu informieren und Informationen zu ├╝berpr├╝fen. Die Tendenz zu vereinfachen nimmt st├Ąndig zu. Dagegen m├╝ssen wir uns wehren. Wir m├╝ssen wieder nachdenken oder es wagen, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen!

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