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Wahr oder unwahr? Wie wir emotional intelligent mit Fake News umgehen

13/05/2017 11:57 CEST | Aktualisiert 13/05/2017 11:57 CEST

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Seit Donald Trump gewählt wurde, ist das Thema „alternative Fakten" in aller Munde. Viele Medien zitieren Trumps Aussagen und widerlegen sie, oft sogar mit wiederum Trump-eigenen Aussagen. Dies ist allerdings kein US-amerikanisches Phänomen, auch in Europa berufen sich immer mehr Politiker oder auch Führungskräfte und überhaupt Teile der Bevölkerung auf eine „gefühlte Wahrheit". Sie geben ihr mehr Gewicht als belegten Fakten wie wissenschaftlichen Forschungsergebnissen oder empirischen Erkenntnissen. Woran liegt das eigentlich? Und was können wir tun, um aufmerksam zu bleiben?

Vereinfachung in einer komplexen Umwelt

Die Welt wird immer dynamischer und damit für den einzelnen komplexer. Viele können damit nur schwer umgehen. Wir nehmen es dann dankbar an, wenn uns jemand Vereinfachung in Aussicht stellt. Davon profitieren zum Beispiel Populisten: sie bieten für komplexe Themen scheinbar einfache Erklärungen und Lösungen in reduzierter Sprache an. Trump schickt in seinen berüchtigten Tweets gleich noch dazu, wie man sich dabei zu fühlen hat. „So sad", „bad guy" ... Wer dann wenig Zeit oder Interesse hat, sich mit tatsächlichen Inhalten kritisch auseinanderzusetzen, wird sich der Bequemlichkeit halber schnell überzeugen lassen und die solcherart transportierte Haltung übernehmen. Es ist so viel leichter als sich mit der schwierigen - überfordernden - Realität zu befassen.

Emotionen hinterfragen

In einem Online-Dossier der „Zeit" zum Thema Medienkonsum rät Medienexperte Curd Knüpfer, Nachrichten insbesondere bei großen Emotionen zu hinterfragen. Sobald eine Aussage bei einem selbst große Wut oder Angst hervorrufe, gelte es zu prüfen, was eigentlich der Gehalt der Information sei und weshalb das diesen Effekt bei einem auslöse (Quelle: www.zeit.de).

Tatsächlich sind Emotionen Motivationsfaktoren und haben als solche die Funktion, uns im Unterbewusstsein zu signalisieren: „ist gut für mich" oder „ist schlecht für mich". Sie treiben uns damit zu etwas hin oder von etwas weg. Diese Einordnung von Erlebtem in gut oder schlecht geschieht im Gehirn längst, bevor wir bewusst darüber nachdenken können. Was wiederum auch gefährlich sein kann, denn wir lassen uns auch fremd steuern, ja sogar manipulieren, wenn jemand solche Emotionen bewusst provoziert und dann für seine Ziele benutzt. Genau das geschieht beim typisch populistischen „Wählerfang". Wer sich dem nicht ausliefern will, braucht daher eine systematische Strategie dagegen.

Relevanz und Gehalt überprüfen

Und zwar ist in erster Linie wichtig, überhaupt herauszufinden, wie relevant die Nachricht für mich persönlich ist. Das gilt schon allein aus einem Selbstmanagement-Interesse heraus. Betrifft mich das Thema, und wenn ja, in wie weit? Hilfreich ist dabei, sich zu fragen: wie unmittelbar, räumlich nah oder zeitlich nah betrifft mich die Information in der Nachricht? Die rein emotionale Betroffenheit ist dagegen kein hinreichendes Kriterium!

Wenn Trump zum Beispiel erklärt, es hätten mehr Besucher denn je zuvor der Inauguration beigewohnt, so ist dies nach dieser Systematik für einen Durchschnitts-Bürger in Europa in der Regel völlig irrelevant. Streitet er den Klimawandel ab, ist es hingegen schon mittelrelevant, stellt er die Nato infrage, höher relevant. Der Erlass von Strafzöllen auf deutsche Produkte zum Beispiel der bayerischen Automobilindustrie dürfte für etliche Münchner hochrelevant sein.

Die Besucherzahl bei der Inauguration lassen wir einfach so stehen und befassen uns nicht weiter damit. Doch je größer die Relevanz, desto dringender müssen wir überprüfen, ob eine Nachricht stimmt oder nicht. Der einzige Weg, das herauszufinden, ist derjenige, mehrere Quellen hinzuzuziehen. Und dann auch die Quellen selbst zu hinterfragen - welche ist glaubwürdig? Medien, die weniger tendenziös und sachlicher berichten, also weniger stark auf unmittelbare Emotionen abzielen, sind tendenziell weniger manipulativ. Doch auch das müssen wir im Einzelfall bewerten. All das ist mühsam und bedeutet Aufwand. Aber es ist die einzige Möglichkeit, unsere Unabhängigkeit zu erhalten.

Emotional intelligent mit Nachrichten umgehen

Meine klare Empfehlung lautet: emotional intelligent ist es, nur Fakten emotional zu bewerten und sich im Zweifelsfall die Zeit zu nehmen, einen umfassenden Faktencheck anhand mehrerer Quellen durchzuführen. Die Versuchung ist bei vielen groß: man hat keine Zeit und keine Lust, sich ordentlich zu informieren und Informationen zu überprüfen. Die Tendenz zu vereinfachen nimmt ständig zu. Dagegen müssen wir uns wehren. Wir müssen wieder nachdenken oder es wagen, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen!

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