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Edelmetall Preisentwicklung

Veröffentlicht: Aktualisiert:
STOCK MARKET GOLD
Peter Andrews / Reuters
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Der Goldpreis war zu Beginn der 2000er Jahre in einer Jahrtausendrallye von einem Preisniveau zwischen 400 bis 600 Dollar auf über 1.900 Dollar pro Feinunze geklettert. Dieses Niveau wurde im späten Herbst 2011 erreicht, danach sank der Goldpreis allmählich wieder.

Er pendelt seit Ende November 2016 zwischen 1.160 bis 1.200 $/oz (Stand der Betrachtung: 4. Dezember 2016). Mittelfristig erwarten wir weiter sinkende Preise bis unter 700 $/oz.

Gold: Jahrtausendrallye und die jüngsten Entwicklungen

Warum handelte es sich beim Preisanstieg bis 2011 um eine Jahrtausendrallye und damit um ein singuläres Ereignis? Nun, der Goldpreis früherer Jahrhunderte lässt sich bis auf 1.000 Jahre zurück durch den Vergleich mit anderen, dokumentierten Preisen und durch anschließende Interpolation ermitteln.

Die dokumentierten Preise sind vor allem Immobilien- und Grundstückspreise, über die es auch sehr alte Akten gibt. Man weiß daher, wie viel ein Grundstück beispielsweise im 14. Jahrhundert in Gold gekostet hat. Nach diesen Ermittlungen erreichte der Goldpreis ein Jahrtausendhoch in den Jahren 1470 bis 1490.

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Danach wurde Amerika entdeckt, kurz darauf überschwemmte südamerikanisches Gold der Inkas und Azteken den alten Kontinent, der Goldpreis verfiel. Erst ab 2002 kletterte er auf ein neues Rekordhoch der letzten tausend Jahre. Der Hintergrund waren die Finanzkrisen der Jahre 2001/2002 und 2007/2008, die Terroranschläge des 11. September 2001 und die Fukushima-Katastrophe im März 2011.

Nach all diesen Ereignissen crashten die Aktienmärkte, die Anleger flohen ins Gold und trieben dessen Preis auf absurde Höchststände. Doch kluge Investoren wie George Soros und Warren Buffett erkannten spätestens im Sommer 2011 die Überhitzung des Goldmarktes, sie zogen sich aus dem Edelmetall rechtzeitig zurück, bevor dessen Preis verfiel.

Dieser Preisverfall hat bis heute angehalten: Der letzte signifikante Abwärtstrend begann im Oktober 2016 mit einem enormen Preisrückgang um 100 $/oz in nur einer Woche. Seither hat das Gold schon wieder um rund 15 % im Preis nachgegeben.

Prognose für den Goldpreis

Der Goldpreis dürfte mittelfristig unter 700 $/oz fallen. Anlegern kann aktuell nicht empfohlen werden, Gold zu kaufen. Bei 700 Dollar ergäbe sich ein Einstiegspunkt, jedoch kann der Preis auch noch tiefer fallen. Die Hintergründe ergeben sich nicht nur durch den zwangsläufigen Preisverfall nach der Überhitzung bis 2011, sondern auch durch das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen im Herbst 2016.

Die Amerikaner (und nicht nur sie) haben grundlegendes Vertrauen in den ökonomischen Sachverstand des designierten US-Präsidenten Donald Trump, der immerhin sein Leben lang Geschäftsmann war. Dieses Vertrauen wird die US-Währung stärken, gleichzeitig lässt das Interesse am Gold nach. Der Preis dürfte sich wieder auf den Normalstand vor der 2000er Rallye einpegeln - das waren 400 bis 600 Dollar.

Ein Niveau von 700 Dollar wäre auch in Ordnung, doch auch darunter wäre Gold noch längst nicht unterbewertet. Die Bewertung von Gold ergibt sich aus den Förderkosten und der natürlichen Nachfrage nach Gold durch die Schmuck- und Münzindustrie sowie (in Grenzen) die technische Industrie. In Letzterer wird Gold in geringem Umfang "verbraucht", also ohne die Möglichkeit des Recyclings eingesetzt.

Das betrifft beispielsweise bestimmte Leiterplatten für die Herstellung von elektronischen Bauteilen. Dieser Anteil ist beim Gold (im Gegensatz zum Silber) sehr gering, er schwankt seit Jahren um sieben bis acht Prozent der Weltproduktion.

Beim Silber sind es nahe 50 %, weil es auch in der Fotochemie und bei Katalysatoren zum Einsatz kommt. Silber müsste eigentlich viel stärker als Gold im Preis steigen. Der gegenwärtige Goldpreis ist auch für die Industrie viel zu hoch, er wird unter 700 Dollar fallen. Ab diesem Punkt raten wir zum Kauf.

Aktuelle Investitionsempfehlung: Silber kaufen

Aktuell ist Silber im Vergleich zum Gold sehr günstig bewertet, hier raten wir zum Kauf. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Gold-Silber-Ratio, also dem Preisverhältnis beider Edelmetalle. Diese hat sich in den letzten Jahren sehr zuungunsten des Silbers entwickelt - dieses ist im Verhältnis zum Gold "billig", also zu fairen Preisen zu erwerben, Gold hingegen nicht. Die Gold-Silber-Ratio ist ein physikalisch feststehender Wert, der sich aus dem Verhältnis der Gold- und Silbervorkommen in der Erdkruste ergibt.

Dieses Verhältnis liegt bei etwa einem Teil Gold zu 30 bis 35 Teilen Silber (völlig exakt lässt es sich nicht ermitteln). Das hat sich im Verlaufe von Jahrhunderten bis sogar Jahrtausenden im Preisverhältnis von Gold zu Silber niedergeschlagen: Es pendelt über historische Zeiträume zwischen 1:30 bis 1:35. Dort dürfte es auch wieder landen.

Im Jahr 2016 beträgt es aber 1:71, Silber ist also im Verhältnis zu Gold vollkommen unterbewertet. Wenn wir zusätzlich noch die industrielle Bedeutung von Silber in Rechnung stellen, die ja auf einer sehr jungen Entwicklung seit dem späten 20. Jahrhundert beruht, müsste sich die Ratio noch viel mehr zugunsten des Silbers entwickeln.

Sie erscheint aktuell extrem verzerrt. Silber können Anleger daher so lange kaufen, bis sich die Gold-Silber-Ratio auf einen angemessenen Wert von mindestens 1:45 eingepegelt hat. Das dürfte durch den sinkenden Goldkurs passieren. Danach können Sie als interessierter Anleger auch wieder an eine Goldinvestition denken.

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