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Die Bibel hat die Ehe nicht erfunden: Warum gerade Christen die Ehe für alle befürworten sollten

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GAY PEOPLE IN GERMANY
Stefanie Loos / Reuters
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Die Ehe für alle wird Deutschland gut tun!

Die Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche ist seit langem dieser Auffassung. Die Ehe für alle ist zutiefst christlich, weil sie das Zusammenleben in lesbischen und schwulen Partnerschaften als gleichwertig definiert und umständliche, diskriminierende Sonderbestimmungen überflüssig macht.

Die Union, seit 2005 Regierungspartei, überwindet jetzt erst ihre langjährige
Blockadehaltung.

Die C-Parteien haben gute theologische Argumente ausgebremst

Seit Jahren setzte die Kanzlerin darauf, mit und bei Gleichstellungsgegnern im konservativen Spektrum zu punkten. Fortschritte wurden vom Bundesverfassungsgericht eingefordert, nicht von der eigentlich zuständigen Politik auf den Weg gebracht.

Ermutigende gesellschaftspolitische und theologische Diskussionen, zum Beispiel die Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" aus dem Jahr 2013, wurden auch von Merkel persönlich ignoriert - mit Berufung auf ihr Bauchgefühl.

Die C-Parteien haben bekannte und gute theologische Argumente für eine Öffnung des Ehe- und Familienverständnisses ausgebremst.

Deutschland ist bereit für die Ehe für alle! Sogar innerhalb der Unionsfraktion hat sich eine kleine Gruppe längst dafür ausgesprochen. Entsetzlich, dass jetzt einige in der Union poltern, mit der heterosexuellen Ehe würden die letzten konservativen Werte Deutschlands zerstört.

Man wünscht ihnen, dass sie diese Sorge rasch ablegen, denn die Ehe als belastbare Verbindung zweier Menschen ist heute für viele attraktiv, die sie früher als überholt ansahen.

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Diese Ehe freilich wird weder kaputtgehen noch für heterosexuelle Paare unattraktiv werden.

Eine Entscheidung im Deutschen Bundestag muss zügig erfolgen. Von ihr wird das Signal ausgehen, dass Deutschland zu den mehr als zwanzig Staaten zählt, die lesbische und schwule Beziehungen mit heterosexuellen rechtlich gleichstellen.

Die Bibel hat die Ehe nicht erfunden und zementiert

Für diese Gleichstellung gibt es gesellschaftliche Akzeptanz. Sie wird Menschen ermutigen, ihre Liebe selbstverständlich zu zeigen, sie wird Respekt nach sich ziehen, auch dort, wo Lesben und Schwule bis heute in Angst leben.

Die Bibel hat nicht die Ehe, so wie wir sie heute kennen, erfunden und zementiert. Liebe, Vertrauen, Respekt, Verlässlichkeit und tatkräftige Sorge sind aber sehr christlich.

Unionsfraktionschef Kauder, die Konservativen in der Partei und die katholischen Bischöfe stehen mehr als je im Abseits.

Mit ihrem kläglichem Widerstand gegen gleiche Rechte, gegen neue theologische Sichten ist weiter zu rechnen. Solcher Einfalt setzen Gruppen wie die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche seit 40 Jahren gelebte Vielfalt entgegen.

Kirchtürme müssen Menschen zur Begegnung mit dieser Vielfalt einladen; sie dürfen keine Macht- oder Blockadeinstrumente sein.

Die Politik hat vorgelegt, jetzt muss die Kirche nachziehen

Die Deutsche Bischofskonferenz muss das Sehnen von Lesben und Schwulen nach dem Segen Gottes für ihre Partnerschaften, die sie als Ehe verstehen, ernst nehmen.

Das Hickhack verschiedener Parteien rund um die Ehe für alle hat immer irritiert Wahlkampfthema? Privatsache? Gewissensentscheidung? Was denn nun?

Mehr zum Thema: Ehe für alle: Die Krönung eines Lebenswerk

Dennoch setzt die Debatte ein klares Signal gegen die AfD, die mit einem völlig überholten Familenbild versucht, Wahlkampf zu machen.

Eine klare Distanzierung von diesem Familien- und Gesellschaftsbild ist christlich, da sind sich viele von Linkspartei bis CSU einig. Die katholischen Bischöfe sollten sich diesem Bündnis nicht verweigern.

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