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Die Sparkasse hat meine Behinderung benutzt, um mich rauszuwerfen

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SPARKASSE
Getty Images
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26 Jahre lang war ich in der bayerischen Sparkassenorganisation, in zwei unterschiedlichen Filialen besch├Ąftigt. Bis es mein zweiter Arbeitgeber, zahlreichen von mir als N├Âtigungen empfundenen Ma├čnahmen und ungerechtfertigten Abmahnungen im Jahr 2013 geschafft hat, mich aus meinem Job zu treiben.

Dabei hat mein Arbeitgeber gezielt auch meine gesundheitliche Beeintr├Ąchtigung ausgenutzt. Ich leide an einer Sehschw├Ąche, bin auf dem linken Auge fast blind.

Doch es wurde in Kauf genommen, dass ich auch mein rechtes Augenlicht noch verliere. Seit Jahren k├Ąmpfe ich daf├╝r, dass meine Geschichte geh├Ârt wird, dass jemand etwas unternimmt gegen diese gezielte Zerst├Ârung meiner Person. Doch Aufsichtsbeh├Ârden und Politiker interessieren sich nicht f├╝r mein Schicksal.

Doch der Wechsel war ein Fehler

Dabei begann mein Berufsleben vielversprechend und es wirkte alles so als w├Ąre meine Sehschw├Ąche kein Hindernis. Nachdem ich 1989 meine Ausbildung bei der Sparkasse beendet hatte, stieg ich zum Kundenberater auf.

Ich habe diese Arbeit sehr gern gemocht. Es macht mir Spa├č, Menschen zu helfen, sie zu beraten, was die beste L├Âsung f├╝r ihre Situation ist. Und ich war gut in meinem Job. So gut, dass ich zum Filialleiter aufstieg.

Leider wurde die Filiale aufgrund Umstrukturierungen geschlossen. Deshalb bewarb ich mich im Sommer 2000 auf eine Stelle bei der benachbarten Sparkasse Aichach-Schrobenhausen. 2001 begann ich bei meiner neuen Arbeitsstelle als Kundenberater.

Doch schnell stellte sich heraus, dass dieser Wechsel ein gro├čer Fehler war. Schon im Februar 2002 kam, wie sich sp├Ąter im Rahmen eines arbeitsgerichtlichen Verfahrens herausstellte, die erste unberechtigte Abmahnung.

Dennoch bot man mir 2003 an, die Leitung der Filiale zu ├╝bernehmen, zun├Ąchst kommissarisch f├╝r ein halbes Jahr. Nach diesen sechs Monaten, die trotz Personalmangels sehr gut verlaufen sind, bef├Ârderte man mich aber nicht zum Filialleiter.

Der Vorstand war der Meinung, er habe sich in der kurzen Zeit kein ordentliches Bild machen k├Ânnen von meiner Arbeit. Man wollte, dass ich die Leitung noch einmal kommissarisch ├╝bernehme. Das hat mich tief getroffen und ich lehnte ab. Der Filialleiter, der dann ├╝bernahm, bekam sofort die volle Leitung zugesprochen.

Das kam mir wie eine Falle vor


Dann wurde ich degradiert, zum Springer. Das ist ein richtiger Abstieg, wenn man der Filiale verwiesen wird und dann nur dort eingesetzt wird, wo man gerade jemanden braucht. Nach wenigen Monaten wurde ich wieder zum Kundenberater ernannt und erhielt wieder entsprechende Kreditkompetenzen. Ich habe dann unter anderem Privatkundenkredite bearbeitet, wie auch Kontrollaufgaben ├╝bernommen.

Dann kam die mittlerweile vierte Abmahnung. Diesmal wegen Arbeitsverweigerung. Der Grund: Ich konnte im Rahmen einer Kreditkontrolle die Ordnungsm├Ą├čigkeit nicht best├Ątigen, weil die Kreditvorlage massive M├Ąngel enthielt, die gegen Vorschriften der Stadtsparkasse versto├čen haben.

Mir kam die ganze Geschichte wie eine Falle vor. H├Ątte ich unterschrieben, h├Ątte man einen berechtigten Grund gehabt, mich abmahnen zu k├Ânnen. Zu der vierten Abmahnung habe ich eine Stellungnahme abgegeben, die die Sparkasse veranlasst hat, diese Abmahnung aus der Personalakte zu entnehmen.

Die Sparkasse ignorierte mein Attest

Dann wurde ich weiter degradiert. Ich sollte EDV-Listen bearbeiten. Eine T├Ątigkeit, bei der man den ganzen Tag ├╝berwiegend am Computer sitzt und in einen Bildschirm schaut. Unm├Âglich f├╝r mich mit meinem gesundheitlichen Handicap.

Die Sparkasse wusste davon schon seit meiner Einstellung. Sie wusste, dass ich nur die Bildschirmt├Ątigkeiten durchf├╝hren kann, die man im Rahmen eines Kundenberaters machen muss. Nicht aber Bildschirmt├Ątigkeiten, die einen Gro├čteil der Arbeitszeit in Anspruch nehmen.

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Als sich erste gesundheitliche Beeintr├Ąchtigungen eingestellt haben, bin ich zum Augenarzt gegangen. Dabei wurde mir best├Ątigt, dass ein gro├čer Anteil an Bildschirmt├Ątigkeit gesundheitsgef├Ąhrdend ist. Nachdem dieses Attest seitens der Sparkasse ignoriert wurde, wandte ich mich an meinen Anwalt. Meinen Arbeitgeber k├╝mmerte das nicht. Von der Sparkasse hie├č es nur, ich solle eben so lange weitermachen wie es geht.

freudling

Also musste ich vor Gericht ziehen. Mit Erfolg. Der Richter best├Ątigte nicht nur, dass die ersten drei Abmahnungen unzul├Ąssig seien, sondern dass mein Arbeitsplatz durch den Betriebsarzt zu begutachten ist. Diese Arbeitsplatzbeurteilung erfolgte, und als Ergebnis wurden gesundheitliche Gefahren nicht ausgeschlossen. Die letztendliche Entscheidung inwieweit die Beurteilung des Gutachters zu Ver├Ąnderungen des ├╝bertragenen Aufgabengebietes f├╝hrt, wurde dem Vorstand der Sparkasse ├╝berlassen.

freudling

Den ganzen Verlauf des Schriftwechsels sowie weitere Gutachten hat Markus Freudling auf seinem Blog dokumentiert.

Ich wollte arbeiten


Doch wieder reagierte die Sparkasse nicht. Erst als ein Gerichtsvollzieher den Beschluss des Gerichtes zustellte, wurde sie aktiv. Doch besser wurde meine Lage nicht. Die Sparkasse bot mir zwei M├Âglichkeiten an: Entweder, ich ├╝be die EDV-T├Ątigkeit im Rahmen einer 50 Prozent-Stelle aus. Das kam f├╝r mich nicht in Frage. Ich wollte arbeiten, Vollzeit. Ich war ja erst 37.

Ôćĺ Diskriminierung im Arbeitsleben

Das, was Markus Freudling erlebt hat, ist kein Einzelfall. Menschen mit Behinderungen werden in ihrem Arbeitsleben immer wieder mit Diskriminierung konfrontiert. Das hat auch der Diskriminierungsbericht der Bundesregierung, der vergangene Woche vorgestellt worden ist, gezeigt. Im vergangene Jahr erhielt Verena Bentele, Bundesbeauftragte f├╝r Menschen mit Behinderungen, 720 Beschwerden von Betroffenen.

Oft geht es um eine behindertengerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes, der oft nicht barrierefrei gestaltet oder mit Hinweisschildern in Blindenschrift ausgestattet ist.

Bentele r├Ąt Betroffenen, die Schlichtungsstelle der Bundesregierung einzuschalten. Die ist seit Anfang des Jahres f├╝r die Diskriminierungsf├Ąlle zust├Ąndig.

Die andere Option war eine Stelle als Kassierer. Ich war Kundenberater, Filialleiter, und jetzt sollte ich an der Kasse stehen. Das sch├Ądigte meinen Lebenslauf massiv. Auch ein Wechsel zu einer anderen Bank in meinem Feld war dann nicht mehr m├Âglich. Aber ich nahm die wiederholte Degradierung diesmal zum Kassierer an, da dadurch wenigstens mein Augenlicht gesch├╝tzt war. Dies war mir sehr wichtig.

Doch die Angriffe gegen mich h├Ârten nicht auf. Als ich mich zum Beispiel einmal f├╝r nur zwei Tage krank meldete, und auch ein Attest vom Arzt hatte, wollte man mir nicht glauben. Man schickte mich zu einem anderen Arzt, der aber noch nicht mal ein Amtsarzt war.

Als ich darum bat, Schulungen im Kredit- und Wertpapierbereich zu erhalten, die f├╝r eine T├Ątigkeit als Kundenberater unerl├Ąsslich sind, schickte man mich in eine Schulung mit Azubis. Ferner w├Ąre eine Schulung mit dem Inhalt "Work-Life-Balance", die eigentlich f├╝r M├╝tter gedacht ist, die nach der Elternzeit wieder in den Beruf zur├╝ckkehren, geplant gewesen. So etwas ist davor meines Wissens nach noch nie passiert.

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Irgendwann wollte die Sparkasse dann meinen Vertrag aufheben. Auf Sparkassenseite war in die Verhandlungen die Rechtsabteilung des Sparkassenverbands Bayern mit beteiligt. Die juristische Vertreterin des Sparkassenverbandes ├Ąu├čerte sich wie folgt:

"Wenn Sie nicht bereit w├Ąren, das Angebot der Sparkasse Aichach zu akzeptieren, man eben weiter sehen m├╝sse, bzw. weitermachen wie bisher..."

Diese Antwort, die ich als Drohung und letztendlich auch als N├Âtigung empfand kann ich bis heute nicht glauben.

Mit anderen Worten: Ich gehe freiwillig oder ich werde weiterhin gemobbt und zerst├Ârt. Also musste ich akzeptieren und schloss einen Vergleich mit der Sparkasse. Mein Arbeitsverh├Ąltnis wurde mit aller Brutalit├Ąt beendet.

Ich k├Ąmpfe daf├╝r, dass meine Geschichte geh├Ârt wird

Seitdem bin ich arbeitslos. Einen ad├Ąquaten Job finde ich seit 2013 nicht mehr. Ich war ein guter Berater, ja einer mit gesundheitlichem Handicap, aber ich habe meinen Job besser gemacht als viele Gesunde.

Seitdem k├Ąmpfe ich daf├╝r, dass meine Geschichte geh├Ârt wird. Doch niemand will mit mir sprechen. Weder der B├╝rgermeister, der Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse ist, noch der Petitionsausschuss des bayerischen Landtags oder die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung.

Bis heute kann ich mir nicht erkl├Ąren, wieso das passiert ist. Wieso man meine Existenz zerst├Ârt hat und niemand hinsieht oder mir zuh├Ârt.

Ich habe mir in meinen k├╝hnsten Tr├Ąumen nicht vorstellen k├Ânnen, dass so etwas in Deutschland m├Âglich ist. Ich hatte eine vielversprechende Karriere. Jetzt habe ich nichts mehr. Doch ich werde nicht aufh├Âren, daf├╝r zu k├Ąmpfen, dass meine Geschichte geh├Ârt wird.

Die Sparkasse Aichach-Schrobenhausen wollte sich auf Anfrage der HuffPost nicht zu den Vorf├Ąllen ├Ąu├čern. Sie sei nach dem Ende eines Arbeitsverh├Ąltnisses zum Stillschweigen verpflichtet, sagt Birgit Cischek, Vorstandsvorsitzende. Au├čerdem h├Ątte man eine Vereinbarung mit Markus Freudling geschlossen, das beide Seiten zum Stillschweigen gegen├╝ber Dritten verpflichte. "Im Gegensatz zu Herrn Freudling halten wir uns daran."

Freudling sagt, die Stillschweigensvereinbarung betreffe nur den finanziellen Bereich.


Das Protokoll wurde aufgezeichet von Katharina Schneider
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