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Wie ein nigerianischer Einwanderer uns half, unseren Traum vom eigenen Start-Up zu verwirklichen

11/10/2017 12:23 CEST | Aktualisiert 19/10/2017 12:14 CEST
Cashew for You

Als Okey Bonaventure Ugwu im Alter von 30 Jahren seine Heimat Nigeria verließ, schwor er sich, nur unter einer Bedingung wieder zurückzukehren: Wenn er etwas aus sich gemacht hätte.

Sein zweiter Name, Bonaventure, heißt übersetzt "gutes Abenteuer". Und das hatte er tatsächlich vor sich: Okey ging nach Deutschland, in der Hoffnung, sich dort ein besseres Leben aufbauen zu können.

Den Wunsch, etwas aufbauen zu wollen, hatten auch meine Freunde und ich. Seit unserer Schulzeit haben wir davon geträumt, ein eigenes Start-Up zu gründen - unser eigener Chef zu sein und etwas ganz Eigenes zu kreieren.

In Konstanz am Bodensee begann Okey Elektrotechnik zu studieren. So lernte er meinen guten Freund Amos Bucher, dessen Bruder Tobias und Cousin Julian und letztlich auch mich kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb fabelhaft.

In unserem Heimatort Überlingen gibt ein Lokal, das man kennen muss: das "Galgenhölzle". Hier saßen wir eines Abends mit Okey zusammen und philosophierten über Geschäftsideen. Wir diskutierten über die verschiedensten Produkte, Früchte, Kräuter, Gewürze.

Irgendwann erwähnte Okey in einem Nebensatz, dass es in seiner Heimat Nigeria ja recht viele Cashewbäume gäbe. So wurde die Idee, einen Online-Versand für Cashewkerne aufzubauen, geboren.

Einmal mit weißen Männern Bier trinken

Im Januar 2015 reisten wir mit Okey nach Nigeria, um auf dem Hof seiner inzwischen verstorbenen Eltern eine Cashew-Produktion aufzubauen. Aufgrund der schlechten Infrastruktur in der Region und der sprachlichen und kulturellen Eigenheiten der Gegend wäre das Unterfangen ohne Okeys Unterstützung von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen.

Wir waren in den ersten Tagen überwältigt von den vielen neuen Eindrücken. Das Leben in Nigeria folgt ganz anderen Regeln als in Deutschland.

Das Leben dort spielt sich auf der Straße ab. Es ist heiß und staubig, überall läuft Musik und die Menschen singen und tanzen. Einer der Männer aus Okeys Dorf sagte uns, dass er nie im Leben geglaubt hätte, dass er einmal mit weißen Männern ein Bier trinken würde.

Okey ist für ein besseres Leben geflohen. Aber es hat 10 Jahre gedauert, bis er sich in Deutschland zu dem beruflichen Status hochgearbeitet hatte, den er in Nigeria bereits besaß. Bis er sein Studium abgeschlossen und einen guten Job gefunden hatte.

Er wünscht sich daher, dass seine Landsleute ihre Heimat nicht erst verlassen müssen, um es zu Wohlstand zu bringen. Es war sein größter Traum, in seine Heimat zurückzukehren und etwas an die Menschen zurückzugeben.

Und sein Traum wurde wahr: Auf seinem Hof beschäftigen wir inzwischen 30 Arbeitskräfte aus seinem Dorf. Die meisten kennen sich, seit sie Kinder sind. Sie pflücken die Cashews von Hand, knacken sie und rösten sie über dem Feuer.

Wir wissen, dass wir mit unseren Produkten nicht die Welt verändern werden. Aber wir können einen kleinen Beitrag für ein faireres Miteinander schaffen. Deshalb haben wir uns dazu verpflichtet, stets transparent und nach den Prinzipien des fairen Handels zu agieren.

Auf unsere Kolleginnen und Kollegen in Nigeria wirkt sich das sehr positiv aus: Bei unserer letzten Reise nach Nigeria konnten wir endlich eine Kinderbetreuung einrichten, was bei einem Frauenanteil von fast 95% natürlich immens wichtig ist.

Es ist immer wieder extrem inspirierend zu sehen, wie die Menschen in Nigeria trotz zum Teil widrigster Umstände das Beste aus ihrer Situation machen. Die Einheimischen haben uns von Anfang an mit ihrer schier grenzenlosen Zuversicht, ihrer grundsätzlich positiven Lebenseinstellung und ihrer Geschäftstüchtigkeit, die einer "Just do it"-Mentalität folgt, begeistert - da kann sich so manch ein deutscher Unternehmer eine dicke Scheibe abschneiden!

An Okeys Beispiel zeigt sich die positive Auswirkung von Migration

Mit 26 Jahren hatte Okey den Mut, in einem fremden Land ganz neu anzufangen. Sein Traum, in Deutschland zu studieren, hat in meinem Leben und dem vieler anderer Menschen zu nachhaltig positiven Veränderungen geführt.

okey

Ohne Okeys Unterstützung wäre das Start-Up von Anfang an gescheitert

Nach weniger als drei Jahren haben er und "Cashew for You" es geschafft, mehr als 30 Menschen in Nigeria einen Arbeitsplatz und eine Perspektive zu geben. Einige der Arbeiterinnen können ihren Kindern von diesem Einkommen ein Studium ermöglichen. Für uns Gründer ist es der Beginn einer gemeinsamen Lebensreise und wir sind gespannt welche Möglichkeiten sich noch auftun.

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(ll)