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Die Zukunft der Virtuellen Realität liegt in der umfassenden Vernetzung von Menschen, Prozessen und Daten

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Die IFA ist gerade in vollem Gange. Auch deshalb ist jetzt die beste Zeit, um über Virtual Reality (VR) zu sprechen. Denn das Thema ist in allen Medien präsent. Ich glaube sogar, dass wir gerade den Startschuss für immersives Computing, also die umfassende Vernetzung von Menschen, Prozessen und Daten erleben. In den vergangenen Jahrzehnten war die Technologiebranche von verschiedenen Entwicklungsphasen geprägt. Den Anfang haben zentrale Rechencomputer gemacht, allen voran Zentralrechner wie die von IBM.

Darauf folgten in den 80er Jahren Personal Computer, die Desktop Computer erstmals für eine breite Masse verfügbar machten. Heute dominieren mobile Endgeräte den Markt. Das liegt vor allem an den immer kleiner werdenden Prozessoren und Sensoren, die in einer Vielzahl von Geräten eingesetzt werden. Der Verbraucher hat mobile Technologien vollständig akzeptiert und mobile Endgeräte sind zum alltäglichen Begleiter avanciert. Von VR über Smart Home bis hin zu autonomem Fahren - es scheint keine Grenzen mehr dafür zu geben, wie und wo Technologien zum Einsatz kommen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, hat im Januar davon gesprochen, dass wir am Anfang einer technologischen Revolution stehen - mit immer bahnbrechenderen Innovationen, die immer schneller entwickelt werden. Ich stimme dem voll und ganz zu. In der heutigen Zeit sind fast alle Geräte miteinander vernetzt und haben mehrere Sensoren. Dadurch schaffen sie in verschiedenen Bereichen einen gemeinsamen Kontext. Stimm- und Bilderkennung werden immer leistungsstärker. Grafisches Rendering sowie UHD-Auflösungen sorgen für fast realistische Bilder. Dank des Fortschritts und der zunehmenden Verbreitung von Open Source-Software können Anwendungen außerdem schneller weiterentwickelt werden.

Alle diese Faktoren sind beste Voraussetzung für immersives Computing: Menschen, Prozesse und Daten werden miteinander vernetzt. Das wird Auswirkungen darauf haben, wie wir mit Technologie umgehen, sozial interagieren, arbeiten oder unsere Freizeit verbringen. Computer werden uns in Zukunft in allen Bereichen des Lebens umgeben. Die heutigen Technologien sind dabei erst der Anfang und VR ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Zukunft aussehen kann.

Viele Technologieexperten sind überzeugt, dass VR einen großen Einfluss auf Bildung und Industrie haben wird, vom Handel über das Gesundheitswesen, die Unterhaltungsbranche einschließlich Gaming, bis hin zur Mode. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass der VR-Markt im Jahr 2025 ein Volumen von 80 Milliarden US-Dollar haben wird. Wie und wo VR eingesetzt werden kann, zeichnet sich schon heute ab. Mit VR können beispielsweise Schüler im Geschichtsunterricht historische Begebenheiten nacherleben und in die Vergangenheit eintauchen. Mein persönlicher Favorit ist der Vorstoß, den das Royal London Hospital gemacht hat: Dort wurde eine Tumoroperation mit Hilfe von 360°-Kameras aufgenommen. Das Videomaterial wird nun an Universitäten im Rahmen von Medizinvorlesungen genutzt. Der für die Operation verantwortliche Chirurg sieht das große Potenzial von VR. Damit ließen sich Fortschritte im Gesundheitswesen und ein Angleichen von Standards auf der ganzen Welt realisieren.

Einen Schritt weiter gehen wir mit Augmented Reality (AR). Sie verbindet die echte mit der virtuellen Welt. Sie erweitert die reale Welt mit virtuellen Einblendungen und generiert dadurch eine sogenannte „Mixed Reality". AR füllt somit experimentell den Bereich zwischen VR und der echten Welt.

Moore's Law Plus - Das Mooresche Gesetz weitergedacht

Doch bei aller Begeisterung über die Anwendungsmöglichkeiten von neuen Technologien vergessen wir oft, dass diese ganze Entwicklung nur dank der Fortschritte in der Halbleitertechnologie möglich sind. Genauer gesagt, verbesserte Energieeffizienz und Rechenleistung - sowie zunehmend vernetztere Grafik- und Display-Technologien. Um das Zeitalter des immersiven Computings einzuläuten, muss sich die Branche den folgenden Herausforderungen stellen:

Seitdem Personal Computer auf dem Markt sind, können sich Produktentwickler auf das Mooresche Gesetz verlassen: Die Rechenleistung hat sich regelmäßig alle 18 bis 24 Monate verdoppelt. Gleichzeitig sind aber auch Energie- und Kostenverbrauch um denselben Faktor gestiegen. Das hatte bisher zur Folge, dass die Qualität der PCs rasant gestiegen ist. Durch verbesserte Effizienz konnten energiesparendere Geräte und letztendlich mobile Endgeräte entwickelt werden.

Aber die Gesetze der Physik kann man nicht aushebeln. Das Mooresche Gesetz behält seine Gültigkeit, aber die Entwicklung verlangsamt sich. Fortschritte in der Halbleiterindustrie benötigen immer mehr Zeit, da immer kompliziertere Masken zu fertigen sind und diese entsprechend auch höhere Kosten mit sich bringen. Wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, braucht man immer eine Mischung aus Architekturdesign und innovativer Technologie, um dasselbe Level an Fortschritt zu halten.
Da wir neue Erfahrungen und Innovationen einfließen lassen wollen, brauchen wir das, was ich das „Mooresche Gesetz Plus" nenne. Unternehmen müssen kreative technologische Ansätze entwickeln, um die gleiche exponentielle Leistungssteigerung und Kostenreduzierung bei ihren Lösungen zu erreichen. Meiner Meinung nach braucht man dafür vor allem eine gute Mischung aus CPUs für die Rechenleistung, GPUs für Rechen- und Grafikleistung sowie zusätzliche Beschleuniger. Diese Recheneinheiten benötigen dann zusätzlich noch neue Bausteine, um möglichst effizient zusammenzuarbeiten.

Immersives Computing

Die Chancen, Möglichkeiten und Geschäftsmodelle, die sich in Zukunft ergeben werden, sind ein Beleg dafür, dass das Zeitalter des immersiven Computings vor uns liegt. Technologische Innovationen kommen immer schneller und in einem größeren Umfang auf den Markt. Die Welt, so wie wir sie kennen, wird sich grundlegend ändern.

Diese Entwicklung basiert zu einem Großteil auf fortschrittlichen, leistungsstarken und energiesparenden Rechen- und Grafikleistungen. Sie stehen schon heute zur Verfügung und werden immer besser. Dieses umfassend vernetzte Computing steckt noch in den Kinderschuhen. Die erste Produktgeneration aus diesem Bereich kann man mit den ersten Smartphones vergleichen. Diese waren cool und nützlich, keiner konnte sich damals aber vorstellen, dass sie sich zu unverzichtbaren, heißgeliebten Gegenständen entwickeln würden. Außerdem haben sie den mobilen Markt komplett verändert und völlig neue Apps und Dienstleistungen entstehen lassen.

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