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Mark Krüger Headshot

Bernd Lambrecht: "Nila" von Mark Krüger ist ein raffiniertes Buch was aufklärt

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Kristina Strobe unterhielt sich mit dem deutschen Ausnahmeschauspieler Bernd Lambrecht ("König der Löwen, "Die Fallers - Eine Schwarzwaldfamilie") über den Debüt- Roman "Nila - Sie durften sich nicht lieben" von Mark Krüger, die Botschaft des Autors, seine eigenen Ansichten zum Thema Islam und über seine eher "böse" Rolle des "Ulrich Zimmermann" in der SWR- Serie "Die Fallers".

Frage:
Herr Lambrecht, Sie haben den Prolog und den Trailer zu dem Debütroman "Nila - Sie durften sich nicht lieben" von Mark Krüger gesprochen. Ein trauriger Einstieg in einen Roman der eigentlich Hoffnung machen soll?

Bernd Lambrecht:
Das stimmt. Der Einstieg scheint traurig. Doch er ist auch ein Auftakt zur spannenden Frage: Warum sehen sich die beiden Protagonisten nicht wieder? Was ist da nur passiert? Es gibt im Roman dennoch Zeichen der Hoffnung. Ich möchte nicht zu viel verraten. Jedoch erkennen wir im Leid der Figuren die
Möglichkeit das Glück und die Liebe wahrzunehmen. Wenn man es versteht.

Frage:
Haben Sie das komplette Buch gelesen? Warum ist es anders als die anderen Bücher, warum sollte man es gelesen haben?

Bernd Lambrecht:
Ja, ich habe das komplette Buch gelesen. Es ist anders, weil es nicht nur unterhält, sondern auch einen gewissen Erkenntniswert vermittelt. Wie verhalten wir uns gegenüber den Medien, wie hinterfragen wir Propaganda? Schauen wir überhaupt noch auf andere Menschen? Sind uns menschliche Werte noch wichtig? Ich finde, wer sich für die Liebe, die Menschlichkeit, die Romanze und das Leben interessiert, der sollte an diesen Roman nicht vorbei laufen.

Dieses Buch ist nicht nur unterhaltsam, sondern ermöglicht dem Leser auch tiefe Einblicke in Gesellschaften, die uns so nicht bekannt sind. Wir bekommen anhand menschlicher, familiärer Schicksale gezeigt, wie sich das Leid konkret anfühlt, das politische Entscheider hinterlassen. "Nila" von Mark Krüger ist ein raffiniertes Buch das aufklärt. Mark Krügers Buch ist hart, aber grundehrlich und nah an der Wahrheit.

Frage:
Gibt es in Zukunft ein Hörbuch oder sogar einen Film von "Nila"?

Bernd Lambrecht:
Das Feedback für die vorgestellten Hörbuchsequenzen war so gut, dass wir die Erwartungen nicht enttäuschen dürfen. Einen Film kann ich mir sehr gut vorstellen, sanft und sensibel erzählt so wie "Alles für meinen Vater" von Dror Zahavi. Ein Film der von den Eindrücken, Dialogen, den Emotionen und farblichen Bildern lebt.

Das Buch erfüllt mehrere Themen gleichzeitig. Es ist spannend, es stellt Charaktere vor, mit denen man sich identifizieren kann oder mit denen man sympathisiert. Ich selbst würde sehr gern eine Rolle übernehmen oder sogar Regie führen. Als ich das Buch las, ertappte ich mich dabei, wie ich mich in der Rolle des Eric Jones fühlen und bewegen würde. So sehr nahm mich sein Schicksal mit. Ich müsste natürlich ältere Rollen spielen, seinen Vater zum Beispiel.(lacht)

Frage:
Das Buch "Nila" von Mark Krüger befasst sich sehr stark mit der Religion "Islam" und erklärt dem Leser sehr detailliert, dass diese Religion nicht gleichzusetzen ist mit dem Terrorismus. Sollte dieses Buch auch Muslime lesen?

Bernd Lambrecht:
Ich habe das Buch sofort meinen muslimischen Nachbarn geschenkt. Sie mochten auch das Buch "Ich bin Manala". Meiner Meinung nach, sollten wir versuchen die Muslime "zu umarmen", bildlich gesprochen. Wir müssen ihnen zeigen das sie dazu gehören, das sie bei uns eine Heimat finden können. Vorausgesetzt das sie unsere Gesellschaft und die Gesetze darin akzeptieren.

Ich selbst lebte einmal mit dem Schauspielkollegen Ercan Durmaz in einer WG in Hamburg, davor standen wir zwei Jahre gemeinsam auf einer Bühne in Celle. Religion war nie ein Thema. Wir waren (sind) einfach gute Freunde. Religion sollte eine Privatsache sein. Wir können alle Freunde werden. Das Buch zeigt den Muslimen, dass es im "Abendland" genug Menschen gibt, denen die Religion nicht als Instrument der Ablehnung gilt. Menschen, die dem Gegenüber von Mensch zu Mensch begegnen, ihm im Sinne des Buches tief in die Augen schauen. Denn diese sind bekanntlich das Fenster zur Seele.

Frage:
Herr Lambrecht, bei den "Fallers - Eine Schwarzwaldfamilie" spielen Sie einen ziemlich unsympatischen Charakter, Ulrich Zimmermann. Wenn ich allerdings mit Ihnen rede, entsteht ein ganz anderes Bild von Ihnen. Ein friedliches, sehr sympatisches. Ist es schwer fies zu sein?

Bernd Lambrecht:
Das ist eine sehr gute Frage! (lacht)

Ich werde wohl aus Typgründen immer in "harten" Rollen eingesetzt, oder als Offizier der Wehrmacht in Nazifilmen. Den Ulrich Zimmermann in "Die Fallers" zu spielen ist knifflig. Ich musste mir dafür eine überzeugende Körpersprache und Mimik einfallen lassen, die mir selbst in meinem realen Leben fremd ist. Auch dessen hinterlistigen Strategien liegen mir fern. Ich frage mich immer wie ein Mensch dauerhaft so viel unbegründbare Antipathien gegenüber einer Familie entgegenbringen kann.

Zur Rollengestaltung suche ich "Vorbilder". Ich kopiere einfach die Menschen, die sich aus unerklärlichen Gründen in den Kopf gesetzt haben, mich nicht zu mögen. (lacht wieder)

Das ist echt lustig. Ich nutze ihre Negativität ganz einfach für meine Rolle. Sie wissen dann gar nicht das ich sie in der Rolle des "Ulrich Zimmermann" verewigt habe.

Kristina Strobe:
Dafür haben Sie aber einen schönen Ausgleich als "Scar" im "König der Löwen" in Hamburg gefunden, wo Sie jede Woche auf der Bühne stehen.

Bernd Lambrecht:
So ist es. ich liebe dieses Musical, meine internationalen Kollegen und der feine Umgang miteinander. So sollte es immer und überall sein.

Kristina Strobe:
Danke für das Gespräch.

Bernd Lambrecht:
Ich habe mich zu bedanken. Immer wieder gern.

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