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Die Automobilbranche drückt auf's Gaspedal

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CAR STEERING WHEEL
Marin Tomas via Getty Images
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Die Automobilbranche drückt auf's Gaspedal

Die Digitalisierung und Vernetzung des Autos hat zu erheblichen Marktveränderungen geführt, was die Automobilbranche gerade auf den Kopf stellt. Tesla, Google und Apple setzen dabei mit innovativen Technik-Highlights die etablierten Automarken unter Druck. Diese Digitalisierungsriesen fordern bestehende Geschäftmodelle heraus und die traditionellen Auomobilhersteller sehen sich gezwungen zu handeln.

Die Frage ist, wie stark das Thema „Connected Car" in die Hand der Internetriesen gegeben werden darf - ließe sich damit nicht auch für Autobauer neuer Umsatz generieren? Denn Kunden fragen vermehrt nach digitalen Dienstleistungen und Services im Auto. Automobilhersteller müssen auf das Gaspedal drücken, damit ihnen die digitalen Geschäftsmodelle nicht entgleiten und sie von anderen Anbietern überholt werden.

In Zukunft wird die ausschließliche Konzentration auf die Produktion und den Verkauf nur noch eine untergeordnete Einnahmequelle für Autobauer darstellen. Daher heißt es jetzt, sich neu aufzustellen und eventuell über neue Partnerschaften nachzudenken.

Das Auto der Zukunft ist sicher, schnell und schön, soll sich aber automatisch auf die Gewohnheiten und Bedürfnisse des Fahrers einstellen - egal, ob dieser in sein eigenes Auto oder in einen Leihwagen steigt.

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Marktveränderungen in der Automobilbranche

Der Wunsch nach Mobilität gewinnt für viele Menschen an Bedeutung. Dabei ist es nicht mehr so wichtig, ein eigenes Auto zu besitzen oder eine bestimmte Automarke zu fahren. Mit ähnlich einschneidenden Veränderungen sah sich auch die Telekommunikationsbranche konfrontiert.

Neue Gadgets, wie beispielsweise Wearables, stellten die Anbieter vor die Entscheidung, ihre Geschäftsmodelle auszuweiten. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass sich neue digitale Geschäftsmodelle entwickelt haben und sich das Marktvolumen verändert hat.

Die Autobranche erlebt aktuell einen ähnlichen Paradigmenwechsel, bei dem sich folglich die Form der Kundenbindung und damit auch die Art der Geschäftsmodelle verändern wird.

Umsätze werden verstärkt aus anderen Geschäftsbereichen kommen und Automobilhersteller müssen sich davon lösen, ausschließlich produkt- und technologiegetrieben zu denken. Die Digitalisierung kreiert einen Kunden der Zukunft, der auch im Auto auf die gewohnten digitalen Funktionen seines Smartphones zugreifen will. So soll beispielsweise auch die quälende Parkplatzsuche in der Stadt ein Ende haben. Denn zeitnah sollen Kunden über ihr Fahrzeug Parkplätze reservieren und bezahlen können.

Sinnvolle Maßnahmen für Automobilhersteller

Automobilhersteller müssen daher zum Überholmanöver ansetzen und sich gegen die digitale Expertise von Google und Co. profilieren. Dabei ist es sinnvoll, fahrzeugunabhängige Produkte und digitale Dienstleisungen anzubieten.

Zunehmend kommen IT-Systeme zum Einsatz, die mit dem Auto verbunden sind, und schon jetzt steigt die Anzahl der gebauten Neuwagen, die mit dem Internet verknüpft sind. Fahrzeugdaten gelten als das neue Öl, weswegen schnelles Handeln gefragt ist, um sie zu gewinnen und zu analysieren.

Für Automobilhersteller gilt: Er muss die Hoheit über die Daten seiner Kunden behalten. Wer die Datenspur zum Kunden verliert, ist schon abgehängt. Es braucht also „Connected Cars", um sich zum einen mit der Umwelt zu vernetzen und zum anderen digitale Geschäftsmodelle zu implementieren.

Herausforderungen für die Automobilhersteller

Die Pole Position zu behalten, ist oft ein schwieriges Unterfangen. Der Kunde der Zukunft möchte zwar immer noch ein einwandfrei fahrendes Auto, aber er wird immer größeren Wert auf Funktionen legen, die sich aus Digitalisierung und Vernetzung ergeben. Das Fahrzeug ist der Dreh und Angelpunkt für Automobilhersteller, um wichtige Daten zu sammeln.

Denn nur mit diesen lässt sich ein Einblick in Kundenaktivitäten gewinnen und ein persönlicher sowie individueller Service sicherstellen. Der Kunde ist König und dieser richtet seinen Fokus immer stärker auf Kommunikation, Unterhaltung und Technologie-Features während der Fahrt. Hersteller sollten also ihre Kernkompetenzen, wie das Auto zu produzieren und zu verkaufen, mit neuen, digitalen Geschäftsmodellen verheiraten.

Apple und Google können bisher zügiger auf Kundenbedürfnisse reagieren, da sie schneller neue Produkte auf den Markt bringen. Automobilhersteller hingegen brauchen für ein Auto oder Feature erheblich längere Entwicklungszeiten. Dadurch können sich die neuen Wettbewerber einen Vorsprung sichern, der die Automobilhersteller die Pole Position kosten könnte. Es muss in kürzester Zeit ein Umdenken stattfinden und das Verständnis wachsen, dass der Kunde die Entwicklungen vorgibt und Automobilhersteller zum Automobilhersteller 3.0 werden müssen.

Das muss jetzt geschehen

Automobilhersteller können die Herausforderungen der Digitalisierung aufgrund ihrer Konzernstruktur aktuell nicht allein meistern. Um trotzdem als Automobilhersteller gegen die Internetgiganten zu bestehen, bietet es sich an, strategische Partnerschaften einzugehen.

Hier wäre es ratsam, Partner aus der Informations- und Kommunikationsbranche zu wählen, da sie eine ähnliche und langfristige Rolle in der Wertschöpfungskette einnehmen werden, wie die traditionellen Automobilzulieferer.

Eine Partnerschaft mit den großen Telekommunikationsanbietern generiert die nötige Konnektivität, welche für alle zusätzlichen Services benötigt wird. Anschließend können weitere strategische Partnerschaften mit Innovationstreibern aus der Wirtschaft getroffen werden. Für zukünftige Wachstumschancen der Automobilhersteller muss es zudem das oberste Ziel sein, die Datenhoheit ihrer Kunden zu gewinnen. Profit aus der Digitalisierung erwirtschaften, heißt in Zukunft die Daten der Kunden analysieren und gewinnbringend nutzen.

Sollte es keine Option sein, Partnerschaften einzugehen, ist es wichtig, eigene digitale Dienste zu entwickeln. Kunden sind bereit, für sinnvolle Dienste Geld auszugeben. Je nach Ausgangsposition ist es ratsam, seine Kernkompetenz - Autos zu produzieren - beizubehalten und digitale Bereiche auszulagern. Es kann aber auch möglich sein, mit der Digitalisierung in der Fahrzeugbranche Schritt zu halten und den Kunden in seinem Lebenszyklus weiter als bis zur Schlüsselübergabe zu begleiten und so zum 360-Grad-Automobilhersteller zu werden.

Photo via Visual hunt

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