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So kann man mit gestörten Mitarbeitern umgehen

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Shannon Fagan via Getty Images
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Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit inkompetentem Führungsverhalten beschäftigen und die Not der Mitarbeiter dokumentieren. Aber nicht nur Führungskräfte verhalten sich zuweilen unangemessen. Auch Mitarbeiter können mit ihrem Verhalten für große Probleme sorgen. Insbesondere machen sie mit auffälligen Persönlichkeitsstörungen allen um sich herum das Leben schwer.

Führungskräfte müssen an sich arbeiten, um ihrer Führungsaufgabe optimal gerecht zu werden. Das wird ebenso oft wie eindringlich gefordert und es macht Sinn. Aber was ist mit den Mitarbeitern? Müssen sie sich nicht ebenso bemühen? Diese Forderung mag durchaus berechtigt sein, hilft aber nicht weiter bei Mitarbeitern mit Persönlichkeitsstörungen. Hier benötigen Führungskräfte Fachkenntnisse, um die Zusammenarbeit möglichst konstruktiv zu gestalten.

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Einer solchen Störung haftet nichts Krankhaftes an. Vielmehr handelt es sich um eine gelernte Beziehungsstörung. Die Betroffenen verhalten sich in bestimmten Situationen völlig unangemessen und strapazieren damit die Geduld ihrer Umgebung. Ihr gestörtes Verhalten hat ihnen jedoch irgendwann in ihrer Entwicklung einmal Bedürfnisbefriedigung verschafft. Deswegen wurde eine bewährte Strategie daraus, an der sie nun dauerhaft festhalten.

Alle Menschen mit Persönlichkeitsstörungen haben früher einmal die Erfahrung gemacht, dass ihre Bedürfnisse von anderen missachtet wurden. Im Normalfall vermittelt ein Kind deutlich, was es braucht und die Erwachsenen gehen darauf ein. Wenn sich beispielsweise ein kleines Kind nach Aufmerksamkeit sehnt, macht es sich den Erwachsenen bemerkbar und erhält Zuwendung.

Allerdings kommt es vor, dass die Verantwortlichen aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage sind, angemessen auf kindliche Signale zu reagieren. In einem solchen Fall kann das Kind lebenswichtige Bedürfnisse nicht ausreichend befriedigen. Um schließlich doch noch zu bekommen, was es braucht, wird ein Kind nun Umwege finden. So kann beispielsweise die elterliche Beachtung auch über Krankheiten gewonnen werden.

Wenn das Kind mit seinen authentischen Signalen kein befriedigendes Verhalten auslösen kann, muss eben eine Strategie her! Dann klagt es möglicherweise über Bauchweh, um die lebenswichtige Aufmerksamkeit zu erhalten. In extremen Fällen wird es sogar Unfälle inszenieren, damit die Erwachsenen sich ihm zuwenden. Dieses Verfahren bleibt in aller Regel für das Kind unbewusst.

So erfährt ein Kind durch einen Trick unmittelbare Bedürfnisbefriedigung. Problematisch daran ist jedoch, dass sich all das nur auf einer sehr oberflächlichen Ebene abspielt. Die Aufmerksamkeit der Eltern gilt dem Bauchweh, nicht dem Kind. Deshalb wird das Bedürfnis nach Zuwendung nicht dauerhaft befriedigt, das Kind wird emotional nicht ausreichend genährt. Auf diese Weise wird einerseits die persönliche Entwicklung dauerhaft behindert und andererseits sieht sich das Kind gezwungen, die betreffende strategische Manipulation bald wieder auszuführen.

Eine Persönlichkeitsstörung stellt also den Versuch dar, mit dysfunktionalen Strategien Beziehungen so zu manipulieren, dass sie für die betreffende Person befriedigend sind. Derartige Strategien werden von uns allen zuweilen genutzt, wobei das jeweilige Verhalten meist unauffällig bleibt. Letzten Endes lässt sich jedoch nicht objektiv bestimmen, ab wann ein solches Verhalten eine Persönlichkeitsstörung darstellt.

Typische Symptome einer Persönlichkeitsstörung

Je ausgeprägter die Störung, desto auffälliger ist das Verhalten und desto mehr Probleme ruft es hervor:

1. Die Betroffenen sind fixiert auf ihr unbefriedigtes Bedürfnis und neigen schon beim kleinsten Anlass zur Überreaktion. Damit strapazieren sie permanent die Geduld ihrer Umgebung.

2. Da die manipulative Strategie das grundlegende Bedürfnis nicht dauerhaft befriedigen kann, muss diese Strategie häufig wiederholt werden, um wenigstens eine verlässliche Ersatzbefriedigung zu gewährleisten. Das bedeutet: Die betreffende Person zeigt ihr Störverhalten wieder und wieder.

3. Da das zugrundeliegende Bedürfnis keine angemessene Befriedigung erfährt, bleibt es in der Bedürfnishierarchie weit oben und beschäftigt die Betroffenen über die Maßen. Ihre Fixierung auf dieses Bedürfnis behindert ihre persönliche Entwicklung ganz erheblich. Man hat es dann also mit Menschen zu tun, die unreif bleiben.

4. Da die Betroffenen ihre manipulativen Strategien aus ihrer Erfahrung herleiten und diese Vorgehensweisen sich im Laufe des Lebens bewährt haben, halten sie daran fest. Sie erscheinen ihnen plausibel und selbstverständlich. Sie können sie nicht infrage stellen. Wenn die Manipulation dann plötzlich nicht mehr funktioniert, fühlen sich die Betroffenen als Opfer und machen ihre Umgebung verantwortlich. Sie können aus negativem Feedback nichts lernen.

5. Die Manipulationen rufen Unverständnis und Widerstand bei anderen hervor. Daher kommt es schnell zu heftigen Konflikten.

Derart gestörte Mitarbeiter stellen für jedes Team eine große Belastung dar und können die Arbeitsfreude aller anderen erheblich schmälern. Sie binden dauerhaft Energie.

Mögliche Interventionen

Je größer ein Team, desto wahrscheinlicher ist jemand mit einer auffälligen Persönlichkeitsstörung darunter. Er wird mit den immer gleichen Verhaltensmustern für Konfliktstoff sorgen. Mitarbeiter erwarten dann, dass die Führungskraft sich des Problems annimmt.
Hierzu lässt sich folgendes raten:

1. Es hat keinen Sinn „vernünftig" mit dem betreffenden Mitarbeiter zu reden. Überzeugungsversuche und Diskussionen, Druck oder gar Machtkämpfe führen nicht weiter, sondern verschärfen das Problem eher. Wichtig ist, dass der Betroffene nicht sein Gesicht verliert.

2. Die Störung lässt sich in aller Regel höchstens therapeutisch beheben. Man kann den Betreffenden aber beeinflussen, indem man auf der Beziehungsebene geschickt agiert. Ein Mensch mit einer Persönlichkeitsstörung wünscht sich nichts sehnlicher als die Befriedigung eines bestimmten Grundbedürfnisses wie z.B. das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung oder Kontrolle.

Je besser diese Bedürfnisse befriedigt werden, desto besser „funktioniert" der Mitarbeiter. Als Führungskraft könnte man den Betreffenden beispielsweise dort einsetzen, wo er die bestmögliche Chance auf Bedürfnisbefriedigung erhält. Auch im persönlichen Kontakt gilt es, diesen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Wer beispielsweise Kontrolle braucht, dem kann die Führungskraft öfter mal Alternativen zur Auswahl stellen; wer sich nach Anerkennung sehnt, kann an einem prestigeträchtigen Projekt mitarbeiten.

3. Es hilft auch, den Betreffenden anzunehmen, wie er ist. Auf diese Weise kann man die nötige Geduld generieren und damit die Zahl der Konflikte minimieren.

Mitarbeiter mit Persönlichkeitsstörungen können eine große Herausforderung für Vorgesetzte darstellen. Ihre Führung verlangt ein hohes Maß an sozialer Kompetenz. Aber letzten Endes trifft auch hier die lapidare Bemerkung des Schriftstellers Theodor Storm zu: „Man muss das Leben aus dem Holz schnitzen, das man zur Verfügung hat."

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