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Fünf Vorsätze für ein glückliches Arbeitsjahr

04/01/2016 12:31 CET | Aktualisiert 04/01/2017 11:12 CET
kupicoo via Getty Images

Der Jahresbeginn ist für die meisten von uns ein Anlass für gute Vorsätze. Dabei stehen Sport und gesunde Ernährung ganz oben auf der Liste, dicht gefolgt von dem Wunsch, mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Hingegen findet man in keiner Statistik einen Hinweis darauf, dass die Deutschen sich um mehr Glück am Arbeitsplatz bemühen. Tatsächlich wäre es aber ganz einfach, die Zeit am Arbeitsplatz befriedigender zu gestalten.

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Nur knapp ein Viertel der Deutschen verzichtet auf jegliche Vorsätze zum neuen Jahr. Alle anderen wollen etwas in ihrem Leben verbessern. Eine gesunde Lebensführung steht wie so oft ganz oben auf der Liste der Vorhaben. Auch stabile und nährende Beziehungen scheinen uns Deutschen sehr wichtig zu sein. Das macht Sinn, denn Gesundheit und soziale Kontakte gehören fraglos zu unseren Grundbedürfnissen.

Eine glückliche Zeit am Arbeitsplatz gehört nicht zu den erklärten Zielen der Deutschen.

Aber auch die Arbeit bildet einen wesentlichen Teil unserer Existenz. Hier beschränken sich die guten Vorsätze für 2016 jedoch lediglich auf die Karriereleiter. Eine glückliche Zeit am Arbeitsplatz gehört nicht zu den erklärten Zielen der Deutschen.

Das ist erstaunlich, denn der Arbeitsplatz bietet viel Raum für Verbesserungen. So zeigt der aktuelle Gallup Engagement Index, dass 85% der Beschäftigten nur eine geringe oder gar keine emotionale Bindung an ihren Arbeitsplatz haben. Gerade im Hinblick auf die Arbeitssituation wären gute Vorsätze also nützlich. Denn wir verbringen einen großen und sicher den besten Teil unserer Wachzeit mit unserer Arbeit. Wenn wir uns am Arbeitsplatz nicht wohlfühlen, bedeutet das eine enorme Einbuße an Lebensqualität.

Aktuellen Analysen des BKK Bundesverbandes zufolge gehen mittlerweile rund 15% aller Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Erkrankungen zurück. Immer häufiger werden Burnout und Depressionen diagnostiziert. Arbeit kann krank und unglücklich machen, daran besteht kein Zweifel.

Die Arbeitskultur ist kein gottgegebenes Schicksal, sondern wird von jedem Einzelnen mitgestaltet.

Warum fassen wir also keine guten Vorsätze für ein glückliches Arbeitsjahr? Der Grund könnte darin liegen, dass viele Arbeitnehmer sich den Bedingungen am Arbeitsplatz hilflos ausgeliefert fühlen. Hilflosigkeitsgefühle stehen in engem Zusammenhang mit Depression. Tatsächlich sind wir jedoch nicht so hilflos, wie wir uns zuweilen fühlen. Die Arbeitskultur ist schließlich kein gottgegebenes Schicksal, sondern wird von jedem Einzelnen mitgestaltet.

Es gibt vieles, was wir zur Hebung der Stimmung tun können. Hier ist Engagement deshalb so wichtig, weil die Bedingungen niemals perfekt sein werden. Das Glück am Arbeitsplatz hat immer die Qualität des Trotzdem. Arbeitsfreude wird sich nicht von allein einstellen. Sie will verdient werden. Gerade für ein glückliches Arbeitsleben brauchen wir also viele gute Vorsätze. Wer seine Arbeit genießen will, kann sich folgendes vornehmen:

1. Ich werde mich nicht beklagen.

Jeder Arbeitsplatz bietet Anlass genug zum Klagen. Die Umstände sind selten genauso, wie wir sie uns wünschen. Wenn wir uns dann allerdings auf die unbefriedigenden Aspekte der Arbeit konzentrieren, schaffen wir ein neues Problem: Denn das, womit sich der Geist beschäftigt, das wächst. Der Blick auf Negatives bewirkt, dass sich die schlechten Gefühle verstärken. Das Problem nimmt zunehmend Raum im Denken und Fühlen ein. So wird die Sache schlimmer, als sie sein müsste. Je mehr wir klagen, desto schlechter geht es uns.

Handeln statt Klagen, darum geht es.

Die Alternative besteht sicher nicht darin, Negatives zu leugnen oder einfach hinzunehmen. Es ist aber viel gewonnen, wenn wir einfach aufhören, uns zu beklagen; wenn wir uns stattdessen auf unsere Reaktionsmöglichkeiten konzentrieren. „Was kann ich angesichts dieser unbefriedigenden Umstände tun?", lautet die richtige Frage. Handeln statt Klagen, darum geht es. Und wenn wir nichts an den Umständen ändern können, weil uns die Macht dazu fehlt?

Dann können wir immerhin noch überlegen, wie wir mit dieser Tatsache umgehen wollen: „Wie schaffe ich es, dass es mir gut geht, obwohl die Dinge nicht in Ordnung sind?" So entstehen Strategien zum Selbstschutz. Auf die eine oder andere Weise lässt sich also immer etwas unternehmen. Klagen ist niemals eine Option.

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2. Ich werde mutig sein.

Zwei Faktoren stehen der Arbeitsfreude regelmäßig entgegen: allzu bereitwillige Anpassung und überhandnehmende Routine. Beides führt dazu, dass wir uns nicht wirklich lebendig fühlen können. Es wäre gut, wenn wir mutig etwas von unserer Sicherheit aufgeben könnten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, sagt ein deutsches Sprichwort. Sobald wir Risiken eingehen, kehrt die Lebendigkeit zurück. Es geht dabei nicht um Leichtsinn und Tollkühnheit, sondern um Veränderung und innere Beweglichkeit.

Andere Dinge tun und vertraute Dinge anders tun. Ein neues Aufgabengebiet übernehmen, eine besondere Fortbildung besuchen, sich abgrenzen gegen unzumutbare Forderungen statt sich ängstlich anzupassen, etwas ausprobieren, sich selbst in der Arbeit immer wieder neu entdecken. Jede Woche kleine Abenteuer erleben.

3. Ich werde meine Spielräume nutzen.

Wir glauben sehr innig an Sachzwänge. Aber die meisten Sachzwänge sind tatsächlich nur Denkzwänge. Wir denken bloß, wir hätten keine Wahl. In Wirklichkeit sind wir blind für die Alternativen. Wahrnehmung ist jedoch auch nur eine Gewohnheit. Wir können uns darauf trainieren, überall Möglichkeiten zu sehen statt Hindernisse. Das Beste wäre: Angesichts einer unbefriedigenden Situation erst mal Pause machen. Sich hinsetzen und nachdenken. Spielräume erkunden. Ein Brainstorming durchführen und eine Liste von Möglichkeiten erstellen.

Je länger und origineller, desto besser. Je mehr Ideen wir haben, desto freier werden wir. Desto weniger besteht die Gefahr, dass wir uns als Opfer wahrnehmen und hilflos sind. Anschließend wird die beste Idee getestet, ohne Erfolgsdruck ein Experiment gestartet: Welche der Möglichkeiten bringt das erwünschte Ergebnis, was funktioniert und was nicht? Das ist spannend, und es ist die einzige Möglichkeit, zu Erfolgen zu kommen.

4. Ich werde andere froh machen.

In der Arbeitswelt ist für gewöhnlich jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Wir haben Angst, zu kurz zu kommen. Wir beobachten die Vorgänge besorgt, um bloß nicht übervorteilt zu werden. Vielleicht können wir auf diese Weise manch ungerechte Behandlung verhindern, aber Glück bringt uns diese Fixierung auf den eigenen Vorteil jedenfalls nicht. So entsteht lediglich eine Kultur des Misstrauens und Egozentrismus.

Das Miteinander wird geradezu entmenschlicht. Viel bekömmlicher für unsere Seele wäre eine Kultur des Gebens. „Seine Freude in der Freude des anderen finden zu können, das ist das Geheimnis des Glücks.", formulierte der französische Schriftsteller Georges Bernanos. Es geht uns besser, wenn wir mehr darüber nachdenken, was wir anderen geben können. Das bedeutet nicht, den eigenen Vorteil aus den Augen zu verlieren und sich anderen aufzuopfern. Anderen Freude zu bereiten und ihr Wohl im Blick zu behalten, ist vielmehr ein kluger Schachzug.

Wohlwollen und Freundlichkeit sind meistens ansteckend.

Denn zum einen steigern wir auf diese Weise das eigene Glück: Gutsein fühlt sich nun einmal gut an. Zum anderen etablieren wir auf diese Weise eine erheblich angenehmere Kultur. Denn Wohlwollen und Freundlichkeit sind meistens ansteckend. Auf die eine oder andere Weise erhalten wir zurück, was wir anderen gegeben haben. Großzügigkeit dient immer auch dem eigenen Vorteil und fühlt sich so viel besser an als Misstrauen und Feindseligkeit.

5. Ich werde jede Gelegenheit nutzen, mich zu freuen.

Glück ist keine Frage des Schicksals oder der Gene, sondern eine Eigenleistung, die Bemühen und Verstand erfordert. Glück entsteht zudem in erster Linie in vielen kleinen Momenten und nur sehr selten durch spektakuläre Ereignisse. Für die Arbeit bedeutet das: Wir werden sehr viel mehr Freude am Arbeitsplatz erleben, wenn wir lernen, die zahlreichen kleinen Dinge zu erkennen und zu genießen, die uns froh machen können.

Eine gute Tasse Kaffee in der Pause, das gemeinsame Lachen über eine absurde Situation, die Dankbarkeit des Kunden, der Stolz auf eine gelungene Arbeit - all das ist Grund genug, sich zu freuen. Solche Momente besitzen in der Summe ein großes Gewicht. Wir sollten sie bewusst auskosten.

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