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So erkennt ihr, ob euer Chef ein Psychopath ist

25/04/2016 12:14 CEST | Aktualisiert 26/04/2017 11:12 CEST
Gettystock

Tatsächlich scheint der Anteil der Psychopathen unter den Führungskräften besonders groß zu sein. In der Gesamtbevölkerung ist etwa jeder zweihundertste Mensch psychopathisch, in den Führungsebenen liegt der Anteil drei- bis viermal höher. Mit der Hierarchieebene steigt auch der Anteil der psychopathischen Chefs. In der Fachliteratur wird stets vor Psychopathen gewarnt, und es wird geraten, ihnen aus dem Weg zu gehen. Aber das ist nicht immer möglich. Was soll man tun, wenn der eigene Chef psychopathische Züge aufweist?

Sicher ist: Normale Menschen können sich kaum vorstellen, wie die Innenwelt eines Psychopathen aussieht. Sein Denken und Fühlen besitzt eine fremde Qualität. Je weniger wir aber verstehen, was in einem Psychopathen vorgeht, desto mehr sind wir ihm ausgeliefert. Wir können sein Handeln weder nachvollziehen noch voraussehen. Damit besitzen wir keinerlei Einflussmöglichkeit. Wer gezwungen ist, mit einem psychopathischen Vorgesetzten zu arbeiten, braucht deshalb ein ausreichendes Verständnis dieser Eigenart.

Was ist ein Psychopath?

Man geht heute davon aus, dass die Entstehung der Psychopathie auf biologische Komponenten zurückzuführen ist. Die Gene spielen möglicherweise eine Rolle, oftmals auch frühe und anhaltende Traumatisierungen. Die Betreffenden werden oft schon während der Kindheit auffällig. Es gibt eine Reihe von Merkmalen, durch die Psychopathen sich auszeichnen:

  • Sie sind gefühlskalt. Sie können ihre Empfindungen nur schwach wahrnehmen und es fällt ihnen schwer, Gefühle zu differenzieren. Das hat vielfältige Folgen: So sind sie u.a. vergleichsweise angstfrei, was zu einer hohen Risikobereitschaft führt. Auch Schuldgefühle sind ihnen fremd. Sie werden nicht von einem schlechten Gewissen gequält.

    Da sie ihre eigenen Gefühle nicht deutlich spüren, können sie kein Mitgefühl aufbringen. Sie sind unfähig zur Einfühlung in andere. Deswegen nehmen sie ohne weiteres das Leid anderer in Kauf, wenn sie ihre Ziele verfolgen. Es geht ihnen meist nicht darum, anderen aktiv zu schaden, sondern sie empfinden vielmehr Gleichgültigkeit angesichts fremder Gefühle.

  • Psychopathen haben ein starkes Bedürfnis nach Macht und Kontrolle. Führungspositionen kommen ihrem Dominanzstreben sehr entgegen.

  • Sie verhalten sich häufig impulsiv. Dann setzen sie sich beispielsweise kurzerhand über Regeln hinweg. Diese Eigenschaft macht sie unberechenbar.

  • Dreiviertel aller Psychopathen sind zugleich Narzissten, d. h. sie halten sich für überlegen und glauben, wertvoller als andere zu sein. Sie nehmen sich übertrieben großartig wahr und vermitteln dieses Bild auch nach außen. Sie brauchen die Aufmerksamkeit und Bewunderung ihrer Umgebung. Darum können sie nicht gut mit Kritik umgehen, reagieren oft sehr aggressiv, wenn sie sich in Frage gestellt sehen. Wenn sie ihren Kritiker bekämpfen, dann geschieht das oft ohne jeden Skrupel. Das macht sie zusätzlich gefährlich.

Die wenigsten Psychopathen begehen Gewaltverbrechen und werden zu Massenmördern, wie in zahlreichen Krimis. Die meisten von ihnen leben vielmehr unauffällig unter uns. Sie bleiben ihr Leben lang unentdeckt und können sich geschickt tarnen.

Wer glaubt, in seinem Vorgesetzten einen Psychopathen vor sich zu haben, sollte die betreffende Person zunächst genau beobachten. Eine einzelne auffällige Episode, wie beispielsweise eine grobe Rücksichtslosigkeit, kann auch andere Ursachen haben.

Umgang mit dem Psychopathen

Wenn man sich die typischen Merkmale der Psychopathie vor Augen führt, lassen sich vollkommen logisch Verhaltensempfehlungen daraus ableiten:

  • Da der Psychopath nur wenig fühlen kann, ist es beispielsweise sinnlos, an seine Gefühle zu appellieren. Man darf keine seelische Unterstützung von ihm erwarten, keine Rücksichtnahme, kein Verständnis, keine Fürsorge, keine Entschuldigung. Diese Dinge kann der Psychopath einfach nicht geben. Sie ihm abzuverlangen, ist ähnlich sinnlos wie die Erwartung, Eier von einer Kuh zu erhalten.

  • Da der Psychopath Machtstreben und Skrupellosigkeit in sich vereinigt, ist es sehr riskant, ihm offen entgegenzutreten. Bei einem psychopathischen Gegner sollte man zumindest auf alles gefasst sein und sich entsprechend wappnen.

  • Misstrauen ist jederzeit angebracht. Es wäre naiv, einem psychopathischen Vorgesetzten Vertrauen entgegen zu bringen.

  • Die Impulsivität und Unberechenbarkeit des Psychopathen lassen es geboten erscheinen, sich ihm zu entziehen, wann immer das möglich ist. Mit Psychopathen pflegt man keinen engen Kontakt, sondern hält so viel Abstand wie möglich.

  • Seine narzisstische Veranlagung macht es dem Psychopathen unmöglich, Kritik anzunehmen und konstruktiv zu nutzen. Er wird vielmehr den Kritiker bekämpfen. Deshalb empfiehlt sich ein Umweg: Statt den psychopathischen Chef mit seinem Fehlverhalten zu konfrontieren, sollte man ihm das erwünschte Verhalten schmackhaft machen und ihm den Vorteil vor Augen führen, den das Alternativverhalten für ihn selbst hat. Da er stets auf seinen Vorteil bedacht ist, hat man auf diese Weise die bestmögliche Chance, ihn zu einer Verhaltensänderung zu bewegen.

Natürlich bleibt die Situation trotz all dieser Maßnahmen unbefriedigend. Aber so hat man immerhin die Möglichkeit, das Beste daraus zu machen und die Zeit mit dem psychopathischen Chef unbeschadet zu überstehen.

Zum Schluss sei noch folgendes angemerkt:

Erstens gibt es natürlich nicht nur Männer unter den Psychopathen. Sie bilden zwar die Mehrheit, aber es können durchaus auch psychopathische Frauen auf Chefsesseln sitzen.

Zweitens können Psychopathen zwar wegen ihrer Gefühlskälte, Risikofreude etc. sehr gefährlich werden. Aber es gibt durchaus Situationen, in denen gerade diese Eigenschaften von Vorteil sind. Psychopathen können ihre Neigungen zuweilen effektiv zum Nutzen der Gesellschaft einsetzen, z. B. im Katastrophenschutz.

Da sie weniger gefühlsgesteuert sind als andere Menschen, können sie sich besser auf logische und strategische Aspekte konzentrieren. Das kann in manchen Situationen durchaus angemessen sein. Man nimmt sogar an, dass psychopathische Führungspersönlichkeiten in der Evolution einst einen Überlebensvorteil für ihre Gruppe darstellten. Ihre Rücksichtslosigkeit und Angstfreiheit konnte der Gruppe in manchen Situationen sehr nützlich sein. Vielleicht sollten wir uns einmal Gedanken darüber machen, was es über unser System aussagt, wenn psychopathische Eigenschaften im wirtschaftlichen Alltag so offensichtlich von Vorteil sind.

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