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Besser miteinander arbeiten

28/02/2016 19:23 CET | Aktualisiert 28/02/2017 11:12 CET

„Wo immer Menschen etwas miteinander zu schaffen haben, da machen sie einander zu schaffen.", schrieb Friedemann Schulz von Thun. Es ist völlig normal, dass sich unsere Bedürfnisse und Überzeugungen nicht decken. Normal ist auch, dass daraus am Arbeitsplatz häufig sozialer Stress entsteht, der sich negativ auf die Befindlichkeit und das Leistungsvermögen auswirkt. Es geht aber auch anders.

Während der frühen Kindheit halten wir uns selbst für den Mittelpunkt der Welt. Wenn wir dann heranwachsen, beginnen wir unseren Irrtum zu begreifen. Schließlich gelingt es uns sogar, die Dinge auch einmal durch die Augen anderer Menschen zu betrachten. Aber wir schaffen es im Allgemeinen nicht, den Egozentrismus unserer Kindheit vollständig zu überwinden. Denn auch in späteren Jahren erscheint uns immer noch das eigene Denken und Empfinden als selbstverständlich und normal. Folglich neigen wir dazu, fremde Sichtweisen und Bedürfnisse impulsiv als Abweichung von der Norm zu betrachten, als grundsätzlich fragwürdig. Wir machen uns unbedacht selbst zum Maßstab. Diese Haltung führt zwangsläufig zu Konflikten.

Für Unternehmen sind Konflikte teuer. Denn sie binden immer Zeit und Energie, die dann eben nicht mehr der Arbeit zugutekommen. Für die Beteiligten selbst können Konflikte sogar gefährlich werden. Denn sozialer Stress beeinträchtigt sowohl die psychische als auch die körperliche Befindlichkeit. Wir brauchen deshalb Strategien, um dem sozialen Stress entgegenzuwirken. Zwar wird es immer Unvereinbarkeiten geben, aber sie müssen nicht zwangsläufig Schaden anrichten.

Wenn wir merken, dass wir mit einer anderen Person nicht harmonieren, stellen sich rasch negative Gefühle ein. Ablehnung und Ungeduld, Wut und Frustration sind in einem Team alltäglich und kaum zu verhindern. Das ist an sich noch kein Problem, entscheidend ist vielmehr der Umgang damit. Die Situation wird erst kritisch, wenn wir uns unbedacht unseren Impulsen überlassen. Denn schnell ist etwas gesagt oder getan, das den Konflikt eskalieren lässt.

Distanz halten

Zu den Auswirkungen des Egozentrismus gehört die unhinterfragte Überzeugung, das Verhalten des Gegenübers hätte mit einem selbst zu tun. Diese Überzeugung ist schlichtweg falsch. Wir sind nicht gemeint und brauchen deshalb auch nichts persönlich zu nehmen. Der andere verhält sich auf eine bestimmte Weise, weil er ist, wie er ist; weil er augenblicklich gar nicht anders kann. Jedes Verhalten verrät weit mehr über seinen Urheber als dieser ahnt. Seine Reaktionen zeugen von seiner inneren Befindlichkeit, seinen Bedürfnissen und Überzeugungen. Und auch ein harsches Feedback ist schließlich nur Ausdruck der eigenen Unzufriedenheit und sagt wenig über den Adressaten aus.

Daher lassen sich mit folgenden Strategien unnötige Konflikte vermeiden:

1. Wir sollten nichts persönlich nehmen. Jedes Verhalten unseres Gegenübers ist letzten Endes ein Kooperationsangebot, mit dem er zu verstehen gibt: „So sehe ich uns beide und so stelle ich mir die Zusammenarbeit vor." Ein derartiges Angebot kann erst einmal gelassen geprüft werden. Es lässt sich annehmen oder ablehnen - ganz nach Bedarf. Wer das Verhalten des Gegenübers unbedacht auf sich selbst bezieht und sich persönlich gemeint fühlt, reagiert schnell emotional. Gefühle wie Wut oder Kränkung manövrieren ihn unmittelbar in einen Konflikt. Je stärker die Emotion, desto größer die Gefahr einer Eskalation. Viel konstruktiver wäre es, dem anderen ohne Vorwürfe zu erklären, warum sein Kooperationsangebot nicht akzeptabel ist und ihm ein Gegenangebot zu machen.

2. Wir dürfen die Beziehungen am Arbeitsplatz nicht mit Erwartungen überfrachten. Die anderen sind für gewöhnlich voll und ganz damit beschäftigt, gut für sich selbst zu sorgen. Es liegt nicht in der Verantwortung der Kollegen, uns emotional zu nähren; die meisten von ihnen haben genug mit sich selbst zu tun. Auch von den Vorgesetzten ist nicht allzu viel zu erwarten: Ihnen fehlen häufig die Ressourcen, um sich Gedanken über die Befindlichkeit ihrer Mitarbeiter zu machen. Da gibt es wenig Raum für emotionale Bedürftigkeit. Jedes Team ist nur eine Zweckgemeinschaft auf Zeit. Unsere Sehnsucht nach Nähe und Harmonie findet dort keinen Platz.

3. Das Miteinander am Arbeitsplatz sollte geprägt sein von Respekt und Höflichkeit, statt von dem Bemühen um emotionale Verbundenheit. Denn in der Arbeitswelt verhalten sich das Ausmaß der emotionalen Bedürftigkeit und die Größe des Konfliktpotenzials proportional zueinander.

Eine professionelle Distanz ermöglicht uns die Konzentration auf unsere Aufgaben und Rollen. Sie schützt vor gefährlichen Rollenkonfusionen, vor unrealistischen Erwartungen, vor Kränkungen und Enttäuschungen. Sie beugt damit kräftezehrenden Konflikten vor.

Strategisch denken

Wenn es uns gelingt, die nötige Distanz zu den Menschen am Arbeitsplatz zu wahren, dann entgehen wir damit der Gefahr emotionaler Verstrickungen. So werden wir innerlich frei und sind in der Lage, konfliktträchtige Situationen strategisch zu betrachten. Das ist die Voraussetzung, um klug agieren zu können. Unbeeinträchtigt von starken Gefühlen sind wir in der Lage, Situationen mit kühlem Kopf zu analysieren und clevere Entscheidungen zu treffen - ohne das Handicap unkluger Impulsivität. Wie ein Schachspieler, der seinen nächsten Zug mit Bedacht plant, können wir die Situation nach eigenen Vorstellungen beeinflussen. Das mit Umsicht gewählte Vorgehen minimiert die Zahl der kräfteraubenden Konflikte.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Fähigkeit, im Gegenüber zu lesen. Jede Geste, jedes Wort verrät ihn und gibt Auskunft über seine Persönlichkeit und Befindlichkeit. Daraus lassen sich wertvolle Informationen für das eigene Vorgehen gewinnen. So könnte beispielsweise ein persönlicher Angriff als eine Stressreaktion des Gegenübers verstanden werden. Großzügige Nachsicht und ein Wort des Verständnisses könnten in dieser Situation mehr bewirken als ein Gegenangriff, der die Situation lediglich verschärfen würde. Wir können uns angewöhnen, nichts persönlich zu nehmen, sondern ein Verhalten immer als Ausdruck der inneren Befindlichkeit der betreffenden Person zu verstehen. Dann wird es möglich, strategisch zu denken und klug zu handeln. Dann gewinnen wir an Einfluss und können soziale Prozesse steuern. Auf diese Weise ersparen wir uns so manchen Konflikt.

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