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Warum Schallplatten einfach besser klingen

01/03/2015 11:38 CET | Aktualisiert 01/05/2015 11:12 CEST
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Wie bereits im letzten Blog angedeutet, leben Totgesagte meistens länger. So verhält es sich auch mit der Schallplatte, die im Bereich Hörkultur noch immer das Non plus ultra ist. Woran liegt das? Ganz einfach, Vinyl klingt einfach besser als die CD. Das glauben Sie nicht? Dazu gleich mehr.

Zuerst noch zum Begriff „audiophil". Das Wort kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie „des Hörens liebend". Audiophile Personen geben dementsprechend mehr oder weniger viel Geld für Audio-Technik aus. Aber das ist ein eigenes Thema.

Kommen wir zurück zum Anfang: Warum klingt dieselbe Musik von einer Platte besser als die von einer CD? Der Grund liegt in der Stetigkeit des Signals. Jede digitale Information wird quantisiert, das heißt, Frequenz und Amplitude müssen in ein bestimmtes Raster aufgeteilt werden. Anders ist eine digitale Speicherung nicht möglich. Daher benötigt jeder CD-Spieler einen Digital-Analog-Wandler, der dem menschlichen Gehör einen stetigen Klangverlauf vorgaukelt, der auf der ursprünglichen Klangquelle, nämlich der CD, nicht vorhanden ist.

Digitale Musik wird in vielen Fällen nicht einfach nur in digitaler Form, sondern auch noch komprimiert genutzt. Damit ist auf einem digitalen Speicher deutlich mehr Musik unterzubringen. Die dazu wohl bekannteste Methode ist das vom Fraunhofer Institut entwickelte MPEG-Verfahren. Dabei werden, vereinfacht dargestellt, einzelne Frequenzintervalle analysiert und nur der höchste Amplitudenanteil in diesem Intervall bleibt erhalten, der Rest fällt weg.

Dadurch kann eine Musikdatei auf ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe verkleinert werden. Das Verfahren hat aber auch seinen Preis, wobei ich hier den qualitativen Preis meine, denn eine komprimierte Audio-Datei klingt deutlich schlechter als ein unkomprimiertes Audio-Format. Beim Abspielen auf einer guten HiFi-Anlage wird diese Qualitätsreduktion für das menschliche Ohr unmittelbar hörbar.

Nutzt man das MP3-Format jedoch mobil, sei es in Form der heute oft gebräuchlichen MP3-Player oder im Auto, dürfte der klangliche Verlust nicht wahrnehmbar sein. MP3-Formate unterscheiden sich in ihrer Kompressionsrate, die in Kilobit pro Sekunde (kbit/s) angegeben wird. Oft findet man einen Standardwert von 192 kbit/s.

Nutzer, die gerne näher an die CD-Qualität heran wollen, wählen dann 320 kbit/s, also eine kleinere Kompressionsrate. Aber es sei nochmals gesagt, ganz gleich, wie hoch oder wie niedrig man die Kompressionsrate wählt, MP3-Musik erlangt niemals die Qualität des unkomprimierten CD-Formats, auch wenn dies fälschlicherweise häufig behauptet wird. Die Frage ist nur, ob das genutzte Wiedergabesystem in der Lage ist, diesen Unterschied darzustellen.

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Kommen wir wieder zurück zur Schallplatte... Musik-Freaks greifen sogar zu audiophilem Vinyl. Diese Schallplatten haben ein typisches Gewicht von 180 Gramm oder teilweise mehr. Eine konventionelle Schallplatte hat ein Gewicht von 80 bis 120 Gramm. Der Vorteil des audiophilen Vinyls liegt darin, dass die Rille tiefer und damit genauer geschnitten werden kann, somit ist die Dynamik, also der Lautstärkenumfang eines Songs, detaillierter ausgeprägt.

Außerdem gibt es noch haptische Gründe, die für die Platte sprechen: Neben dem Hörgenuss ist es außerdem auch sehr stilvoll, ein Originalalbum auf Platte zu besitzen. Das Cover und das Artwork allgemein sind eine Art von Kunst, die schlichtweg auf CD-Covern nicht so gut umgesetzt werden kann und bei MP3-Formaten ist dieses Thema komplett vernachlässigbar.

Ich denke zum Beispiel an das Rolling Stones Album „Sticky Fingers", bei dem ein echter Reißverschluss auf dem Frontcover eingearbeitet ist. Wer eine solche Pressung sein Eigen nennt, kann sich glücklich schätzen. Diese Scheibe war damals limitiert und ist daher heute sehr viel wert, vorausgesetzt sie befindet sich in einem guten Zustand.

Vor einigen Jahren wurde auch eine CD-Ausgabe der Stones mit einem Mini-Reißverschluss auf dem Cover veröffentlicht. Das wirkte zwar etwas albern, dennoch verkaufte sich das Teil gut, da es schon viele Jahre zuvor auf einem Plattencover zum Kult wurde.

Um kultige Erscheinungen geht es auch in dem nächsten Blog in einer Woche, denn ich werde einige Phänomene der Musikgeschichte näher betrachten ...


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