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Grab'em by the Titti! – Ja, ich stille immer noch

Veröffentlicht: Aktualisiert:
STILLEN
Nadine Kunath
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Hallo, ich bin Mutter und ich gehöre zu den anonymen Langzeitstillenden.

Wieso genau wird das Stillen eines Kindes über das erste Lebensjahr hinaus eigentlich als Langzeitstillen betitelt? Klingt ja schon beinah wie ein Schimpfwort. Als müsste ich mich verteidigen.

Ich stille, ich tue, wie Mutter Natur sich das so denkt und ich fühle mich gut damit. Naja, meistens zumindest.

Wir stillen seit Geburt und es klappt bei uns glücklicherweise hervorragend. Manchmal zu hervorragend. Wir lieben das Stillen. Mein Kind liebt es gefühlt doppelt und drölffach viel mehr als wie ich es tue.

Woran ich das erkenne? Mein Kind würde, wenn ich beim Stillen aufstehe, noch immer an der Brust hängen. Wie ein Blutegel. Saug, saug, nuckel, nuckel. Ich könnte hüpfen und mich schütteln, es würde nicht abfallen. Du lachst, ich meine es ernst.

Ich habe beschlossen, auf mein Bauchgefühl zu hören

Ja, ich habe mich entschlossen, mein Kind an der Brust einschlafen zu lassen. Warum? Weil ich auf mein Bauchgefühl höre. Mutter fühlt, dass das es Richtige ist. Also tut sie es.

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Wenn ich Hunger habe, esse ich. Ist ja auch ein Bauchgefühl. Wenn ich fühle, dass es das absolut Richtige ist, wenn Mini an der Brust wegschnarcht, dann wird das so gemacht.

Ich liebe es. Ich liebe es, zu sehen, wenn mein Fleisch und Blut tiefenentspannt à la "Grab'em by the Titti" einschlafen kann. Natürlich hat alles seine Vor- und Nachteile. Mutter hat halt auch nicht immer Bock die Glocken läuten zu lassen.

Kind denkt sich aber: "Mutter, ich kann nicht ohne meine Druckbetankung am Abend einschlafen. Ich muss mich quasi in den Schlaf saufen." Und wenn Mutter dann versucht, in einer politischen Diskussion zu erläutern, weshalb heute einfach einmal ohne Zapfsäule geschlafen werden sollte, wird das einfach mit lautem Protest übertönt. Immer diese Hooligans. Unmöglich.

Wie oft ich mir anhören muss(te), dass mein Kind so unfassbar schlecht schläft, weil es immer noch gestillt wird. Eigentlich höre ich das ununterbrochen. Mag sein, dass es daran liegt. Vielleicht würde es schlafen, wenn ich dem kleinen Wesen einen eiskalten Entzug antue.

Babys und Kleinkinder möchten gestillt werden

Vielleicht würde es aber immer noch alle zweieinhalb (Ja, du liest richtig!) Stunden aufwachen. Ich weiß es nicht. Sollte ich endlich hellsehen können, lasse ich es dich wissen.

Babys und Kleinkinder möchten gestillt werden. Hat Mutter Natur nun einmal so gemacht. Wenn ich nun einfach abstille, weil ich von meiner Seite aus keine Lust mehr habe, ist ja die Frage: Was tue ich eigentlich meinem Kind damit an? Ich weiß es nicht. Ich bin immer noch keine Hellseherin.

Mein Mutter-Bauchgefühl sagt mir aber, dass es nichts Gutes sein kann. Mein Kind hat seine Gründe, dass es sich meine Nähe, Sicherheit und die gute Milch über meine Brust holt. Wenn ich dem kleinen Menschenwesen entziehe, was es so sehr möchte, greife ich dann nicht in den natürlichen Entwicklungsprozess des Kindes ein?

Mutter kann es nur für sich und für ihr Muttergefühl beantworten. Ich wünsche mir das Beste für mein Kind. Kind glücklich = Mutter glücklich.

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Aber auch ich will nicht immer auf mein Gefühl hören. Was habe ich etliche Male über das Abstillen nachgedacht. Ich habe das Stillen verflucht, ich habe geweint. "Immer will mein Kind nur mich." I-m-m-e-r will es nur mich. Sollte ich nicht dankbar dafür sein?

Bald ist mein kleines Baby groß

Bald wird es groß sein. Und dann höre ich nur noch: "Boah Mutter, du bist uncool. Du hast davon keine Ahnung. Lass mich in Ruhe!" Die Vorstellung lässt mein Mutter-Herz erbeben.

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Himmelarschundzwirn, ja, es geht mir verdammt oft auf meinen nicht vorhandenen Sack. Ich fluche jede Nacht, wenn ich die Milchbar ständig aufs Neue öffnen muss, damit der kleine Suffkopf sich wieder selig in sein Koma saufen kann.

Ich fluche tagsüber, wenn die kleinen Hände mir in den Ausschnitt grabbeln und versuchen, mich binnen Sekunden zu entkleiden. Ich schwöre, kein vor lauter Lust aufgeladener Mann kann das so schnell, wie dieses kleine Wesen. It's magic! (Randanmerkung vom Vater: DER PAPA IST SEHR STOLZ AUF SEIN KIND!)

Und dann sind die Momente, in denen ich nicht fluche. Momente, ich denen ich unendlich dankbar bin, dass ich immer noch stille. Momente, in denen mein Kind mir liebevoll zeigen kann, dass es diese innige Verbindung zwischen sich und seiner Mutter liebt. Ja, da kriege ich auch mal Pipi in den Augen.

Und außerdem: Diese zwei Milchtüten sind die absolute Wunderwaffe, wenn gar nichts mehr geht. Kennst du diese Situationen, wenn dein Kind plötzlich wütend ist, weil ihm möglicherweise ein absolut gemeiner Pups quer sitzt, der blöde Baustein nicht so will, wie dein Kind es möchte oder einfach absolute Übermüdung herrscht?

Stillen hilft gegen die Anspannung

Ja, dann ist das Kind erst einmal "nur" wütend. Und es reicht ein kleiner Tropfen, eine falsche Bewegung von Mama, ein "Lass das bitte!" von Mama und dann ist Armageddon.

Wut, Raserei, blind vor Emotionsparty im Kopf. Das kennst du vielleicht auch von dir. Dann brennen alle Sicherungen durch. Oft mache ich mich in solchen Situationen so gut ich kann zum Clown für mein Kind.

Ich probiere Reden, ich probiere Ablenken, ich probiere Weggehen. Es hilft mäßig. Das arme Wesen ist so völlig überladen und weiß mit all den Gefühlen nicht wo es diese lassen soll. Häufig hilft dann viel Geduld und Ruhe. Und irgendwann ist dann wieder alles in Ordnung.

Ich spüre jedoch, dass eine gewisse innere Anspannung in meinem Kind einfach nicht weichen möchte. Oder sie kann es nicht. Das tut mir immer so schrecklich leid. Da bist du so klein und voller Wut und hast dich endlich beruhigt, aber dann bleibt da einfach dieser kleine Rest.

Das kennst du bestimmt von dir selbst: Nach einem großen Wutanfall bleibt dieses ätzende unwohle Gefühl, über das du nicht zu sprechen wagst. Es bleibt. Du spürst es. Es soll aber weg. Und genau dieses Gefühl bleibt auch bei deinem Kind, welches sich darüber nicht einmal verbal auslassen kann, weil es noch gar nicht dazu in der Lage ist.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass Mamas Brust da helfen kann

Ja, mit diesem kleinen Rest innere Anspannung kann Mutter dem Kind helfen umzugehen. Wie und womit? Ich glaube du weißt es bereits: Mit den zwei Wundertüten! Ahhhhhh, merklich weicht dieser fiese kleine Stiesel-Rest. Puff, einfach weg!

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Ich bin sehr dankbar dafür, dass Mamas Brust da helfen kann. Sie spendet Nähe, Liebe, Ruhe und Vertrauen. Ach, diese Brüste, absolute Zauberei! Eben war noch Gefühlsarmageddon, jetzt rennt das Kind freudig jauchzend durch die Gegend.

Manchmal frage ich mich, ob da wirklich "nur" Milch oder doch irgendetwas Bewusstseinserweiterndes herauskommt. Plötzlich gleicht die Stimmung meines Kindes der Szene aus "Kevin allein zu Haus", in der Kevin realisiert, dass er - Surprise! - alleine zu Hause ist und vor Freude völlig durchdreht. Du verstehst.

Hätte ich nach sechs Monaten abgestillt, wäre mir nie bewusst geworden, dass diese zwei Melonen nicht nur zum Anheizen zwischen Mama und Papa gut sind sondern dem Kind Sicherheit, Nahrung, Entspannung und eine top Einschlafhilfe bieten. Und wir können dabei so schön kuscheln.

Es gibt gute Tage. Es gibt schlechte Tage. So ist das beim Stillen

Ja, jetzt erst habe ich verstanden, dass Sinn und Zweck der hübschen Glöckchen darin bestehen, meinem Kind in seinen ersten Lebensjahren beim Aufwachsen zu helfen. Alles andere ist zweitrangig, wenn auch gern in sexy Filmchen oder auf hübschen Fotos ganz anders dargestellt.

Was soll ich sagen? Es gibt gute Tage. Es gibt schlechte Tage. So ist das beim Stillen. So ist es im Leben. Und jetzt fange ich an philosophisch zu werden. Damit ist der Punkt erreicht, an dem dieser Beitrag sein Ende findet.

In diesem Sinne,
hör auf das, was dein Muttergefühl dir sagt!

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf dem Blog "Ich bin deine Mutter".

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