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Stierkampf, Romantik und viel nackte Haut: Wer beim Halbfinale von Let's dance punkten konnte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LETS DANCE 2017
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Der Tanzabend in Köln-Ossendorf wird heute von den Profitänzern Oana Nechiti (01) und Erich Klann (02) eröffnet. Beide sind im richtigen Leben miteinander verheiratet und bei der RTL-Schwof-Show mit ihren Promi-Partnern bereits ausgeschieden.

Klann hatte vergangenes Jahr gemeinsam mit Victoria Swarovski (03) noch den Titel geholt. Oana trägt heute Abend ein mit Lampen durchsetztes Kleid, das den Nachthimmel über dem Studio hell erstrahlen lässt. Ich habe ja immer gesagt, Oana ist eine ziemliche Leuchte.

Kurz vor Beginn der Live-Show zieht Sylvie Meis noch mal alle Register und versichert dem im Publikum sitzenden Faisal Kawusi (04), der sich bei seinem Ausscheiden gewünscht hatte, sie möge sich bitte ausziehen, ihr Kleid (05) wäre "das, was Nacktheit am nächsten kommt". Das allerdings kam der Wahrheit nicht am nächsten.

Schwört jedenfalls Daniel Hartwich. Er beteuert, er habe sie "bei Let´s Dance auch schon nackter gesehen". Nacktrekord oder nicht, das Publikum rastet im Saal aus und Feministinnen drehen sich im Grab um. Apropos Rumdrehen: Es wird auch getanzt. Jedes Paar muss dreimal aufs Parkett.

Tanz-Runde 1: Wilde Toreros, weiche Hände und schmutzige Chicas

Angelina Kirsch (06) startet mit einer Salsa, für die sie sich laut Tanzpartner Massimo Sinató (07) in eine "schmutzige kleine Chica" verwandeln muss. So schmutzig wird es dann aber nicht.

Selbst die Fotografen auf der Presse-Tribüne zeigen sich lieber gegenseitig Bilder von halbnackten Y-Promis auf ihren Handys. Das sieht auch Juror Jorge González (08) so: "Ich hätte mir gewunscht noch meehrrr schmutzige".

Genug schmutzige ist danach aber Gil Ofarim (09). Jorge sieht "ein rrrrichtig Torero". Satte 29 Punkte. Ein ffffalsch Torero dagegen ist Giovanni Zarrella (10). Er holt nur 19 Punkte. Vanessa Mai ist besser vorbereitet und hat ihre Hände in Perwoll gebadet. Jorge schwärmt: "Deine Hande waren sön weich".

Hätte sie mal besser ihre Füße auch mit Perwoll bearbeitet. Llambi bemängelt nämlich: "Der Fußansatz, den du sonst so perfekt hattest, war heute nicht da". Nur 24 Punkte. Für Vanessa-Mai-Verhältnisse ist das etwa so viel, wie Deutschland beim letzten Eurovision Song Contest geholt hat.

Auf der Kandidaten-Empore empfängt Sylvie sie tröstend. Sie weiß: "Dass eure Fans nicht anrufen ist eure größsteste Angs". Ihre meistesten Tränen vergießt danach Vanessa. Sie weiß, "dass ich es versaut habe". So sad.

Blitzlicht und Schatten

Stichwort versaut. Auf der Bühne gibt es Quickstep, oben auf der Presse-Tribüne Klickstep. In Reihe 1 sitzen dort die Fotografen. Ich denke also die ganze Zeit, alle Promis auf der Bühne strahlen mich euphorisch an. Tatsächlich flirten sie nur mit den Fotokameras, im Wettstreit um das beste Bild des Abends, das dann seine Tournee durch die Gossip-Magazine des Landes antreten wird.

Auch hier dreht sich allen, die im "Alice Schwarzer ist meine Göttin"-T-Shirt gekommen sind, der Magen um. Die meisten der Profi-Fotografen starten nämlich immer erst dann ein aufgeregtes Blitzlichtgewitter, wenn eine Dame auf der Bühne outfittechnisch tief blicken lässt.

Daniel Hartwich? Joachim Llambi? Langweilig. Gil Ofarim? Giovanni Zarrella? Die Kameras bleiben unberührt. Oh, ein Höschenblitzer von Vanessa Mai: Mehr Fotos, als Dieter Bohlen in 40 Jahren Partyszene Handynummern von Discomäusen gesammelt hat.

Tanz-Runde 2: Body Shaming, kackende Enten und Lästerschwestern

Angelina Kirsch kehrt mit einem Tanz auf die Bühne zurück, den die meisten Fußballprofis für das spanische Wort für "Doppelpass" halten: Paso Doble. Tatsächlich ist der Paso Doble, das weiß sogar Balztänzer Cristiano Ronaldo, ein progressiver Tanz, der einen Stierkamp darstellen soll.

Kommt bestimmt auch nicht so gut an bei der Body-Shaming-Polizei, dass RTL ausgerechnet das Curvy-Model einen Stierkampf nachtanzen lässt. Gab es keinen Elefanten-Tanz, um es noch plakativer zu gestalten? Angelina scheint das deplatziert zu finden. Zu Recht. Sie wirkt verunsichert. Nur 20 Punkte. Besser passt der Paso Doble zu Giovanni.

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Motsi ist entzückt: "das war dein Tanz". Selbst der Horst Seehofer der Juroren, Joachim Llambi, sieht "keine Veranlassung, den Tanz nicht gut zu finden". Er lobt besonders, dass Gio bis zum Ende voll durchgetanzt hat. Der Tanzgott aus Duisburg weiß: "hinten kackt die Ente". Die Jury kackt auch.

Nämlich 27 Punkte. Mehr Punkte hat nicht mal Margot Käßmann in Flensburg.

Have A Break, Have A eKat

Eine Rumba, die Romantik auf das Parkett zaubern soll, ist Gils zweiter Tanz. Die Mädchen-Fraktion hinter mir rastet komplett aus. Vermutlich Praktikantinnen von Boulevardmagazinen, die sich hauptsächlich mit qualitätsjournalistisch wertvollen Schlagzeilen wie "Ist eKat von Gil schwanger?" über Wasser halten.

Den bisherigen Abend haben sie hauptsächlich damit verbracht, Sylvie Meis nachzuäffen. Jetzt hyperventilieren sie. Gil allerdings auch. Emotional. "Ekaterina (11) hat mir für 1 .40 Minute das Gefühl gegeben, ich könnte Rumba tanzen." Ein ganz anderes Gefühl hat er damit wiederum Jorge González gegeben: "was mir sehr gut gefallen hat, sind deine Verdrehungen im Oberkörper".

Das kann ich mir vorstellen. Er würde sich sicher auch mal gerne mit Gils Oberkörper irgendwo in Ruhe gemeinsam verdrehen. Außerdem würde er gerne mal an Gil und eKat naschen. Er schwärmt jedenfalls "die Atmosphäre zwischen euch ist so lecker".

Irgendwo in München sitzt Gils Ehefrau mit seinen zwei Kindern vor dem Fernseher und stöhnt genervt: "Och nee. Erst die Tanztante und jetzt auch noch der Jury-Otto".

Gil Schweiger in "KeinPunktHaben"

Daniel Hartwich, dem übrigens ebenfalls schon eine Affäre mit der Profitänzerin aus Wolgograd nachgesagt wurde, ist ebenfalls leicht erregt. Er säuselt: "Ist das noch Rumba, oder schon Freundschaft Plus?"

Motsi dagegen betrachtet eher die Körperteile weiter unten und stellt fest: "Du hast bessere Fußarbeit als die meisten Frauen". Bitte? Was kommt als nächstes? Du kannst besser Tische decken als Hausfrauen?

Nicht nur der RTL-Gleichstellungsbeauftragte Joachim Llambi ist entsetzt. Auch Anne Wizorek plant vermutlich schon #Aufschrei2. Nach Body Shaming jetzt also auch noch Sexismus. Und das zur Primetime. Danke, RTL! Unberührt davon tanzt Gil Schweiger mittlerweile so gut, dass sein Film "KeinPunktHaben" vermutlich floppen wird.

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Vanessa gelingt ihr zweiter Tanz. "The Chica is back" kreischt Jorge. Bei ihm weiß man allerdings nie so genau. Da uns auf der Pressetribüne die Untertitel fehlen könnte es auch „Dich schicke ich weg" geheißen haben.

Glaube ich aber eher nicht, denn Llambi ergänzt: „Das war die Vanessa, die wir kennen". 30 Punkte. Noch einer mehr als Gil. "Tittenbonus".

Das jedenfalls meint das Netz. Dort kommt Vanessa Mai insgesamt nicht sehr gut weg. "Null Authentizität", "will sie sich jetzt ins Finale heulen?" oder "Vanessa gegen Gil, das ist Ziege gegen Hengst" sind da noch die nettesten Kommentare.

Davon bekommen die Protagonisten im Studio natürlich erst mal nichts mit. Sylvie fragt daher ungerührt in heller Begeisterung: "realisierst du dich das?" Hoffentlich eskaliert sie sich anschließend nicht.

Tanz-Runde 3: 180 Sekunden, ausgestellte Popos und Teilnehmer-Urkunden

Impro-Dance Extreme. Ein unbekannter Tanz und nur drei Minuten, um Outfit und Choreo festzulegen. 180 Sekunden - eine vertraute Zeitspanne für RTL-Zuschauer. Ihr Liebesspiel dauert durchschnittlich ebenfalls so lange. Mit Vorspiel.

Und Zigarette danach. Angelina darf als erste und holt 25 Spontanpunkte. Massimo appelliert an die Zuschauer, fleißig anzurufen. Nachdem das Curvy-Model zu Beginn der Staffel übel beleidigt wurde und Sprüche wie "Heb dir keinen Bruch, Massimo" ertragen musste, hatte er ihr versprochen, sie bis ins Finale zu bringen.

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Jetzt stehen sie kurz davor. Aber auch der Ehemann von Rebecca Mir (13) profitiert von Angelina: "Meine Tanzpartnerinnen sind sonst meistens 90-60-90. Durch Angelina habe ich meine ganze Art zu tanzen ändern müssen, auch als Choreograph. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Ich bin zu meinen Wurzeln als Tänzer zurückgekehrt".

So weit waren seine Wurzeln allerdings auch nicht weg. Die meiste Zeit dieser 10. Staffel trug er sie als Frisur auf dem Kopf.

Giovanni gelingt sein anschließender Wiener Walzer sehr viel besser, als Llambi erwartet hätte. 25 Punkte, nicht schlecht. Überraschend schwer tut sich Gil. Llambi beschreibt es morbide: "Ich habe gedacht, bringt der eKat jetzt um die Ecke?"

Motsi findet, "dein Po war ziemlich weit draußen". Jorge stört das weniger. Trotzdem nur 22 Punkte. Auch für Vanessa läuft es nicht viel optimaler. Llambi ringt sich zu einem "Die Samba war zu erkennen" durch.

Wohl so was wie eine Teilnehmer-Urkunde. Sie fleht das Publikum an, dennoch anzurufen. Sie möchte unbedingt ins Finale. Nicht in erster Linie für sich selber, sondern für Tanzpartner Christian Polanc (14).

Er ist seit 9 Jahren dabei und sagt "ich weiß nicht, wie lange ich das noch machen kann, ich werde ja auch nicht jünger".

Eine kurze Aussage und zack - Krisenpotenzial in Deutschen Wohnzimmern! Die Damen alle so: "Oh nein! Nicht der Polanc! Wenn der nächstes Jahr nicht mehr dabei ist, dann ist ja alles nur noch halb so schön!"

Die von ihren Partnerinnen zum freitäglichen RTL-Tanztee gezwungenen Männer dagegen alle so: "Dann ist der endlich weg, dieser Tom Cruise für Mallorca-Pauschaltouristinnen".

Es ist vorbei, bye, bye Giomond

Das Glückskind des Abends wird dann Angelina Kirsch. Sie holt aus drei Tänzen die wenigsten Punkte, hat aber anscheinend deutlich mehr Fans als Giovanni. Im Telefonvoting der Zuschauer reißt sie ihre Gesamtpunktzahl nach oben. Gil und Vanessa tanzen ohnehin in einer anderen Liga und so trifft es Giovanni.

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Er fliegt. Am kommenden Freitag fällt im Finale also die Entscheidung, wer Dancing Star 2017 wird, zwischen Angelina Kirsch, Gil Ofarim und Vanessa Mai.

Das Netz befürchtet, RTL habe mit seiner hauseigenen Schlagerqueen Vanessa die Gewinnerin schon vorgegeben. Aber selbst wenn es so wäre: in Live-Shows kann viel passieren. Ich werde natürlich dabei sein und alles minutiös dokumentieren.

See you on the Dancefloor, Eure Marie

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