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Let's dance: Never Change A Winning Gag

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LETS DANCE
Florian Ebener via Getty Images
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Köln-Ossendorf ist nicht unbedingt bekannt für sein attraktives Flair. Und doch pilgern mehrfach die Woche Tausende von Menschen in den Nord-Westen Kölns. Ihr Ziel: Ein Glasbau, der von außen wie der Hauptsitz eines Versicherungskonzerns wirkt.

Hinter der Büro-Fassade geben sich jedoch keine Sachbearbeiter die Klinke in die Hand, sondern eine veritable Anzahl an dem, was in diesem Land so als Promi gilt. So auch am Freitagabend, dem Sendeplatz des wöchentliche Tanzdramas „Let´s Dance".

Never Change A Winning Gag

19:45 Uhr. Vor dem Studio werden noch Teile der „DSDS"-Kulisse abgebaut. Reges Treiben an allen Ecken. Und auch in der Tanzarena ist bereits jeder Platz besetzt. Warm-Upper René versucht, das Publikum mit Steppdance-Einlagen und Sprüchen wie „Wer im Publikum ist Single? Wer ist verheiratet? Aha, und wer ist verheiratet, wäre aber lieber Single?" auf Ballermann-Ausrast-Niveau zu pushen. Wort für Wort dieses Programms hat er im vergangenen Jahr schon abgezogen. Never change a winning Gag. Das findet auch Moderator Daniel Hartwich, der René als „besten Warm-Upper" vorstellt. René sieht ein bisschen so aus, wie der kleine Bruder von Franklin. Der moderierte die „100.000 Mark Show", als ich so ungefähr 8 Jahre alt war. Ein freundliches Wort für die Journalisten auf der Pressetribüne hat Hartwich auch übrig: „Na ihr Schmierfinken?". Verständlich. Die Presse meint es nicht immer gut mit ihm. So wurden ihm schon Fettleibigkeit oder Affären mit Profi-Tänzerin Ekaterina Leonova nachgesagt.

Wo liegt eigentlich UnterstĂĽtzing?

Dann gehen die Kameras endlich an und die Nation darf auf den Sofas mitschunkeln. Wer am Abend den meist recht spektakulären Contemporary tanzen darf, kann man oft schon beim Einlauf der Paare erkennen. Wer barfuß kommt, tanzt Freestyle. So tippe ich diese Woche auf Vanessa Mai und Cheyenne Pahde. Erst mal ist aber Angelina Kirsch dran. Das Curvy-Model weiß: „Man muss auch zeigen, was so an einem dran ist". So jedenfalls kommentiert sie ihren Instagram-Account, der vornehmlich aus Bildern ihres nur spärlich bekleideten Hinterteils besteht. Sichtlich begeistert tauft ihr Profipartner Massimo Sinató ihre Pobacken auf die Namen J.Lo und Kardashian. Viele Klatschmagazine halten das Gesicht seiner Ehefrau Rebecca Mir ja für eine Mischung aus J.Lo und Kim Kardashian. So gesehen hat Massimo nun auch Zugriff auf die Rückseite dieser explosiven Mischung. Joachim Llambi, der Al Bundy der Tanzszene, verstrickt die Jury nach dem Auftritt in eine Diskussion über Angelinas Schuhe. Die Frage, ob Cuban Heels jetzt flache Schuhe sind oder doch als Stöckel durchgehen, bleibt aber unbeantwortet. 27 Punkte sind dennoch ziemlich gut. Sylvie Meis appelliert sicherheitshalber trotzdem ans Publikum: „Angelina braucht ihre Unterstützing". Unterstützing? Wahrscheinlich eine Stadt in Bayern.

Susi und der HSV

Boxerin Susi Kentikian möchte unbedingt mehr als die enttäuschenden 11 Punkte vom vergangenen Freitag. Joachim Llambi scheint das nicht so zu interessieren. Was man an den TV-Bildschirmen nicht sieht: Er spielt den gesamten Einspieler mit seinem Handy. Beim Urteil philosophiert er so lange darüber, was Susi in Zukunft alles Schwierigkeiten machen könnte, bis Jorge González die Morbid-Keule auspackt: „bleiben wir bei heute, morgen vielleicht sie sind tott". Und damit meint er tatsächlich, das Zeitliche zu segnen und nicht etwa den Sportdirektor vom HSV. Susi holt 20 Punkte. In drei Minuten. Der HSV hat dafür 21 Spieltage gebraucht. Auch Cheyenne Pahde ertanzt sich anschießend 20 Punkte. Für einen Contemporary eher wenig. Motsi erklärt, warum: „Es sah eher aus wie: Oh, Selfie machen". Joachim Lambi urteilt:
„Wenn du nach Drehungen kommst, wackelst du ein bisschen nach". Aha. Cheyenne ist bedient und entschwindet. Vermutlich erst mal in die Pahdewanne.

Arland Is My Land, Arland Is Your Land

Anni Friesinger versucht es mit einer Carrie Bradshaw Gedächtnis-Frisur. Llambi fordert eine anatomische Korrektur: „Dass der Oberkörper kürzer wird und dein Kopf nach vorne, daran musst du arbeiten". Das gibt 14 Punkte. 10 Punkte gibt es danach für Dauer-Loser Maxi Arland. Das Volksmusikschnuckelchen verwandelt seine Rumba in eine „Karate Kid Nummer" (Llambi). Nach ihm punktet Faisal Kawusi mit deutlich mehr Bewegungsradius. Er hatte nach dem vernichtenden „Oana tanzt, du stehst Rumba" der Vorwoche da auch noch etwas gut zu machen. Und das gelingt. Das Studio erlebt die ersten Standing Ovations des Abends. Jurorin Motsi Mabuse ist verzückt und ruft „das war Samba, Leben, Bewegung". Samba, Leben, Bewegung. Was im ersten Moment klingt, wie ein Albumtitel von Matthias Schweighöfer, ist für das Comedy-Pummelchen („ohne Oana wäre ich nur ein großer, dicker Mann") ein Adelstitel. Jorge fühlte sich sogar in die Heimat des Sambas versetzt („Das war Rio de Janeiro!"). Ein langer Weg von Afghanistan an den Zuckerhut. Garniert mit 22 Punkten. Bei Giovanni Zarrella ist Jorge dagegen sofort im Chico-Modus. Motsi hat in der Werbepause in einem Esoterik-Buch geschmökert und entdeckt „Energieabbrüche" in der Darbietung. Trotzdem 20 Punkte. Ebenfalls mit einer Salsa fährt Heinrich Popow einen Punkt weniger ein: 19. Ann-Kathrin Brömmel verrät im Einspieler vor ihrem Tanz, ein Problem mit Nähe zu haben. Jorge versucht es mit der Brechstange und verwandelt sich in einen Porno-Casting-Direktor: „Das nächste mal berühr ihn, fass ihn an". Ohne Anfassen holt sie dennoch immerhin 24 Punkte.

31 Punkte

In den Werbepausen wird das Publikum im Studio mit kulinarischen Highlights bei Laune gehalten: Bretzel und Capri Sonne für alle! Klassenfahrt-Atmosphäre in Ossendorf. Zurück im Live-Programm folgt so gestärkt direkt der nächste Höhepunkt: Vanessa Mais Contemporary. Inklusive einem spektakulären Drehsprung mit der gesamten Bühnenfläche als Anlauf. Wieder reißt es das Publikum von den Sitzen. Der zweite Standing Ovations Moment der Folge. Auch die Jury ist in Extase. „Alles, was ich sagen würde, bringt nicht auf den Punkt, wie wunderbar das war", kollabiert Motsi. Vanessa erhält verdiente 30 Punkte. Joachim Llambi macht klar, dass er sogar 11 Punkte gegeben hätte, wenn die Skala nicht bei 10 aufhören würde.

Als letztes Paar treten Gil Ofarim und eKat an. Während man noch darüber sinniert, ob sie die Sensationsleistung aus dem Contemporary der Vorwoche überhaupt wiederholen können, flippt das Studio bereits aus. Ekaterina Leonova sieht aus wie das Gemälde einer spanischen Schönheit. Ihre Haare zu einem Knoten im Nacken gesteckt, tanzt sie mit Gil einen Tango, der endgültig dafür sorgt, dass sich jeder im Studio und an den Fernsehschirmen in dieses Paar verliebt. Gott sei Dank geht der Tanz nur knapp drei Minuten. Andernfalls wäre Jorge González vermutlich an Ort und Stelle verendet: „Ich konnte nicht atmen. Was ihr gemacht habt, war kein Tanzen, das war etwas anderes." Wahrscheinlich etwas, das mit Sex zu tun hat. Motsi zumindest hyperventiliert nach Gils Handkuss: „Wenn du mich anfasst, da passieren Dinge in meinem Körper, da bekomme ich schwitzige Hände." Gil bekommt etwas anderes, nämlich 30 Punkte. Der Hattrick. Drei Wochen in Folge 30 Punkte. Ein historischer Rekord.

Babyalarm auf dem Tanzflur

Apropos Rekord. Um die vier Stunden Sendezeit trotz nur noch 11 Paaren voll zu bekommen, folgt auf die Paartänze noch ein „Girls vs. Boys" Battle. Die Damen versuchen, zu „Big Spender" möglichst lasziv zu wirken, die Jungs zu „U Can´t Touch This" möglichst cool. Das gelingt sogar Maxi Arland, für den es ungewohntes Lob hagelt. Die Jury kürt die Boys zu den Siegern. In der letzten Werbepause vor der Entscheidung tanzt Ekaterina Leonovo mit ihrer Maskenbildnerin und umarmt sie mehrfach herzlich, voller Dankbarkeit und Freude. Manchmal sind es die Momente, die nicht im TV gezeigt werden, die besonders deutlich machen, wie die Menschen auf der Bühne so ticken. Kaum sind die Kameras wieder an, verkündet das „Let´s Dance"-Urgestein Isabell Edvardsson, in dieser Staffel die Profi-Partnerin von Maxi Arland, unter Tränen, dass dies ihr letzter Tanz bei RTL war. Sie ist schwanger und steigt aus. Nachdem sie bei allen bisherigen 10 Staffeln dabei war, ist dieses Jahr nach Folge vier Schluss. Maxi muss aber nicht alleine weitertanzen. Die vergangene Woche mit Bastiaan Ragas ausgeschiedene Sarah Latton springt ein.

Am Ende, als Daniel Hartwich und Sylvie Meis wie immer das Ergebnis aus Jury-Punkten und Zuschauer-Anrufen verkünden, zittern Susi, Ann-Kathrin und Anni. Bei Ann-Kathrin überrascht das. Sind ihre fast 700.000 Instagram-Fans etwa Fernsehmuffel? Mit 24 Punkten wäre sie normalerweise nicht unter den schlechtesten Drei, es sei denn, es wurde sehr wenig für sie angerufen. Diese Woche hat sie aber noch mal Glück. Eisschnellläuferin Anni Friesinger muss gehen. Nächste Woche nimmt „Let´s Dance" dann seine klassische Karfreitags-Pause. In 14 Tagen bin ich aber wieder vor Ort!

See you on the Dancefloor
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