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Let's dance: das Schlimmste beginnt erst nach dem Ausscheiden

27/05/2017 13:16 CEST | Aktualisiert 27/05/2017 13:16 CEST
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Die wichtigste Personalentscheidung der Woche verbreitete sich schon lange bevor am Freitag Abend Sylvie Meis und Daniel Hartwich wieder mit einer Mischung aus Hochdeutsch und Stammtischwitz die 10. Show der 10. Staffel „Let´s Dance" eröffneten über die einschlägigen Boulevard-Titelseiten:

Heinrich Popow muss verletzt aussteigen. Der Leichtathlet und Paralympics-Sieger hat einen entzündeten Stumpf und darf nach ärztlicher Anweisung nicht weiter tanzen. Für ihn rückt Ex-BroSis-Sänger Giovanni Zarrella nach. Er war gerade letzte Woche erst ausgeschieden. Aber RTL hat ihn mittlerweile auf Kurzwahltaste.

Mit kurzfristigem Ersetzen von eigentlich eingeplanten Tänzern kennt er sich nämlich aus. Erst kurz vor Beginn der Staffel hatte er Pietro Lombardi ersetzt, der ebenfalls verletzt passen musste. Und bevor Sie fragen: Ja, Alessio geht es gut!

Die Mai ist gekommen

Die erste auf dem Tanzflur heute Abend ist Schlagerprinzessin Vanessa Mai. Im Einspieler aus der Trainingswoche zu ihrem Quickstep betont sie mehrfach, wie schwer dieser Tanz ist. Sie entwickelt sich langsam ein bisschen zu dieser einen anstrengenden Streberin, die wir alle in der Klasse hatten.

Die, die nach jeder Arbeit tagelang lamentierte, sie hätte die Klausur ganz schlimm verhauen, um dann mit gespielter Verwunderung doch wieder ein „Sehr Gut" abzuholen. Überraschender Weise gelingt ihr der Tanz hervorragend, sie erhält 29 Punkte.

Für Comedian Faisal Kawusi ist die Tanzfläche weniger natürliches Umfeld wie für Vanessa. Das ist nicht verwunderlich. Immerhin verdient er sein Geld im wahren Leben nicht mit Songtexten wie „Und wenn ich sterb, ich sterb für dich" und dazugehörigen Choreographien.

Für Juror Joachim Llambi ist er dennoch gestorben. Da hilft auch sein Fred Feuerstein Originaloutfit nicht. 2 Punkte von Llambi, je 5 von Motsi Mabuse (heute in schneeweißem Hochzeitskleid) und Jorge González. 12 Punkte.

Dieter Bowlen

Comebacker Giovanni holt 19 Punkte, bevor Curvy-Model Angelina Kirsch sich mit einem einzigen Song bei allen Fat Shaming Peinlichkeiten rächt, die sie über die Jahre einstecken müsste. Sie tanzt zu „Männer sind Schweine" von den Ärzten.

Mehr zum Thema: Emotionaler Auftritt bei "Lets´s Dance": Mit diesem Tanz hat Angelina alle Kritiker zum Schweigen gebracht

Wie immer in einer tanzrhythmisch angepassten Coverversion. Diese leider offensichtlich eingesungen von Dieter Bohlen auf Helium. Am Ende der Performance sind alle leicht euphorisiert. Bei Tanzpartner Massimo Sinató steht sogar der Hosenstall offen.

Halb so wild, findet Llambi. Sein Kommentar lautet: „Kleinigkeiten gehen nicht verloren". Bestürzt im Publikum: Frau Sinató, Rebecca Mir. Entsetzt fragt sie sich: Woher weiß der das? Bevor es aber homoerotisch wird und in Köln-Ossendorf womöglich eine Scheidung ins Haus steht, fragt Eheberaterin Sylvie Meis „nach die Punkte". Davon gibt es 26.

Der anschließende Wiener Walzer von eKat und Gil Ofarim wartet zwar mit einer modernen Choreo auf, überzeugt aber nicht mit perfekter Tanztechnik. Auf dem Niveau, das man von Gil und seiner Tanzpartnerin Ekaterina Leonva gewöhnt ist und vor dem Hintergrund, dass Gil offiziell angekündigt hat, „Let´s Dance" gewinnen zu wollen, sind die daraus resultierenden 24 Punkte fast schon eine Enttäuschung.

Zeig doch mal die Möpse

In der zweiten Runde, den Fusion-Tänzen, in denen zu Schlagermusik zwei unterschiedliche Tanzstile vereint werden müssen, holt Faisal nur 11 Punkte. Betrübt nimmt er das Urteil entgegen und trauert um vergebene Chancen, verpatzte Tänze und seinen besten Tanzfreund Heinrich Popow, der nicht mit ihm auf der Promi-Tribüne stehen kann.

Sylvie Meis nimmt das melancholische Riesenbaby so mit, dass sie ihn fragt: „Was kann ich tun, dass es Dich besser geht?". Das lässt sich Hobby-Feminist Faisal nicht zwei Mal sagen und antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Zieh dein Kleid aus".

Dem RTL-Gleichstellungsbeauftragten Joachim Llambi schießt bei diesem Gedanken offensichtlich mehr Testosteron in den Schritt, als 12-Jährigen Justin Bieber Fans beim Anblick seiner Oberkörperfrei-Selfie-Kollektionen (05) auf Instagram. Er wedelt mit der Punktekelle „10" und animiert das Publikum zu Sprechchören.

Bevor die Single-Männer im Publikum in „Ausziehen! Ausziehen!" Gesänge verfallen, rettet die holländische Moderationsgeheimwaffe die Situation. Sie bricht in hektisches Gekicher aus und stammelt „das geht nicht, es ist eine Familiensendung". Bevor das Niveau gänzlich Richtung Ballermann abdriftet, schickt RTL Giovanni in seinen zweiten Tanz.

Viel bleibt nicht hängen, außer einer extrem miserable Cover-Version von „Biene Maja". Besser macht es danach Vanessa Mai. Bei einer Schlager-Fusion ganz in ihrem Element, tanzt sie zu „Schöner, fremder Mann". Ich weiß nicht, ob sie ihren Tanzpartner Christian Polanc für schön oder fremd oder beides hält, sie holen aber dennoch 30 Punkte.

Top 10 der schlechtesten Coverversionen der Welt

Um die Hitparade der missglückten Coverversionen abzurunden, absolvieren Angelina und Massimo ihren zweiten Tanz zu einer Tango-Version von „Atemlos", die selbst Moderatoren von Frühstücks-Radiosendungen die Tränen in die Augen schießen lässt. Und die sind Kummer gewohnt, was unterirdische Musik angeht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich in diesen Formaten die Musikauswahl dem Niveau der Witze der Moderatoren anpasst.

Besser als der Humor von Gute-Laune-Radiofritzen kommt ihr Tanz weg. Jorge steigert sich in ein „Für anfangge ahn habe ich gesaut auf deinne danz von den dango un de schahschah" hinein. Was immer das bedeuten soll.

Motsi versucht, zu übersetzen, und verrät: „Du bist heiß, du bist geil, du bist sexy, du bist Supergirl, hör auf zu weinen!" Pflichtbewusst nickt Angelina und - richtig, weint. Das gefällt Joachim Llambi nicht. Zur Strafe zitiert er aus seiner Zeit als Pornofilm-Consultant: „Nicht nur oben, sondern auch unten muss alles stimmen".

Sophia Thomallalalalong

Unten und auch oben stimmt es dafür dann aber wieder beim letzten Tanz der Folge mit Gil und eKat. Standing Ovations für ihre Fusion aus Tango und Jive zu „Für mich soll es rote Rosen regnen". Ein paar verträumte Rosen finden wirklich ihren Weg auf die Bühne. Mehr als Rosen regnet es aber Punkte. 30 insgesamt. Full House.

Zum Verlesen der Jury-Gesamtergebnisse des Abends hat Daniel Hatwich sich Unterstützung von zwei Ex-Gewinnerinnen geholt. Maite Kelly und Sophia Thomalla. Eine kurze Recherche ergibt, dass Sophia Thomalla erst 27 Jahre alt ist. Ich hatte mich kurz vom Second Screen ablenken lassen. Im Netz schätzt man den großflächig tätowierten Dancingstar-Champion von 2010 auf etwa 48.

Andreas Möller findet das nicht so schlimm. 27 oder 48, egal - Hauptsache dreistellig. Mindestens dreistellig waren auch die Anrufe der Zuschauer für Vanessa Mai, denn in der finalen Verkündung, wer so kurz vor dem Halbfinale ausscheiden muss, ist sie als erste aus dem Schneider.

Ihr folgen Gil Ofarim und Angelina Kirsch. Faisal Kawusi und Giovanni Zarrella zittern. Am Ende trifft es Faisal Kawusi. Für mich ein Negativ-Highlight der Staffel: Der direkt anschließende Jubel von Giovanni. Etwas zu arrogant bejubelt er seinen Sieg im Zitter-Shoot-Out.

Natürlich freut man sich, wenn man dabei bleiben darf, aber etwas Respekt dem Unterlegenen gegenüber steht jedem gut zu Gesicht. Nicht umsonst heißt es, dass man einen guten Sportler vor allem daran erkennt, wie er mit seinen Gegnern umgeht.

Es fehlt künftig das Faisalz in der Suppe

Das könnte ihn Sympathien und damit Anrufe im Halbfinale am kommenden Freitag kosten. Ich lege mich daher mal fest: Das Finale am 9. Juni wird Giovanni Zarrella nicht als aktiver Kandidat erleben. Team #CiaoGiovanni.

Faisal dagegen steht noch minutenlang fassungslos und mit echter Enttäuschung auf der Bühne in einer Traube von Kandidaten und Tänzern, denen er über die Wochen sehr ans Herz gewachsen ist. Auch den Vertretern der Presse wird der stets etwas überdrehte Tanzbär fehlen. Und das ist ein Kompliment.

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Ausscheiden alleine ist ja schon kein besonders amüsantes Erlebnis. Hier ist die Tortur aber nach der Verkündung des Ergebnisses noch lange nicht vorbei. Das schlimmste daran, bei „Let´s Dance" auszuscheiden, ist nämlich nicht, die Chance vergeigt zu haben, Dancingstar 2017 zu werden, sondern dass man nach der Sendung auf dem Parkett verharren muss, um Liveinterviews mit Frauke Ludowig zu absolvieren.

Man stelle sich mal vor: Bayern München kassiert in der 95. Minute des Champions League Endspiels das 0:1 gegen Real Madrid. Und während sich Cristiano Ronaldo das Trikot auszieht und sich 5.000 mal selber für Instagram fotografiert, kommt Aki Watzke auf das Feld und will mit Robert Lewandowski darüber sprechen, ob sich das doof anfühlt.

Ohne Faisal wird es womöglich ein eher nur so mittelgutes Halbfinale. Ich werde trotzdem dabei sein und fachkundig berichten.

See you on the Dancefloor, Eure Marie

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