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Verwirrung, Wut und Angst: Wie die Menschen in London am Tag nach dem Anschlag reagieren

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LONDON
Barcroft Media via Getty Images
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Als erstes erreicht mich eine SMS aus Deutschland: "Leider ein weiteres Mal: Geht es dir gut?"

Ich studiere seit September letzten Jahres in London und als im März die Westminster Attacke die Stadt erschüttert hat, haben Freunde aus Deutschland und England das erste Mal besorgte Nachrichten geschickt.

Bei der Attacke in Manchester vor fast 2 Wochen bin ich dann die, die Fragen stellt. Die meisten meiner Freunde und Freundinnen aus dem Bachelorstudium leben dort.

Als am darauffolgenden Tag dort ein Einkaufszentrum geräumt wird, sehe ich in Fotos, die in den Medien kursieren, das angsterfüllte Gesicht der Schwester meines besten Freundes.

All das scheint gerade fast Normalität zu werden - und hat mit Normalität doch so wenig zu tun.

Londoner zeigen sich solidarisch mit #sofaforlondon Hashtag


Heute wache ich auf, als meine Mitbewohnerin mir eine Nachricht schreibt. "Das hätte jede von uns sein können," schreibt die erste. "So nah an zuhause."

Wir wohnen einige Kilometer südlich der London Bridge, mit dem Rad dauert es nur 20 Minuten - ein Steinwurf für Londoner Verhältnisse.

Meine Facebook- und Twitter-Feeds sind gefüllt mit Nachrichten der Anteilnahme für die Opfer, Beiträgen a la "wir lassen uns nicht unterkriegen" und #sofaforlondon Mitteilungen.

Mit dem Hashtag laden direkt nach den zwei Attacken gestern Nacht Londoner Gestrandete in ihre Wohnung ein. Mehrere U-Bahn-Stationen sind gesperrt und in Videos, die ich heute sehe, weist die Polizei Passanten forsch an, zu fliehen.

4 Tage vor der Wahl bleiben Angst, Wut und Verwirrung


Zum ersten Mal spürt man, dass der Terror mehr ist, als eine erhöhte Warnstufe auf dem Papier.

"Heute bin ich einfach nur wütend. Dass Menschen an einen Ort gekommen sind, den ich so sehr liebe und so viele Menschen verletzt haben," schreibt eine Bekannte, die vom beliebten London Borough Markt fliehen musste.

Acht Minuten nach dem ersten Notruf werden die drei Täter von der Polizei erschossen. Die Premierministerin Theresa May hat sich bereits diesen Morgen mit dem staatlichen Sicherheitskomitee getroffen.

In 4 Tagen stehen im Vereinigten Königreich Wahlen an. Alle großen Parteien haben ihren Wahlkampf pausiert, mit der Ausnahme der rechtspopulistischen UK Independence Party (UKIP).

Die Verwirrung ist groß, viele meiner Freunde und Bekannte sind überzeugt, die Wahl müsse doch eigentlich verschoben werden. Doch Theresa May lehnt das in ihrer Stellungnahme ab.

Mehr zum Thema: Premierministerin May kündigt schärfere Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung an

Sie kündigt an, dass der Wahlkampf am Montag weitergehe und die Wahl stattfinden wird. Es ist ohnehin unklar, ob es gesetzlich möglich wäre die Wahl zu verschieben, da das Parlament momentan wegen der Wahl nicht tagt.

Die Premierministerin verspricht eine Überprüfung der Anti-Terrormaßnahmen und erwägt, der Polizei mehr Macht einzuräumen. Doch für solche Überlegungen haben gerade wohl die wenigsten einen Kopf. Zu frisch sind die Bilder.

"Wir müssen zur Wahlurne gehen und für Hoffnung stimmen," schreibt ein Nutzer auf Twitter. Welche Partei für ihn Hoffnung verspricht, wird jeder Wähler am Donnerstag für sich selbst entscheiden.

Mehr zum Thema: Alle Entwicklungen nach dem London-Anschlag im News-Blog