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Wie ein Projekt in Ostafrika Inklusion am Arbeitsmarkt vorantreibt - und was wir alle davon lernen können

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Weltweit leben rund eine Milliarde Menschen mit Behinderungen - davon ist die Mehrheit im erwerbsfähigen Alter. Dennoch erleben gerade Menschen mit Behinderungen noch immer große Barrieren beim Zugang zum Arbeitsmarkt. In Entwicklungsländern, wie Äthiopien oder Kenia, ist die Situation besonders kritisch:

Schätzungsweise 80 bis 90 Prozent der jungen Menschen mit Behinderungen sind arbeitslos. Wie sich das ändern kann und was wir alle davon lernen können, zeigt ein innovatives Inklusions-Projekt in Ostafrika.

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Credit: Marjan van der Lingen

Das EmployAble (=„ArbeitsFähig") Pilotprojekt von der Fachorganisation Licht für die Welt geht gezielt einen der Hauptgründe für die hohe Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderungen in Äthiopien, Kenia und Ruanda an: der mangelnde Zugang zu Berufsausbildungen.

Denn dieser führt wiederum dazu, dass die Fähigkeiten für den Einstieg in den Arbeitsmarkt fehlen. In einem umfangreichen Report, der diese Woche veröffentlicht wurde, teilt das Disability Inclusion Lab Team von Licht für die Welt Strategien und eine nachhaltige Methodik, um Menschen mit Behinderungen in Berufsausbildungen und Arbeit zu inkludieren.

Das Projekt setzt auf eine barrierefreie und inklusive Berufsausbildung auf verschiedenen Ebenen: „Einerseits haben wir junge Menschen mit Behinderungen individuell gefördert. Aber gleichzeitig auch alle wichtigen Akteure - wie lokale Ausbildungseinrichtungen und die Privatwirtschaft - angesprochen und hinsichtlich Inklusion sensibilisiert, sodass langfristige und nachhaltige Verbindungen und ein systemische Veränderung entstehen", erzählt Anneke Maarse, die Projektleiterin und Inklusionsexpertin von Licht für die Welt.

Rund drei Viertel der Projektteilnehmer fanden binnen eines Jahres bezahlte Arbeit

Insgesamt erhielten im Rahmen des Programms 448 SchĂĽlerinnen und SchĂĽler aus Ă„thiopien, Kenia und Ruanda Zugang zu einer Berufsausbildung oder einer beruflichen Schulung - wovon 71 Prozent innerhalb eines Jahres nach ihrem Abschluss bezahlte Arbeit fanden. Zwei Drittel der Projektteilnehmer grĂĽndeten sogar einen eigenen Betrieb.

Doch das Projekt brachte nicht nur berufliche Ergebnisse, sondern veränderte auch das soziale Leben der Teilnehmer: Ein Jahr nach Abschluss des Trainings waren neun von zehn jungen Menschen mit Behinderungen in ihrer Community sozial aktiv, während es vorher weniger als die Hälfte waren. Neun von zehn Jugendlichen blicken heute auch zuversichtlicher in die Zukunft, wohingegen es vor dem Projekt nur ein Drittel war.

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Credit: Marjan van der Lingen

Die „Lücke" im Bildungssystem schließen

Doch Barrieren beim Zugang zum Arbeitsmarkt entstehen nicht erst bei der Berufsausbildung, erklärt Anneke Maarse: „Diskriminierung beginnt häufig bereits in der Schule, beispielsweise weil Lehrer Schüler mit Behinderungen ablehnen oder sie lediglich im Klassenzimmer tolerieren, aber ohne sie zu inkludieren.

Viele Kinder und später Erwachsene mit Behinderungen - gerade in Entwicklungsländern - werden ihr Leben lang entmutigt und glauben oft nicht an sich und ihre Fähigkeiten." Hinzukäme, so Maarse, dass der weiterführende Bildungsweg, beispielsweise der Besuch von Colleges, für Jugendliche mit Behinderungen oft dadurch erschwert werde, dass die Bildungseinrichtungen nicht wüssten, wie sie blinde oder gehörlose Jugendliche unterrichten sollten.

Um diese „Lücke im System" mitzudenken und praktische Lösungen zu entwickeln, damit Barrieren in der Bildung abgebaut werden können, hat Licht für die Welt im Rahmen des EmployAble Projekts mit sieben Colleges in Äthiopien, Kenia und Ruanda gearbeitet, um junge Menschen mit Behinderungen aufzunehmen und Curricula anzupassen.

„Die Barrierefreiheit von Kursen hat sich durch einige gezielte Maßnahmen bald deutlich verbessert", erzählt Anneke Maarse. Beispielsweise durch die Sensibilisierung von Lehrerinnen und Lehrern zu Behinderung, durch Anpassung der Gebäude u.a. dem Bau von Rampen, durch Gebärdensprachtrainings für Ausbilder und Lehrer und indem Computer mit Screenreader Software ausgestattet wurden, um blinde Schüler beim Lernen zu unterstützen.

„Oft waren die Lösungen überraschend einfach", so Maarse. „Ich erinnere mich an eine junge Frau mit Behinderung, die wenig Kraft in den Beinen hatte und deshalb die Pedale der Nähmaschine nicht bedienen konnte. Eine einfache mechanische Anpassung hat das Problem gelöst. Oder beispielsweise haben wir Schüler in Gebärdensprache unterrichtet, damit sie ihre gehörlosen Klassenkameraden bei Übersetzungen helfen konnten."

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Credit: Marjan van der Lingen

Angesichts der großen Arbeitslosenzahlen von Menschen mit Behinderungen - gerade in Entwicklungsländern - hat Licht für die Welt die Erfahrungen aus dem Projekt und Erfahrungen der Teilnehmer in einer umfangreichen Methodologie zusammengefasst, die Regierungen, Berufsausbildungseinrichtungen und andere Akteure im Bereich Arbeit und Entwicklung ermutigen soll, Inklusion in ihren Programmen voranzutreiben.

EmployAble Report zum Download.

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