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Das Zika-Virus: Wichtige Informationen zur Infektionskrankheit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ZIKA BRASIL
The Washington Post via Getty Images
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In den Nachrichten häufen sich die Schreckensmeldungen über den Zika-Virus. Nach dem Dengue-Fieber und der Malaria gibt es nun eine dritte lebensbedrohliche Infektionskrankheit in Brasilien, die von Mücken übertragen wird. Mehr als 850.000 Fälle soll es bereits schätzungsweise allein in Brasilien geben, die Dunkelziffer ist bei Weitem höher.

Vor allem die nördlichen Regionen des Landes rund um den Amazonas sind stark von Zika-Infektionen betroffen, aber auch im Bundesstaat Rio de Janeiro wurden bereits eine Vielzahl von Fällen gemeldet. Es scheint, als breite sich diese Krankheit immer weiter nördlich aus. Etwa die Hälfte aller Länder auf den beiden amerikanischen Kontinenten sind bereits von dem Zika-Virus betroffen. Lediglich in Kanada und in Mexiko werden die Mücken und somit auch die Krankheit wohl nicht auftreten, so die Prognose.

Möglicherweise zehntausend Babys betroffen

Nicht nur Touristen schreckt das Zika-Virus ab. Besonders Schwangere sind in höchster Alarmbereitschaft. Bereits knapp zehntausend Babys - auch hier schwanken die Zahlen - sollen in Brasilien mit Mikrozephalie zur Welt gekommen sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermutet einen Zusammenhang zwischen der vermehrten Rate an Schädelmissbildungen bei Säuglingen und dem Zika-Virus.

Bewiesen ist das bislang aber nicht. Trotzdem entscheiden sich viele Brasilianerinnen mittlerweile präventiv für eine Abtreibung. In dem erzkatholischen Land gilt dies aber als illegal. Nur im Falle einer Vergewaltigung oder nachweislichen Beeinträchtigung der Gesundheit der Mutter ist eine Abtreibung bis zur 20. Schwangerschaftswoche bedingt erlaubt.

Gegen eine Gebühr von etwa 15.000 Real, umgerechnet 3.700 Euro, wird diese dann in einer Privatklinik vorgenommen. Diese Kosten übersteigen bei Weitem den Durchschnittslohn eines brasilianischen Arbeiters, der bei etwa 2.200 Reais liegt. Deshalb entscheiden sich vor allem gebildetere und bessere verdienendere Frauen für diesen radikalen Eingriff.

Auch die Fruchtbarkeitskliniken werden in den letzten Tagen von Frauen überlaufen, die ihre Eizellen für eine spätere Befruchtung entnehmen lassen wollen. Unnötige Panikmache oder nicht. Eines ist klar: Gegen den Zika-Virus gibt es bislang noch kein wirksames Medikament. Deshalb gilt es für alle Süd- und Nordamerika-Reisenden die folgenden Fakten zu beachten:

Wie wird der Zika-Virus übertragen?

Die Übertragung erfolgt durch die Stechmücken der Gattung Aedes aegypti, die tagaktiv sind und die Betroffenen bevorzugt in die Füße und Beine stechen. Durch den Stich wird der Virus in den Körper übertragen und bricht innerhalb von drei bis 12 Tagen aus. Noch über ein Jahr nach der Infektion sind die Viren im Körper nachweisbar.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt aber nicht. Jedoch kann durch einen weiteren Stich eine andere Mücke das Virus aufnehmen. Sie selbst bleibt unbeeinträchtigt, trägt es aber an den Menschen weiter. Besonders in (sub-)tropischen Gebieten mit Temperaturen zwischen 30°C und 35°C breitet sich der Zika-Virus schnell aus, da dies der bevorzugte Lebensraum der Stechmücke ist.

Wie sieht die Stechmücke der Gattung Aedes aegypti?

Sie ist nur etwa drei bis fünf Millimeter groß und dunkel gefärbt. Signifikant sind ihre weiße Streifen auf den Beinen und die weiße Zeichnung auf dem Scutum. Der Rüssel ist schwarz. Bevorzugt stechen die Stechmücken der Gattung Aedes aegypti in den frühen Morgenstunden und den späten Abendstunden, kurz bevor die Sonne untergeht. Deshalb ist zu diesen Tageszeiten besondere Vorsicht angebracht.

Wie kann man sich schützen?

Da es bislang kein wirksames Heilmittel gibt, muss man präventive Maßnahmen ergreifen. Zuallererst sollte man wissen, dass die Stechmücke ihre Eier in Gewässer, Seen und sogar kleinere Wasseransammlungen wie Pfützen und Blumentöpfe legt. Deshalb sind diese Gebiete eher zu meiden beziehungsweise ist auf Wasseransammlungen im und um das Haus zu achten.

Ein Besuch am Meer oder Ozean, also an einem nicht-stehendem Gewässer, stellt allerdings kein hohes Infektionsrisiko dar. Weiterhin sollte man einen Mückenschutz vor allen Fenstern im Haus und auch gegebenenfalls vor der Tür installieren. Dasselbe gilt für das Bett. Im Baumarkt gibt es bereits für wenige Euros gute Mosquitonetze.

Touristen in Brasilien werden sich sicherlich wundern. Denn bei den Einheimischen sieht man weder Insektengitter vor den Fenstern noch entsprechende Netze am Bett. Diese setzen bevorzugt auf das regelmäßige Einsprühen mit sogenanntem "Repelente", Mückenschutzspray.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das in Deutschland erhältliche Mückenspray absolut ineffizient ist und die saugenden Biester sogar angezogen hat. Deshalb ist es ratsam, es lieber vor Ort in einer der "Farmácias" zu kaufen. Bereits für fünf bis sieben Reais, nicht einmal zwei Euro, ist ein gutes Spray käuflich zu erwerben. Ratsam ist es außerdem, das Spray alle zwei Stunden, insbesondere in den Morgen- und Abendstunden, aufzutragen.

Lange Kleidung kann ebenso ein Schutz sein, ist aber bei Temperaturen über 30°C natürlich gewöhnungsbedürftig. Leichte Baumwollkleidung kann da eine gute Alternaive sein. Auf vielen brasilianischen Webseiten findet man auch den Hinweis, dass man Vitamin-B-Präparate oder stark riechende Lebensmittel zu sich nehmen soll. Das schreckt die Stechmücke scheinbar ab.

Welche Symptome treten bei einer Infektion auf?

Üblich sind grippeähnliche Symptome wie leichtes Fieber (zwischen 37,5°C und 38,5°C), Gelenkschmerzen, vor allem in den Füßen und Händen, Kopfschmerzen und Myalgie sowie ein juckender Hautausschlag im Gesicht, auf dem Rumpf und auf den Gliedmaßen.

Seltenere Symptome einer Zika-Virusinfektion sind Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, eine Bindehautentzündung und gerötete Augen, Lichtempfindlichkeit sowie kleinere Geschwüre in der Mundschleimhaut. Auf jeden Fall gilt: Wenn man sich in einem (sub-)tropischen Gebiet befindet und Fieber oder über längere Zeit Durchfall hat, dann sollte man dringend zum Arzt gehen. Auch dann, wenn nicht unbedingt etwas Schwerwiegendes vorliegen mag.

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