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Neue Gruppenvergewaltigung in Brasilien

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BRASIL
Getty Images
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Die Copacabana ist in Rot gehüllt. Am legendären Touristenspot von Rio de Janeiro haben Frauenrechtlerinnen hunderte Kleidungsstücke mit roten Flecken als Zeichen der nicht endenden Gewalt an Frauen aufgehängt. Auslöser dafür war ein am 26.05.2016 bekannt gewordener Vergewaltigungsfall, der aufgrund der hohen Täterzahl einen weltweiten Aufschrei verursachte.

Eine 16-jährige Favela-Bewohnerin klagt 33 Männer an, sie mit Betäubungsmittel narkotisiert, verschleppt und für mehrere Stunden in einer Wohngemeinschaft im Stadtbezirk Jacarepaguá im Westen der Millionenmetropole missbraucht zu haben. Die mutmaßlichen Täter haben nach der Gruppenvergewaltigung ein Video gedreht, das binnen Stunden nach Bekanntwerden der Tat viral wurde und nicht nur auf YouTube für große Empörung sorgt. Das Opfer selbst entdeckte das Video von sich im Internet, in dem sie von den mutmaßlichen Tätern nach der Gruppenvergewaltigung als Schlampe betitelt wird. Einer von ihnen sagt sogar, dass sie nun von 30 Männer geschwängert wurde.

Die sechs vorläufig festgenommenen Männer, Raí de Souza, Lucas Perdomo Duarte Santos, Michel Brasil, Raphael Belo, Marcelo Corrêa und Sergio Luiz da Silva Junior, die an der Tat beteiligt sein sollen, gaben an, dass die 16-Jährige mit all den Männern freiwillig Geschlechtsverkehr haben wollte. Der zuletzt genannte Verdächtige, da Silva Junior, ist besser als "Da Rússia" (zu Deutsch: „von Russland") bekannt. Er ist der Kopf des Drogenkartells in der Favela Morro São José Operário, in der auch die Vergewaltigung stattgefunden haben soll. Mittlerweile ist das einschlägige Videomaterial sogar auf diversen brasilianischen Erotikseiten erhältlich.

Mediale Zweifel an der Vergewaltigungsgeschichte

Nach Angaben von "Bom Dia Rio", einer Sendung des brasilianischen TV-Senders „TV Globo", gibt es an der Gruppenvergewaltigung der 16-Jährigen durchaus begründete Zweifel. Schließlich bestätige eine nicht veröffentlichte Vaginaluntersuchung, dass es keine Anzeichen eines gewaltvollen Geschlechtsaktes gäbe. Auch andere Berichterstattungen stützen sich auf diese durchaus zweifelhafte, anonyme Quelle. Entgegen dieser Behauptungen bestätigt aber die Vorsitzende der Delegation für Kinder- und jugendliche Opfer (DCAV), Cristiana Bento, dass tatsächlich alles für eine Gruppenvergewaltigung spreche. Schließlich sehe man eindeutig in dem Videomaterial, wie die Männer das junge Mädchen für ihre Zwecke manipulieren.

Diese Meinung vertritt auch der Chef der Polícia Civil von Rio de Janeiro, Fernando Veloso. Die Stimmung, das bewusstlose Mädchen auf dem Bett und die Häme des filmenden Mannes deuten seiner Meinung darauf hin, dass eine Vergewaltigung definitiv anhand des Videos beweisbar ist. Denn der Mann spielt und benutzt die Jugendliche. Allein dieser Akt kann als Vergewaltigung betrachtet werden, insofern die Videoaufnahmen als echt einzustufen sind. Das muss nämlich noch von den Ermittlern geprüft werden.

Öffentlicher Aufschrei wie beim Fall Jyoti

Nach dem Bekanntwerden der Gruppenvergewaltigung formierte sich in Brasilien eine starke Frauenrechtsbewegung, die unter anderem mit dem Hashtag #QueroUmDiaSemEstupro („Ich will einen Tag ohne Vergewaltigung") gezielt auf das Thema der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs hinweisen möchte. Schließlich werden allein in dem lateinamerikanischen Land jährlich rund 50 Millionen Vergewaltigungsfälle registriert, was Schätzungen zufolge lediglich 10 Prozent der Taten entsprechen soll. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da sich zum einen die Opfer oftmals unverstanden und sozial gebrandmarkt fühlen. Zum anderen gehört Vergewaltigung weltweit zu jenen Straftaten, die die geringste Aufklärungsquote besitzen.

Ähnlich wie beim Fall Jyoti, einer indischen Medizinstudentin, die nach einer brutalen Gruppenvergewaltigung Ende 2012 verstorben war, blieb es aber nicht nur bei viralen Aktionen. In einigen Großstädten, beispielsweise in Salvador und Goiânia, kam es zu diversen Demonstrationen von Frauenrechtsorganisationen gegen die patriarchische Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Gewalt und Vergewaltigungen an Frauen in Brasilien.

Mit Slogans wie „estupro não tem justificativa" („Vergewaltigung kennt keine Rechtfertigung") und „eu não mereço ser estuprada" („ich verdiene es nicht, vergewaltigt zu werden") möchte man ein Umdenken in der Bevölkerung bewirken und eine Gesetzesänderung diesbezüglich erzwingen. Denn selbst namhafte Politiker verharmlosen noch immer den Tatbestand der Vergewaltigung. So sagte beispielsweise der PSC-Abgeordnete Jair Bolsonaro in einer Rede zu einer anderen Abgeordneten, dass sie selbst eine Vergewaltigung nicht wert sei. Rund acht Prozent der Brasilianer würden Umfragen zufolge Bolsonaro zum Präsidenten wählen.

Nur einer von vielen Vergewaltigungsfällen

Wenige Tage nach der Gruppenvergewaltigung in Rio de Janeiro wurde eine bislang unbekannte Frau vergewaltigt, entblößt und ermordet in Santa Catarina aufgefunden. Das ist aber nur einer von vielen Fällen, der öffentlich geworden ist. So wurde in der vergangenen Woche auch eine 17-Jährige in Piauí von fünf Männern brutal missbraucht.

Die Männer verletzten das Mädchen so schwer, dass es anschließend ihren inneren Verletzungen im Krankenhaus erlag. Bereits vor einem Jahr erlangte der nordöstliche Bundesstaat traurige Berühmtheit. Fünf Männer, davon vier minderjährig, vergriffen sich an vier jungen Mädchen, die sie im Anschluss an die Tat von Felsvorsprüngen warfen. Besonders im Norden Brasiliens, in dem ohnehin eine hohe Kriminalitätsrate herrscht, sollen Statistiken zufolge die meisten Vergewaltigungen gegangen werden.

Nicht nur in Brasilien kommt es regelmäßig zu Übergriffen an Frauen und Minderjährigen. Laut dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen wird jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens mindestens einmal zum Opfer einer Vergewaltigung. Das sind weltweit mehr als eine Milliarde Opfer. Während Brasilien auf Rang acht des UN-Rankings liegt, nehmen Schweden, Bolivien und Jamaica die traurigen Spitzenplätze der Vergewaltigungshochburgen ein, wobei die Zahlen seit Jahren steigend sind.

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