Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Maria Weickardt Headshot

Alternative Werbeformen: Was ist Guerilla-Werbung?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ASKING QUESTION
TARIK KIZILKAYA via Getty Images
Drucken

Guerilla-Marketing ist unkonventionell, provokativ und einfach anders. Es ist die Kunst, auf dem ohnehin übersättigten Werbemarkt mit möglichst wenig Budget ein Massenpublikum anzusprechen. Dabei folgt es einem recht banalen Konzept: Mit besonders ausgefallenen, humoristischen oder schockierenden Ideen wird Aufmerksamkeit beim Kunden erzeugt. Je größer der Überraschungseffekt für diesen ist, desto höher ist die Reichweite der Kampagne und desto wahrscheinlicher ist auch ihr Erfolg.

Großflächiges Branding kommt beim Guerilla-Marketing hingegen nicht zum Einsatz, weshalb es sich auch für Startups bestens eignet. Vielmehr wird auf das Prinzip des Schnellballsystems gesetzt, bei dem durch das Web 2.0 oder über Mundpropaganda die Kampagne von einem Kunden zum nächsten weiterempfohlen wird. So kann sich eine gute Kampagne - oder auch eine besonders schlechte - binnen Stunden wie ein Virus über das gesamte Internet ausbreiten.

Damit minimiert das Guerilla-Marketing die typischen Schwächen des klassischen Marketings, die in den hohen Streuverlusten und intensiven Werbekosten liegen.

Guerilla-Marketing 2.0: Mit Strategie viel erreichen
Guerilla-Marketing ist zwar deutlich kostengünstiger als andere Werbeformen, jedoch ist es mindestens genauso professionalisiert und durchdacht wie diese. Denn hinter jeder guten Kampagne steckt eine zündende Idee, die auf der genauen Kenntnis der eigenen Zielgruppe, deren Erwartungen und deren Kommunikationskanäle basiert. Danach richtet sich nämlich letztlich, welche Werbestrategie zum Einsatz kommen soll. Die vier am meisten genutzten Strategien im Guerilla-Marketing sind das virale, das Ambush, das Ambient und das Sensation Marketing.

Das virale Marketing
Beim viralen Marketing werden eigens für das Internet affine Inhalte wie Kurzclips oder Online-Games produziert, mit dem Ziel, dass sich diese schnell über die sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder YouTube verbreiten. Die Reichweite und der Erfolg der Kampagne hängen dabei stark von der Zielgruppe selbst ab. Diese fungiert als kostenfreier Multiplikator der Werbebotschaft, indem sie den Content teilt oder likt. Nicht selten berichten sogar Offline-Medien über gelungene virale Kampagnen und verschaffen ihnen so eine weitere Werbeplattform.

Die Basis für das virale Marketing ist somit, dass die Zielgruppe zum Teilen der Kampagne angeregt wird. Am besten funktioniert dies durch Inhalte, die besonders negative oder positive Emotionen auslösen. Ein Beispiel hierfür ist das Spiel Moorhuhn, das als Werbespiel für die schottische Whisky-Marke Johnnie Walker im Jahr 1999 eingeführt wurde und einen weltweiten Hype im Internet auslöste

Das Ambush Marketing
Das Ambush Marketing wird vielmals auch als „Trittbrett-Marketing" bezeichnet, da ein mediales Großereignis als Werbeplattform für das eigene Unternehmen ausgenutzt wird, ohne dass man selbst als Sponsor daran beteiligt ist. Aufgrund der öffentlichen Präsenz wird bei der Zielgruppe aber eine Verknüpfung zwischen dem Event und der Marke geschaffen. Auch Skandale eignen sich besonders gut für die Ambush Strategie. So geschehen beim Pferdefleisch-Skandal im Jahr 2013. Die Autohersteller Opel und Mini nutzen beide dieses Thema aus, um ihre neuesten Modelle zu vermarkten.

2016-10-23-1477245104-6028492-DiesMothaOpauseinFaceboSeigepostQuelOp73214detailp.jpeg

Das Ambient Marketing
Eine dritte Werbestrategie beim Guerilla-Marketing ist das Ambient Marketing, bei dem Kampagnen im öffentlichen Raum im unmittelbaren Umfeld der Zielgruppe geschaltet werden, unter anderem in Bibliotheken, auf öffentlichen Plätzen oder sogar auf Toiletten. Kein Ort ist zu intim, um die Zielgruppe direkt anzusprechen und ihren Lebensbereich zu durchdringen. Dafür muss der Werbetreibende aber ihre Vorlieben und Aufenthaltsorte besonders genau kennen. Typische Beispiele sind Fernseher in der U-Bahn, das Halteschlaufen-Branding im Bus in Form von Hanteln, Zöpfen oder Armfesseln oder Werbung auf Klobrillen oder in Urinalen.

Das Sensation Marketing
Beim Sensation Marketing handelt es sich im Normalfall um eine einmalige spektakuläre Guerilla-Kampagne an stark frequentierten Orten wie Bushaltestellen, Einkaufszentren oder Flughäfen. Da an diesen Orten die Fluktuation sehr hoch ist, ist eine große Reichweite fast schon garantiert. Als Zielgruppe werden die vorbeigehenden und wartenden Passanten definiert, bei denen auf den ersten Blick ein Wow-Effekt ausgelöst werden muss. Sonst kann die Kampagne als erfolgslos verbucht werden.

Ist die Sensation Kampagne besonders Aufsehen erregend oder künstlerisch wertvoll, dann berichten im Idealfall die Medien darüber. Über Fotos und Videos gelangt die Kampagne zudem in die sozialen Netzwerke und wird dort viral verbreitet.

Ein gelungenes Beispiel hierfür stammt von der New Message Agentur in Amsterdam. Als der Horror-Film „Death Proof" auf DVD herauskam, entwickelte die Werbefirma eine sehr schockierende Guerilla-Kampagne im öffentlichen Raum, die hart an der Grenze zum Geschmacklosen war. So wurde auf dem Gehsteig ein abgetrennter künstlicher Arm platziert, der eine DVD mit dem Filmtitel in seiner Hand hielt. Von Weitem sah die Attrappe aber sehr echt aus.

2016-10-23-1477245892-1517680-deathproofseveredarm.jpg

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.