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Die neuen Frauen im Weißen Haus sind ein herber Rückschlag für die Frauenpolitik

Veröffentlicht: Aktualisiert:
IVANKA MELANIA TRUMP
Getty
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Wenn wir uns einig sind, dass die Bewegungen, Entwicklungen, Trends aus den USA im Abstand von etwa fünf Jahren bei uns ankommen, na-dann gute Nacht Frauenbewegung. In den Vereinigten Staaten geschieht im Augenblick ein Paradigmen-Wechsel. Sicher, mit Donald Trump als neuen Präsidenten beginnen wir uns anzufreunden. Aber wer steht hinter ihm?

Da sagt eine Michelle Obama good-bye, die einstige "First Family Clinton" ist Geschichte. Dafür stehen jetzt durchgestylte, schlanke und unglaublich blonde Frauen auf dem Podium: Ehefrau Melania und Tochter Ivanka.

Erst zu Melania: Kann Sie First Lady? Das fragen die Magazine in den USA und auch bei uns. Bisher ist sie eher marionettenhaft aufgetreten, kühl, oft unsicher und immer sehr distanziert. Also doch eher die attraktive Deko? Sie wird bezeichnet als die "Hübsche aus dem Plattenbau", weil sie in Slowenien in einem Dorf aufwuchs.

Melania aber scheint eines auszuzeichnen: Durchhaltevermögen. Denn der Weg von dort über Paris auf New Yorks Laufstege und auf die Titelseiten von Harpers Bazaar und Vogue war keineswegs einfach. Doch sie hat es geschafft. Sicher, mit einem geschönten, oder besser umgeschriebenen Lebenslauf. Aber selbst ihre von Michelle Obama abgeschriebene Rede im Wahlkampf ihres Mannes hat ihr nicht sehr geschadet.

Manche Amerikaner stellen sich jetzt allerdings die Frage: wird sie die in den USA so oft geschmähte "pillow influence" ausüben? Hat Sie Einfluss auf ihren Mann? In einem der wenigen statements äußerte sie nur, dass sie schon ihre eigene Meinung habe, und die auch äußere.

Manchmal würde ihr ihr Mann folgen- manchmal nicht. Dabei betont sie aber immer auch, wie wichtig ihr der 10jährige Sohn Barron sei. Da habe sie sich bei dem bisher einzigen Treffen mit Michelle Obama im Weißen Haus einig gefühlt, was Kindererziehung und die Verantwortung für Kinder betreffe.

Melania Trump: Kann Sie First Lady?

Das klingt alles kolossal traditionell, alles andere als modern, fortschrittlich, zukunftsgewandt. Nur: werden wir nicht überall in Europa, in Deutschland das jetzt erleben? Diesen Backlash, was Frauenrechte, Menschenrechte, Liberalität betrifft? Melania Trump wird sich sicherlich nie bei ihrem Mann gegen das von ihm geplante Gesetz zum Verbot der Abtreibung einsetzen.

Sie hat die sexistischen Äußerungen ihres Mannes im Bus als „Talk in den Umkleidekabinen der Jungens" abgetan. So als würden alle US-Amerikaner in den Sportkabinen über Frauen herziehen...

Als Frau mit eindeutigem Migrationshintergrund wird sie sich auch ganz gewiss nicht bei ihrem Mann dafür einsetzten, dass die angeblich drei Millionen Menschen, die alle vermeintlich illegal in den USA eingereist seien, nicht erst eingefangen und dann abgeschoben werden. Da wird sie keinen Konflikt provozieren wollen. Sondern schön ihren Mund halten.

Mehr zum Thema: Nach dem Wahl-Schock: Der Sieg dieser drei Frauen sollte den Amerikanern Mut machen

Einflussreicher als Ehefrau Melania sei aber Ivanka, die 35jährige Tochter. Mutter von drei Kindern. Häufiger an der Seite des Vaters im Wahlkampf zu sehen und zu hören, als Melania. Ihr Mann Jared Kushner wird wohl ein enger Berater des neuen Präsidenten, das sei jetzt schon sicher, heißt es aus dem Trump Tower in New York.

Die Tochter schaffte es als einzige, den Vater hin und wieder sanft zur Ordnung zu rufen. Sie lachte mit ihren superweißen Zähnen und den knallroten Lippen souverän auch die schlimmsten Ausfälle des Vaters weg und versicherte stets: "Er ist nichts als ein sorgender Familienvater, der sich endlich um das Schicksal seines Landes kümmern will".

Verstörende Fakten zur Einstellung der Amerikaner Frauen gegenüber

Na bitte, da verkauft eine die Marke Trump und viele sind inzwischen überzeugt, dass gerade sie die noch unentschlossenen Frauen herübergezogen habe. Sätze wie "Sie ist sehr groß und hat einen tollen Körper", die Donald Trump immer wieder im Fernsehen über seine Tochter absonderte, steckte sie locker weg.

Auf ihrem Instagram Account folgen ihr 1,8 Millionen Fans und ihren Kommentar nach der Wahl: "Sie wolle sich nur um ihre Familie kümmern", versteht sie wohl ganz anders als Melania. Denn beim ersten politischen Treffen ihres Vater mit dem japanischen Premier Shinzo Abé saß sie mit in der Runde.

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Diese neuen Frauen sind so ganz anders, als die bisherigen Ehefrauen der Präsidenten. Vor allem anders als Michelle Obama und Hillary Clinton. Die neuen Frauen sind ein Rückschlag für die Feministinnen des Landes. Wie schrieb eine Bürgermeisterin aus West Virgina auf facebook: "Endlich kein Affe mehr mit High-Heels im Weißen Haus". Gemeint war Michelle Obama. Die Bürgermeisterin ist nach einem shit storm aber inzwischen zurückgetreten.....

Dennoch: Die Präsidentin des Global Summit of Women, Irene Natividad, ist zutiefst beunruhigt: "Sexismus bleibt tief verwurzelt in der amerikanischen Gesellschaft. Ich habe Angst um mein Land, und um die Menschen die aussehen wie ich". Natividad ist asiatisch-stämmige Amerikanerin.

In dem Magazin "The Atlantic" finden sich verstörende Fakten zur Einstellung der Amerikaner Frauen gegenüber. 52 Prozent aller weißen Männer haben und hatten eine "stark negative Einstellung" Hillary Clinton gegenüber. Ein erheblich höherer Wert als je bei einem anderen demokratischen Bewerber um das Präsidentenamt seit 1980.

Diese Männer, so ist zu lesen, fühlen sich entmännlicht, Clintons Kandidatur habe eine Frauenfeindlichkeit ausgelöst, die noch Jahre nachwirken wird. Deshalb war wohl auch der Satz so erfolgreich: "Finally someone with balls...." Das haben auch 53 Prozent aller Wählerinnen gedacht, die Hillary nicht ihre Stimme gegeben haben. Eine bittere Erkenntnis, nicht nur für sie.

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