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Warum ein Besuch Havannas für mich alles veränderte

19/09/2015 09:18 CEST | Aktualisiert 19/09/2016 11:12 CEST

Flucht: in der Kunst

Im Mai 2005 landete ich am Havanna Jose Marti International Flughafen auf Kuba. Damals war das meine erste Auslandreise und das war auch der Grund dafür, dass mir jede kleine Sache unendlich spannend erschien. Ich war so erstaunt über die karibische Natur, die Kultur sowie über den kubanischen Alltages. Da ich Kuba jedoch nicht zum Vergnügen bereiste, war mir wohl bewusst, dass ich mich nicht vollends in den neuen Eindrücken fallen lassen und alles entdecken konnte.

Die schlimme Diagnose

Ich hatte hier einen Auftrag: Denn zu dieser Zeit wurde bei meinem geliebten Onkel, Thanassis, - er war gleichzeitig auch meine Inspiration - Krebs diagnostiziert. Das Tragische: er war gerade Anfang 40. Diese Benachrichtigung war ein Schock für mich.

In dieser Zeit war ich gerade in einer Phase der absoluten Kreativität. Gerade hatte ich mein Studium an der „Law School of Athen" beendet und war dabei, an meinen Träumen zu arbeiten, unter anderem die Bewerbung an der Kunstakademie.

Die Krebsdiagnose machte mich unendlich traurig. In meiner Verzweiflung darüber, recherchierte ich und fand eine natürliche, alternative Behandlungsmöglichkeit des Krebses - basierend auf dem Gift der „Blue Skorpione".

Diese Behandlung schien es nur in Kuba zu geben. Ich kontaktierte den Leiter des Labors am Stadtrand von Havanna und bekam sofort einen Termin. Im Mai 2005 nahm ich nun den Termin wie geplant wahr, bekam die Medizin aus dem Labor und brachte diese im Kühlschrank meines Hotels unter.

Sie hatten mir die Medizin kostenfrei überlassen. Als Gegenleistung dafür verlangten sie lediglich, dass ich Sie mittels CT-Aufnahmen und weiterer Informationen über den Fortschritt ihres neuen Patienten unterrichten möge.

5 Tage Havanna

Doch bis zu meinem Rückflug blieben mir fünf Tage. Fünf Tage, um diesen äußerst beeindruckenden Ort zu erkunden.

Da ich zwar definitiv nicht in der Stimmung für Rum-Cocktails und Rumba tanzen war, musste ich also über andere Möglichkeiten nachdenken, mich selbst zu unterhalten. Kurzerhand mietete ich mir ein Fahrrad, fuhr damit herum, schoss Fotos und machte mich mit Havanna vertraut.

Da mein Spanisch doch recht gut und ich dort alleine war, begann ich mich mit den Einheimischen zu verständigen. Die meisten von ihnen waren äußerst freundlich und wissbegierig. Sie waren sehr an der Welt da draußen interessiert.

Ich lernte so viele verschiedene Menschen kennen, und dadurch auch eine Menge über die Geschichte und Wirtschaft Kubas, die Vor- und Nachteile dort zu leben und zu arbeiten. Die Kubaner, die ich getroffen hatte, waren alle äußerst diskussionsfreudig und schlagfertig, vor allem bei Themen die sich mit Kuba beschäftigten.

Badewannen-Flucht übers Meer

Die spannendsten Geschichten, die meine „neuen Freunde" erzählten, beschäftigten sich mit dem Thema Einwanderung, darunter die Versuche in die USA zu kommen. Fast alle mit denen ich gesprochen habe, hatten eine solche Geschichte zu erzählen.

Die, die mich am meisten berührte, war die einer Frau, deren Sohn versuchte, mit einer Badewanne nach Miami zu segeln. Ihren Erzählungen zufolge, hatte der Junge die Badewanne mit riesigen Traktoren Reifen ausgestattet. Bei ihrer sehr einleuchtenden Darstellung fehlte allerdings ein wirkliches „Ende" der Geschichte.

Trotz meiner Neugier war ich allerdings zu schüchtern, weitere Frage zu stellen. Ich nahm schlussendlich an, dass alles zu einem „Happy End" führte, da die Frau ohne Umschweifen jede Einzelheit - sogar die über das Zusammentreffen mit Haien im Golf von Florida - metaphorisch umschrieb.

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Ungewöhnliche Fluchten

So wenig wie ich während meines Aufenthaltes in Havanna über die „Badewannen-Fluchtgeschichte" wusste, so sehr beeindruckte sie mich doch und bildete damit den Grundstein für meine Kunstproduktionen der darauffolgenden Jahre.

Deswegen beschäftige ich mich nun schon seit 2008 mit solchen Fällen, in denen Menschen aus einer sehr bedrückenden Umgebung fliehen und das unter Zuhilfenahme recht gewöhnlicher, alltäglicher Gegenständig. Meistens werde ich von den Objekten, die die Menschen selbst gestalten, unheimlich inspiriert. Auf der Grundlage der Skulpturen, die ich produziere, erstelle ich heute Bilder und Kurzfilme.

In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit Märchen, Mythen und historischen Fakten über die Flucht-Versuche von Menschen beschäftigt. Ich habe viel gelernt über Kriegsgebiete, über Armut, Migranten, illegale Verhaftungen, autoritäre Regierungen, Diktaturen, Exilanten...

Viele Materialien habe ich während meiner praktischen Zeit am Athener Obersten Gerichtshof in der Abteilung für Verbrechen gesammelt.

Und ein wichtiges Detail noch zum Schluss:

Den vorliegenden Text habe ich im mittelalterlichen Haus meines Onkels geschrieben. Es liegt in dem Schlösserdorf namens „Olympoi" - in Chios gelegen; eine der vielen griechischen Inseln (nahe der türkischen Küste).

Hier versuchen Tag für Tag - und das schon seit vielen Jahren - syrische Flüchtlinge in ein anderes - besseres - Land zu fliehen ...

Maria Papanikolaou wird am 10. Oktober auf der B3 eine Keynote halten. Leit-Thema des riesigen Medienfestivals ist Expanded Senses. Mit allen Sinnen erleben und Grenzen verschieben. 2013 kamen zur B3 rund 25.000 Besucher aus zwölf Ländern.

Veranstalter der B3 ist die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG). Die Träger der B3 sind das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) und die Stadt Frankfurt am Main.

www.b3biennale.com

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