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Die weltweite Gesundheitsversorgung für Frauen ist schlecht

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Der Internationale Frauentag, den wir heute begehen, wurde vor mehr als hundert Jahren von der deutschen Frauenrechtlerin Clara Zetkin ins Leben gerufen. Seither hat sich einiges getan, in vielen Bereichen gibt es große Fortschritte in der Gleichstellung. So wurde hier in Deutschland beispielsweise die erste Bundeskanzlerin gerade zum dritten Mal wiedergewählt und die Zahl weiblicher Bundestagesabgeordneter ist mit 229 höher denn je.

In einigen Bereichen gibt es jedoch immer noch eklatante Ungleichheiten, sowohl vor der eigenen Haustür als auch weltweit. Besonders gravierend ist die Ungleichheit zum Beispiel beim Zugang zu Gesundheitsleistungen. In vielen Teilen der Welt müssen Frauen weiterhin dafür kämpfen, um die nötigste Gesundheitsversorgung zu bekommen - der Preis dafür ist hoch, manchmal sogar tödlich.

Das Beispiel HIV/AIDS ist ein besonders frappierend. Alle 30 Sekunden infiziert sich irgendwo auf der Welt eine Frau mit HIV. Während Sie diesen Beitrag lesen, infizieren sich also ungefähr acht weitere Frauen mit HIV, viele von ihnen, ohne es zu merken. Trotz großer Fortschritte bei der Bekämpfung von HIV/AIDS, ist die Krankheit in einigen Ländern in Subsahara-Afrika immer noch die Haupttodesursache von Frauen im gebärfähigen Alter. Frauen sind zudem viel häufiger von der Krankheit betroffen als Männer: in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen sind fast zwei Drittel der jungen HIV-Infizierten weiblich. Für Frauen kann die Diagnose HIV verheerende Folgen haben: Stigmatisierung führt zu Benachteiligungen im Erwerbsleben, Krankheit bedeutet hohe Kosten. Beides bedeutet Armut für die ganze Familie, manchmal für Generationen.

Zum Glück wurden die massiven Ungleichheiten zwischen den Geschlechter im Zusammenhang mit HIV/AIDS in der Vergangenheit nicht völlig ignoriert. Viele Länder haben enorme Fortschritte bei der Bereitstellung lebensrettender Medikamente für diejenigen gemacht, die sie brauchen, insbesondere Frauen. Dies hat bereits hunderttausende Menschen vor Krankheit und Tod bewahrt. Angesichts von mehr als einer Million Frauen, die sich jedes Jahr mit HIV infizieren, ist allerdings klar, dass wir noch mehr tun müssen.

Das bedeutet zum einen, dass weiterhin in Gesundheitsmaßnahmen investiert werden muss, die Frauen nachweislich schützen, wie Kondome für Frauen und antiretrovirale Medikamente. Aber es erfordert auch, dass wir neue Instrumente entwickeln müssen, um Frauen und Mädchen noch besser vor einer Infektion zu schützen. Wir wissen, dass Gesundheitsmaßnahmen, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind, maßgeblich zur Verbesserung der Situation beitragen können. Ein Beispiel hierfür aus meiner eigenen Erfahrung ist der Impfstoff gegen Humane Papillomviren (HPV), dessen Einführung ich unterstützt habe. Die Impfung schützt Frauen vor den meisten Formen von Gebärmutterhalskrebs. Die Impfallianz GAVI finanziert die Impfung in armen Ländern, wo die Krankheitslast besonders hoch ist, und schätzt, dass bis zum Jahr 2020 über 30 Millionen Mädchen in mehr als 40 Entwicklungsländern gegen HPV geimpft und damit vor Gebärmutterhalskrebs geschützt werden.

Ein Impfstoff gegen HIV/AIDS könnte sogar noch mehr bewegen: Modelle zeigen, dass ein Impfstoff jedes Jahr Hunderttausende Frauen davor bewahren würde, sich mit HIV zu infizieren. Ein Impfstoff wäre insbesondere für jene Frauen von Nutzen, die bislang keinen oder kaum Zugang zu existierenden Präventions-Möglichkeiten haben, sei es aufgrund schwacher Gesundheitssysteme oder weil sie in abgelegenen Regionen leben. Überdies würde ein Impfstoff auch dazu beitragen, die Situation von Frauen zu stärken, die aufgrund sozialer oder kultureller Normen nicht in der Lage sind, die Verwendung von Kondomen einzufordern, wie beispielsweise die Frauen in den Fischerdörfern am Victoriasee in Uganda. Eine von drei Frauen dort ist HIV-positiv.

Frauen wie diese brauchen einen AIDS-Impfstoff. Und sie müssen auch in die Entwicklung eines solchen eingebunden werden. Das beschleunigt nicht nur die Forschung, sondern stellt auch sicher, dass ein künftiger Impfstoff für diese Frauen wirksam, anwendbar und zugänglich ist. Gemeinsam mit ihren Partnern arbeitet die Internationale AIDS-Impfstoff Initiative (IAVI) in Afrika und weltweit daran, die Teilnahme von Frauen an klinischen Studien für potenzielle Impfstoffe sicherzustellen und zu gewährleisten, dass sie sich freiwillig und unabhängig für die Beteiligung entscheiden und die notwendigen Medikamente und Gesundheitsleistungen bekommen. Ortsansässige Wissenschaftler - darunter zahlreiche Frauen - spielen eine entscheidende Rolle in der Forschung. Ob im Labor oder in den abgelegenen Dörfern: Frauen spielen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung eines Impfstoffs und sind auf einem guten Weg dieses Ziel zu erreichen.

Am heutigen Internationalen Frauentag möchte ich der Arbeit dieser Frauen Tribut zollen und auch all jenen, die sich dafür einsetzen, dass Frauen Zugang zu lebensrettender Behandlung und Prävention haben. Es ist noch viel zu tun, aber gemeinsam können wir eine Zukunft ohne AIDS erreichen.

Margie McGlynn ist Präsidentin und Geschäftsführerin der Internationalen AIDS-Impfstoff Initiative (IAVI)

 
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